
There´s no start like tourstart! Die wirklich anstrengende Zeit ist ja eigentlich nichtmal die Tour selbst, sondern die Zeit davor: Gästelistenplätze zusammenschreiben, Tourpässe malen, Löcher in den Schuhen flicken, Klamotten waschen UND falten, Socken rauslegen, Instrumente abfegen und waschen, Stimmbänder ölen, mentales Vorbereiten auf ein Leben jenseits des echten Lebens, der Leber klar machen, dass sie die nächsten Wochen wenig zu lachen haben wird……alles so Dinge, die gemacht werden müssen vor so einer Tour!

Und irgendwann kommt dann plötzlich Tourneeleiter Jojo in den Raum brüllt „LOS GEHT’S!“ und schon fahren acht vergilbte Musiker und Crewmitglieder auf Konzertreise. Tourstart heute in Bochum. Das ist die Stadt, die mal von Herbert Grönemeyer besungen wurde. Als wir Stunden später durch die Stadt fahren fällt mir so auf, dass Bochum wahrscheinlich nie nen Pokal für die schönsten Außenfassaden gewinnen wird, aber darum geht’s hier ja wahrscheinlich auch gar nicht. Außerdem ist unsere Heimatstadt Eislingen an der Fils eh hässlicher als alle Städte dieser Welt und wäre der mächtige Herbert hier geboren, hätte er sicher keine Note an dieser Häuseranreihung hier verschwendet.

Ich schweife ab. Where has the Faden gone? Ahja. Wir fahren mit zwei Bussen auf dieser Tour: einem fetten Transporter wo der ganze Instrumentenkram drin ist und einem Personenbus wo der ganze Personenkram drin ist. Im letzteren gibt’s auch ne X-box und ich treffe bei „Fifa2010“ nach wie vor nur verficktes Aluminium. Es ist zum kotzen. Dafür ist allen beteiligten aber eine Vorfreude ins Gesicht geschnitzt, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt. Nach nem halben Jahr Konzertpause endlich wieder losfahren zu dürfen ist die beste Sache nach selbstgemachtem russischen Zupfkuchen. Als einzige Frau ist auch diesmal wieder Nova mit an Bord. Nova verkauft unsere T-Shirts, hat fast jeden zweiten Tag Geburtstag und hat mehr Tattoos als Hulk Hogan, wobei ich jetzt gar nicht weiß, ob der überhaupt tätowiert ist. Eine gute Frisur hat er trotzdem. Nova trägt Haarspangen.

Angekommen in Bochum schleppen wir unsere ganzen schweren Cases in den Club und ich schaffe es eine Minute später, mich dämlicherweise selbst und ohne Fremdeinwirkung in den Laderaum des Busses einzuschließen. Da die Situation mal wieder äußerst peinlich ist und ich mich nicht traue die anderen über meine Dummheit zu informieren, bete ich 45min lang zu Jesus, bis ich mir eingestehen muss, dass der aufgrund der akuten Situation logischerweise wohl grade eher in Japan abhängt und finde mich damit ab, dass ich mich allein wieder aus dieser Scheisse befreien muss. Sibbi holt mich, nach einem kleinlauten Anruf meinerseits, kopfschüttelnd aus dem Laderaum und er verspricht mir den anderen nichts zu sagen, wenn ich niemals erzähle, dass er nicht pinkeln kann, wenn jemand neben ihm steht. Deal.

Der Soundcheck fühlt sich an als würden wir zum ersten Mal auf einer Bühne stehen, weil wir jetzt so Kopfhörer haben, über die man den Bühnensound aufs Ohr bekommt. Die Dinger sind teurer als ein frisiertes Moped, ich schwörs. Läuft aber trotzdem, oder grade deswegen, alles ganz gut. Zum Essen gibt’s nen total geilen Spinatauflauf, der mir (wie ich erst nach dem Konzert merke) ganze fünf Stunden zwischen den Frontzähnen hängt. Als Supportband haben wir diesmal Attack! Attack! aus Wales mit dabei. Die sind sehr nett, saufen aber wie eine Truppe russischer Piraten. Beeindruckend. Die russischen Piraten aus Wales spielen dann gleich mal ein echt super Konzert und wir pissen und hinter der Bühne in die Hose, weil wir nach der langen Pause so aufgeregt sind. Max spielt heute seine erste Show mit uns und ab der ersten Sekunde fühlt es sich so an, als würde er seit 10 Jahren dahinten rumsitzen. Das Bochumer Publikum macht das, was man in der heutigen Jugendsprache als „steil gehen“ bezeichnen würde und wir freuen und unfassbar, dass so viele Leute am Start sind und den Tourauftakt zu einem Hammer machen.


Danke an jeden einzelnen fürs vorbeikommen und austicken! Morgen geht’s weiter in Köln. Da simma dabei.
Aufwachen in Bochum und ein Frühstücksbuffet vorfinden, welches sich gewaschen hat. Also jetzt nicht bildlich gesehen, sondern eher anders. Jedenfalls ist das Essen gut, auch wenn Backliner Bobbes den Espresso als „Kaffeewasser“ bezeichnet. Ich mach mich nach dem Frühstück auf in die Sauna und brate ein wenig vor mich hin, während sich andere mit so wichtigen Dingen befassen wie Duschen, Rasieren und Zehennägelschneiden.

Irgendwann fahren wir los und vor dem Bus liegt immer noch der tote Hase, auf welchen Jojo tags zuvor unfreiwillig aber voller Enthusiasmus draufgesprungen ist. Fahrt verläuft ruhig. In Köln gehen wir mit den Walisern etwas spazieren und enden in nem Kaffee in welchem uns der Besitzer mit Milchschaum Kunststücke in den Espresso tropft. Auch ein interessanter Beruf. DIpl. Milchschaumgießer.

Dann Zeugs ausladen und aufbauen. Mit dem ganzen neuen Zeugs dauert das noch länger als bisher, aber da wir ja extra Leute in Mindestlohn-Arbeitsverhältnissen anstellen und sie „Crew“ nennen, macht uns das alles überhaupt nichts aus. Was aber zu beobachten ist, ist die Tatsache, dass dieses ewige Langweilen tagsüber auf Tour komplett Geschichte ist. Irgendwie sind die Tage so vollgestopft mit Souncheck, Interviews und so weiter, dass man sich echt freut, wenn man mal 10 Minuten Zeit zum Kacken hat. Auch wenn das viele nicht unbedingt lesen wollen, aber die Beschäftigung des Ah-Ah-Machens ist auf Tour nicht zu verachten, da es so ca. die einzige Zeit am Tag ist, in der man mal seine Ruhe hat. Also ein dreifaches Hoch auf Toiletten!

Wir gehen nach dem Soundcheck zum Thailänder essen. Wie jedes mal wenn wir im Luxor spielen. Super nette Leute, die uns für den Live-Stream Chat mit Euch auch netterweise das W-Lan Passwort eines Hausbewohners aus dem dritten Stock überlassen, der sich sicherlich wundert warum sein Internet so lahmt. Das Essen ist auch etwas „spezielles“ dort. Irgendwie schmeckt das ganze echt ordentlich, wenngleich geschmacklich hin und wieder eine leichte Esel-Essenz mitschwingt und das Aufstossen nach dem Essen durchaus mit einer Klärgrube verglichen werden kann.

Vor dem Club stehen dann hunderte von Menschen Schlange was echt immer noch ein unbeschreibliches Gefühl für ein paar Jungs aus Eislingen und Ulm ist. Vorfreunde Barometer steigt jedenfalls. AttackAttack fangen an und die Leute gehen vom ersten Ton auch direkt sehr tanzbar ab. Scheinen sich ordentlich vorbereitet und gedehnt zu haben. Ganz im Gegensatz zu mir, da ich mir nach einem Sprung im ersten Song direkt so was von den Oberschenkel zerre, dass selbst Bastian Schweinsteiger neidisch wäre. Show macht dennoch sehr sehr viel Spass, weil Köln echt mal wieder zu begeistern weiß. Da einige technische Sachen schief gehen hauen wir einige Böcke in die Songs, was uns aber nach der Show als sympathisch angerechnet wird. Finden wir klasse. In Zukunft proben wir nicht mehr und betiteln schlechte musikalische Leistungen unserseits einfach als „sympathisch“. Was für ein Plan!

Wie gesagt ein toller zweiter Tourtag. Wir freuen uns noch über den leckeren Rum im Kühlschrank und über die Bar gleich gegenüber. Wohl dem der nicht von einem von uns angehaucht wurde. Bis morgen.
Die Augen öffnen sich an diesem Morgen nur spärlich, ABER sie öffnen sich und das ist in unserem Alter ja keine Selbstverständlichkeit mehr. An unseren Klamotten hängen noch die Schweißfetzen vom Spitzenkonzert in Köln und am Frühstücksbuffet im 4 Sterne Hotel ernten wir wieder herablassende Blicke der anwesenden Anzugträger. Sibbis extrem lautes „BOAH GUGG, ES GIBT SOGAR SENF“ trägt nicht gerade zur Annäherung beider Parteien bei…

Unsere Tourneeleitung Jojo erzählt uns bei Kaffee und Senf, dass wir heute nach Hamburg fahren. Das sind gute Nachrichten, weil in Hamburg sind wir immer gern. Vor allem, wenn die Show aufgrund guten Vorverkaufs in einen größeren Club verlegt werden musste und die Vorfreude auf 700 verschwitzte Hamburger überdeckte sogar die Freude über den anwesenden Senf am Früchstückstisch.

Im Bus versuche ich „GTA 4“ auf der X-Box zu spielen, werde aber ständig von Polizisten umgeschossen, was vielleicht daran liegt, dass ich den Sinn der Spieles nicht verstehe und meine Zeit einzig und allein damit Zeit verbringe unschuldige Passanten mit dem Auto durch die Stadt zu jagen. Neben mir schläft Max in einer Stellung, die einem gothischen Fischerknoten ähnelt und Nova liest ein romantisches Mädchenbuch über romantische Mädchen, die irgendwann auf romantische Jungs treffen und am Ende heiraten alle zusammen und gründen hübsche Kinder und bauen glückliche Familien und ein großes Haus im Grünen. Zeitgleich finde ich bei „GTA“ den Rückwärtsgang und fahre aus versehen den immer lästiger werdenden Polizisten über den Haufen, der darauf blutend an meiner Heckscheibe klebt. Endlich.

In Hamburg angekommen schmieren wir uns Butterbrote, die wir mit Tomatenscheiben belegen. Danach der übliche Aufbau- und Soundcheck-Kram. Unfassbar wie viel nette Leute heute zu Besuch kommen. Im Backstageraum tummeln sich die schönsten Gesichter aller Zeiten und wir freuen uns über gute Gesellschaft. Attack! Attack! geben Vollgas und das Publikum feiert die ab, als gäbe es kein Morgen. Zeitgleich kommt mir Backstage Sibbi entgegen, der aussieht als wäre er grade in einen Kampf mit fünf Dynamo Dresden Hooligans geraten: Das ganze Gesicht rot und blau und wahnsinnig angeschwollen. Die Diagnose unseres Hobbiepathalogen Max lautet: Allergischer Schock. Nevermind the Walnuss!

Eine halbe Stunde vor unserer Show überlegen wir krampfhaft, wie wir dem Publikum jetzt erklären, dass wir nicht spielen können, als Sibbi plötzlich zur Geheimwaffe („ich probiers mal mit Aspirin“ (….)) greift und sich umgehend auf den Genesungspfad begibt.

Als wir pünktlich um 22Uhr das Bühnenbrett unser Eigen nennen sieht Sibbi wieder aus wie der junge Hugh Grant und Hamburg ist einfach nur der Wahnsinn heute Abend. Das mit Abstand beste Hamburgkonzert unserer 10-jährigen Karriere und wir freuen uns tierisch über so viele Leute. Es ist alles ganz unwirklich was grade so passiert. Danke für diese Hammertour!

Nach der Show unterschreiben wir ewig lange auf irgendwelchen Gegenständen, Körperteilen und Kleidungsstücken, bis uns das Bierglas in Beschlag nimmt und uns wieder mal klarmacht, dass Hamburg eben niemals gut ausgeht. Die letzten von uns fallen um 6Uhr ins Bett, nur um um 9Uhr wieder im Bus nach Berlin zu sitzen. Ist halt eben kein Spaß so ne Tour!
Danke Hamburg. Das war mehr als mächtig!!!!
Nachdem wahnsinnig wunderbaren, gut besuchten und damit erfolgreichen Konzert gestern Abend in Hamburg werden wir heute relativ schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Während unsere Crew ausschlafen darf, um dann in einem komfortablen Bus mit DVD Player, Spielekonsolen etc. nach Berlin zu fahren, muss sich die dreiköpfige Band ihrerseits um halb neun aus den Betten schälen und dann in einem Equipment-Transporter mit zweieinhalb Sitzen zusammengepfercht nach Berlin fahren um dort Interviews zu geben. Die Tatsache, dass der Großteil dieser Band erst wenige Stunden vor Abfahrt vom Feiern zurückkommt und somit keine Möglichkeit zur Körperpflege hat, verstärkt die Ungerechtigkeit nochmals.

Meine Lebensmittelallergie vom Vortag verschiebt sich Gott sei Dank (oder auch nicht) vom Gesicht auf die Stimmbänder, was zur Folge hat, dass ich heute in Berlin noch mehr nach Joe Cocker klinge als am Tag zuvor. Immer mal was neues auf Tour. Das Interview für Yagaloo macht Spass, wir kriegen Cola und fahren danach ins SO36. Für alle nicht Berliner, das SO36 ist so ziemlich einer der legendärsten Rock-Clubs in Deutschland. Schon alleine dort zu spielen ist ne riesige Ehre für 3 Jungs aus Eislingen und Ulm.

Heute gibt’s auch wieder nen Interview-Marathon, den wir aber glücklicherweise zum Teil im Freien erledigen dürfen. So eine Sonne ist schon was feines, nach gefühlten 11 Monaten Dauermief. Ich setze mich dann auch direkt in ein Häufchen Vogelscheisse um den Sommer willkommen zu heissen. Apropos „heissen“. Das wird ein „heissen“ Abend…soviel ist jetzt schon abzusehen.

Wir wundern uns, warum schon bei unserer Ankuft im Backstage gekocht wird was das Zeug hält. Als wir dann Abends das Essen aufgetischt bekommen wird uns klar warum. Selten so gut aus einer Backstageküche gegessen. Großen Respekt. Sogar Russichen Zupfkuchen, den die Waliser von Attack Attack aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse als „Rassischen Zapfhafen“ bezeichnen, wird uns aufgetischt.

Heute noch mit an Bord sind Mega Mega aus Berlin, die den Abend eröffnen. Nette Jungs die schon sehr gut Stimmung machen. Als dann Attack Attack auf der Bühne sind merken wir schon, dass das heute Abend kein normaler Abend wird. Zum einen bekommen wir mit, dass der Club restlos ausverkauft ist, zum anderen werden zusammengebrochene Leute an uns vorbeigetragen und man kriegt man keine Luft mehr, weil der hilfreiche Sauerstoff im Club den ca. 80 Grad gewichen ist.

Wir kommen nach dem Intro auf die Bühne und sind schon davor komplett durchnässt. Ich kann mich leider aufgrund der wirklich unmenschlichen Hitze, verursacht durch knapp 800 völlig durchgeknallte Tänzer und etlichen Lampen die mir ins Gesicht scheinen, nicht mehr wirklich an alles erinnern, glaube aber, dass ich außer „fuck, ist das heiss“ nicht allzu viel zwischen den Lieder sage. Ganz großen Respekt an das Publikum, welches wirklich den kompletten Abend ausrastet. Für uns ist das was sehr sehr bewegendes, das alles mitzumachen grade. Bedeutet uns mehr als Rassiche Zapfhafen und Marmorkuchen zusammen! Danke, dass ihr zu unseren Konzerten kommt.

Frankfurt Main. Die Stadt mit der grüßten Kriminalitätsrate Deutschlands. Die einzige Stadt hier, die von der Autobahn aussieht wie New York. Die Stadt in der Dragolsav Stepanowic jahrelang eine Fussballmannschaft trainiert hat und in erster Linie die Stadt, in der die Musikervereinigung Itchy Poopzkid in der heiligen „Batschkapp“ heute Abend zum Tanz aufrufen wird.
Im Bus sitzen bekannte Gesichter und alle sehen nach dem Offday erholt, gesund und wohlgenährt aus. Einzig Schlagzeuger Max versucht seit Stunden in einer wilden Keilerei seine Grippeviren loszuwerden und sollte, soviel sei verraten, als Sieger den Platz verlassen.

Als wir das erste mal 2002 in der Batschkapp gespielt haben, stand ich kurz vor meiner Abiturprüfung. Wir waren damals sechs Tage am Stück auf Tour, haben Sonntag Nacht um 23Uhr in Frankfurt Krach gemacht und am nächsten morgen um 7.30Uhr hab ich mir Null Punkte Im Matheabitur abgeholt. Wenn man also alles mal aufs wesentliche runterbricht, hat die Batschkapp mein leben ruiniert. Schön wieder hier zu sein.
Als eingefleischter VfB Stuttgart Fan hat man sich auch gleich wohl gefühlt hier und die Küche zauberte, wie jedes mal, wieder ein Essen auf den Tisch, dass es einen nur vom Anschauen schon glücklich machte. Gefüllte Broccoli…da stirbt man vor Freude. Als Nachtisch gab es Mohrenköpfe. In drei Farben. Weiss, braun und Schwarz. Der Salat war grün.

Gäste hatten wir heute auch zu Gast, die uns das Leben im Backstageraum angenehmer erleben ließen. Max hat den halben Nachmittag mit Schraubenziehern auf sein In Ear-Monitoring eingeprügelt. Der Typ. Alles was er in die Hand nimmt, ist nach fünf Minuten kaputt, in seine Einzelteile zerlegt und garantiert nie wieder funktionsfähig. Vielleicht ganz passend, dass auf seiner Lieblingsjogginghose, die er „Schnüffelhose“ nennt der Satz „Alles muss vernichtet werden“ steht.

Was auch lustig und denkwürdig ist, ist dass Backstageräume mittlerweile aussehen wie Großraumbüros: 12 Laptops nebeneinander aufgestellt und alle reden nur noch mit dem Internet statt untereinander. Gesellschaftliche Verwahrlosung auf hohem Niveau ist das.
Wenigstens nehmen wir uns zwischendurch immer gegenseitig in den Arm und erzählen uns wie sehr wir uns mögen. Soviel Zeit muss sein. Auch auf Tour.



DANKE FRANKFURT für den absoluten super Abend! Kaum zu fassen was die Tour für einen Spaß macht! Cheers!
Herrlich, dieses Hotel Jaguar in Frankfurt. Der Frühstücksraum fasst ca. 2,5 Leute gleichzeitig und hat auch nur Geschirr für diese Anzahl von Menschen. Also muss man warten, bis der Geschirrspülautomat mit den Tellern der 2,5 Vorgängern fertig ist, um etwas zu frühstücken. Währenddessen kann man sich aber ein schwarz gefärbtes Wasser aus einer 70-er Jahre Kaffeemaschine machen, oder Rührei essen, welches in einer kalten Ei-Soße schwimmt. Auf die Bermerkung „Das Rührei ist etwas sehr wässrig und sollte eventuell noch mal in die Pfanne“ bekommt man die Antwort „Nee, sonst trocken“.

Wir freuen uns nach dem Auschecken, dass unsere Busse trotz absolutem Parkverbot keinen Strafzettel und keine Parkkralle bekommen haben und fahren in Richtung Hannover und dann auch direkt in ne Vollsperrung. Ich hab glaub ich ein halbes Buch auf der Fahrt gelesen, und das als Fahrer. Das sagt einiges finde ich…
In Hannover sagen wir den netten Damen und Herren vom Faust Guten Tag und freuen uns über das bisher schönste Backstagebuffet der Tour. Es lagen sogar handverlesene Erdbeeren auf den Käsebrötchen. Das ist bestimmt was total Feinschmeckermäßiges. Beim Soundcheck fängt Jojo dann an Kirchenlieder zu singen. Er war früher nämlich Ministrant, und kein schlechter. Er war sogar so gut, dass er seine Hosen Backstage in der Kirche anbehalten durfte, was ja leider Gottes nicht alle Ministranten dürfen. Von nun an jedenfalls wird Jojos Gesang so oft es geht ins Konzert eingebaut. Unser Plan ist es, das ganze so aufzubauen und zu etablieren, dass Jojo in nicht allzu ferner Zukunft, den Hauptteil unserer Konzerte alleine bestreiten wird und wir somit mehr Zeit zum trinken haben.

Apropos „Trinken“. Die Jungs von AttackAttack kommen auch jeden Nachmittag in den Club mit den Worten „Also in den nächsten Tagen werden wir echt keinen Jägermeister mehr trinken“. Wir können das leider nicht machen, weil wir uns ja vor ca. 10 Jahren dazu entschieden haben vor jeder Show genau dieses Gesöff zum Anstossen zu kippen.
Die Hannoveraner kommen dann allmählich in den Club während wir Interviews geben und Hähnchen oder Gemüselasagne mit unseren Backenzähnen zermalmen. Die Waliser spielen dann wie gewohnt ein geiles Set, während wir Backstage versuchen unsere angepassten Kopfhörer in die Gehörgänge zu pressen.


Unser Intro ertönt dann irgendwann und wir nehmen das zum Anlass im Anschluss dazu auf die Bühne zu rennen und ein Konzert zu spielen. Hannover macht das sehr sehr gut. Haben selten so großen Spass auf der Bühne, was aber auch daran liegt, dass Panzer teilweise gefühlte 12 Minuten lange Monologe zwischen den Songs hält. Auf die Frage „Ähm, Max! Was machst Du?“ antwortet dieser mit einem knappen „Ich mach Takt“.

Soviel dazu. Nach der Show fahren wir noch ne halbe Ewigkeit in ein Hotel und fallen in unsere Betten. Nachts schreie ich im Schlaf den Jojo zusammen, worauf mir dieser im Affekt sofort sein Kissen über die Rübe zieht.
So kanns weitergehen.
Mit dem Hangover aus Hannover noch im Nacken ging es heute weiter nach Erlangen und Erlangen liegt bei Nürnberg, also in Franken. Ein bisschen Erdkunde vorab kann ja nie schaden…
Die Fahrt heute ist lange und ziemlich zermürbend. Chrissy schreit alle fünf Minuten, dass er rauchen will, Sibbi schreit ständig dass er pissen muss, ich schreie minderwertig betextete Fussballlieder und alle zusammen schreien wir Fahrer Jojo an, dass er endlich ankommen soll. Als wir endlich in Erlangen die Bustüre öffnen, werden wir fast von vorbeirasenden Sonnenstrahlen erschlagen! Touren im Frühling ist wie Schlittenfahren im Dezember: Passt total gut zusammen. Auch der Heuschnupfen geplagte Sibbi röchelt ein fröhliches „endlich Frühling“ und kotzt im Anschluss einen halben Liter Blütenstaub aus seiner Lunge.H(o)usten, wir haben ein Problem.

Während des Ausladeprozesses schließt sich unser Tourmanager Jojo in der extrem engen Ladefläche unseres Busses ein und stellt Sekunden später fest, dass er Schlüssel und Handy vergessen hat. Nachdem er 10 Minuten lang versucht im dunkeln die Tür aufzubekommen, wird es langsam auch unerträglich heiss darin und der Sauerstoff wird auch langsam rar. Weitere 10 Minuten später versucht der schweißgebadete und mittlerweile auch panische Jojo hilfeschreiend mit Achims Hartschalenkoffer die Tür einzuschlagen. Zum Glück kommt kurze Zeit später eine ältere Passantin vorbei und erhört die Panik des gut friesierten Mannes. Zwei Minuten später merken auch wir was los ist, freuen uns dass Jojo immer noch unter uns weilt und machen zum Dank viele kleine Fotos von einem Tourmanager der aussieht als hätte er grade eine Schlacht gegen 10 Dynamo Dresden-Hooligans geführt…

Essen gibt’s heute in der Sonne und wir freuen uns mal wieder über extrem gute Gerichte. Was die auf der Tour zusammenkochen ist so ein Knaller. Ich will nie wieder nach Hause.

Als wir Abends unsere Beine aufs Bühnenbrett tragen stehen vor uns 700 Leute, die sowas von Bock haben auf ein Konzert, dass es uns ganz warm ums Herz wird! Wahnsinnskonzert mit über die Menge schwimmenden Jungs und in den Bühnengraben kotzenden Mädchen. Wunderschön war das. So hab ich mir Punkrockkonzerte immer vorgestellt als Kind.

Erlangen du gutes Pferd. Wir kommen wieder!
Ich entscheid mich nach jahrelanger Abstinenz wieder ins Gebiet der Schlafwandlerei zurückzukehren und fange nachts aus heiterem Himmel an meinen Zimmerkollegen Jojo anzuschreien. Der packt im Affekt sein Kissen und schlägt es mir mit voller Wucht über die Rübe. Daraufhin mache ich das Licht an, schaue zur Tür, sage „hmm…… okay“ und schlafe weiter.
Guten Tag!

Jedenfalls müssen wir unfassbar früh aufstehen heute. 8 Uhr Abfahrt von Erlangen nach Basel, Switzerland ist nämlich schonmal ne Ansage, und weil das ne Ansage ist fahren wir nach 0,8 km direkt bei nem McDonalds raus und fressen Zeugs, welches bis Abends satthalten soll. Zudem bekommen wir noch 20 Becher Gratis Kaffee. Läuft also.
Auf der Fahrt hören Jojo und ich zum hundertsten mal auf dieser Tour die CD „I and love and you“ von den Avett Brothers und finden sie von mal zu mal noch besser. Wer diese Musik nicht schön findet ist schätzungsweise der Sohn des Teufels.

Ich bereite mich im Bus stundenlang akribisch und sehr gewissenhaft darauf vor, mit präzisen Lügen und vielen Dokumenten den Zoll an der Schweizer Grenze so zu belügen, dass sich der ohnehin schon riesige zu verzollende Betrag noch einigermaßen in Grenzen hält. Zu meiner Überraschung werden wir aber durchgewunken und ich hätte im Nachhinein in der Zeit auch was sinnvolles machen können wie z.B. Zehennägel abknippsen und auf Jojo werfen.

Im wunderschönen Solothurn angekommen setzen wir uns bei leckerem Schweizer Käse und Wurst in die Sonne und genießen das Leben. Gibt schon echt wenig bessere Sachen die man so anstellen kann. Generell verbringen wir den ganzen Tag eigentlich mit Essen. Die haben uns hier sogar nen Kuchen mit unseren Fressen drauf gebacken! Umwerfend war das! Heute auch mit an Bord „Cancer“ aus der Schweiz. Sehr nette und gute Band voller Freunden aus der Schweiz. Joel, der Sänger macht sogar ne kleine Schwizerdütsch Lern-Stunde mit uns.

Mein Heuschnupfen gewinnt heute die Weltmeisterschaft und ist somit der beste Heuschnupfen den ich je hatte. Sprich Asthma-artige Erstickungsanfälle, Augen aus denen man nicht mehr raussehen kann, einen Tempo-Verschleiss von ca. 7 Packungen am Tag und Husten dass es kracht. Herzlichen Glückwunsch to me!
Cancer steuern dann irgendwann nach dem Abendessen die Bühnenbrette an und legen ne gute Show hin. Danach unsere Freunde von Attack Attack. Echt geil, wie man sich auf so einer Tour näher kommt. Mittlerweile verstehen wir sogar einzelne Worte, wenn sie mit uns reden. Das gibt so einer langen Konversation immer noch das gewisse Etwas.

Irgendwann isses Zeit für uns und die Solo Turner und Solo Turnerinnen wirbeln durch den Raum. Geile Stagedive Einlagen mit Salti, Mitgegröhle und Feiern inlusive. Wir haben nen mords Spass da oben. Die Schweiz und Solothurn sind für unsere Band immer wieder eine Reise wert. Wäre ich Einzelkünstler würde ich in Solothurn sogar solo tourn.
Nachts gehen einige gleich ins Hotel, in welchem die Treppen und die alten Böden so laut knarrzen, dass an Schlafen eigentlicht nicht zu denken ist. Der Rest der Truppe geht Saufen und wird, wundersamerweise, an allen Clubs an der Tür mit den Worten „Wir haben leider schon zu, tut mir leid“ abgewiesen, während man hinter dem Türsteher sehen kann, wie der Bär im rappelvollen Club steppt. Vermutlich würden wir unserer Tourtruppe aber auch nirgends reinlassen. Mitten in der Nacht kommt mir Max im Hotelflur entgegen und ruft „Waaaas? Sag das bitte nochmal langsam“, dabei hatte ich absolut keinen Ton von mir gegeben. Was will man um halb sechs morgens aber auch erwarten…
Basel also. Als wir das letzte mal hier waren, war ich total stolz darauf, dass ich kurz vor unserer Weiterfahrt in die nächste Stadt noch gemerkt habe, dass mein Laptop ja noch oben im Backstageraum liegt. Fast vergessen gehabt. Daraufhin bin ich hochgerannt, hab meinen Laptop geschnappt, bin die Treppen wieder runter, hab den Laptop vor die Bühne gelegt, bin in den Bus gestiegen und wir sind losgefahren…

Ich weiß nicht warum mein Gehirn immer und immer wieder solche Dinge tut, aber es hat verfickte 1,5 Wochen gedauert bis das Ding endlich wieder bei mir war, weil es vom Zoll abgefangen wurde und zum Zollamt Saarbrücken (!?!?) geschickt wurde. Das einzige was noch schlimmer ist als Polizisten sind Zollbeamte. Und vielleicht noch der Karlsruher SC.
Heute hingegen brät Gebruder Sonnenschein vom Firmament und wir machen vor unserer Fahrt nach Basel erst noch einen morgendlichen Spaziergang durch das schöne Solothurn. Alle freuen sich über das geile Wetter und die freundlichen Gesichter innerhalb der Truppe. Einzig Menschenhasser Max entfernt sich nach sieben Minuten unerlaubt von der Reisegruppe und legt sich in den Bus zum pennen. Anscheinend scheint ihm das bekannte Sprichwort „Wer saufen kann, kann auch am nächsten Tag durch Solothurn wandern“ nicht viel zu bedeuten.

Unser Lichtmann Chrissy hingegen ist so fasziniert von der Schweizer Kultur, dass er auf einem Markt einen extrem stinkenden Batzen Käse kauft und ihn minutenlang (!) wie eine Trophäe über dem Kopf durch die Menschenmasse trägt. Der Mann weiß gutes Essen noch zu schätzen. Oder er ist, genau wie alle anderen, einfach noch total besoffen von letzter Nacht.
Das kann aber nur Jesus selbst beantworten und der redet nicht mehr mit uns, seit wir Max „666“ Zimmer in unseren Reihen haben.

In Basel werden wir in ein dickes 5 Sterne Hotel eingebunkert. Wir wissen zwar nicht warum, aber bei sowas fragt man ja auch nicht nach, sondern freut sich. Auf dem Zimmer klicke ich aus Versehen auf die PayTv-Taste des Fernsehers und versuche darauf äußerst hektisch den doch ziemlich offensiv dargestellten Geschlechtsakt eines brasilianischen Pärchens wieder vom Bildschirm zu bekommen bevor man mir am nächsten Tag beim auschecken dann 15Euro dafür berechnet.

Um 16.40Uhr brülle ich vor Freude, weil mein Fussballverein 2:1 führt und um 17.15Uhr kotze ich in mein Abendessen, weil es 2:4 endet. Zeitgleich wirft der englische Fahrer unserer Vorband „Cancer“ seinen Laptop in die Ecke und brüllt „FUCK IT – i hate football!!“
Manchmal sind sich Stuttgart- und Nottingham-Fans eben sehr nahe…

Nachdem abends erst die guten Jungs von Cancer und dann die guten Jungs von Attack! Attack! Alarm gemacht haben, sind wir an der Reihe und freuen uns über ein volles „Sommercasino“! Jedes mal kommen mehr Leute hier und wir spielen ein super Konzert mit einem Publikum, das Vollgas gibt und den Zwischenteil von „Down down down“ so stark pfeift wie sonst keine Stadt bisher. Nach der Show bringe ich als allererstes meinen Laptop in den Bus und wir trinken noch 1-5 Bier vor unserem Bus mit guten Gesichtern von Fern und Nah.

DANKE BASEL!!!
Herrlich ausgeruht nach 3 Tagen Ruhe oder „off“ wie man in der Musikersprache sagt, steige ich mit Jojo in den Bus und will nach München Gurken. Leider kommt alles mal wieder anders und wir wundern uns, warum der linke hintere Reifen eher aussieht wie ein leerer Kartoffelsack und nicht wie ein prall gefüllter und stolzer Hinterreifen. Also erstmal die Autovermietung anrufen, in die Werkstatt fahren und den Arbeitern dabei zusehen, wie sie einen 10 cm langen Metallpflock aus dem Reifen ziehen.

Unser ganzer Plan heute mal pünktlich im Club anzukommen ist also fürn Arsch, wir kommen stattdessen 2 Stunden zu spät an und unsere arme, aber menschlich durchaus sehr sympathische Crew muss wieder ranklotzen, während die Herren Musiker damit beschäftigt sind Radiointerviews zu geben, oder eben jener Crew beim Arbeiten zuzusehen und währenddessen nervige Kommentare abzulassen.
Am kalten Buffet steht ein Glas Senf, dessen Inhalt, Senf, mir so dermaßen die Nase durchbläst, dass sich meine Nasenscheidewandverkrümmung wie von selbst begradigt. Ich glaube man könnte auch direkt sämtliche Nasensprays auf der Welt abschaffen, wenn sich alle Leute ab sofort nur noch scharfen Senf durch die Löcher ziehen würden. Wir werden das auf dem nächsten Tourteil in Österreich testen und Euch berichten.

Wir freuen uns die Jungs aus Wales wieder zu sehen, nach drei Tagen endlosem Vermissen. Man mag es kaum glauben, aber sie haben in der Zwischenzeit Alkohol getrunken. Vielleicht ist es auch so, dass man, wenn man in Wales aufwächst, einfach nichts anderes machen kann außer sich zu betrinken. Wir haben sie jedenfalls sehr sehr ins Herz geschlossen und können kaum erwarten in UK mit denen rumzuheizen.

Nachdem zusätzlich zu unserer Verspätung auch noch der Bass-Amp abraucht bzw. anfängt zu rauschen wie damals Darth Vader, werden wir grade noch vor Einlass mit allem fertig und müssen dann unseren Live-Stream während dem sehr leckeren Essen abhalten. Ich entschuldige mich für eventuelle Schmatzstörungen. Es gab sogar Kartoffelsalat IN EINEM GLAS!! Völlig lecker, München ist kulinarisch gut zu uns. Zu Attack Attack ist München auch konzerttechnisch erste Sahne und die Jungs haben mords den Spass. Wir danach auch. Immer wieder Klasse in München zu spielen. Total viele Freunde da, die komplette Emil Bulls Riege, die WDCS, die Leute die unser letztes Video gedreht haben und und und. Ich brech mir zwar beim Surfen auf dem Gitarrenkoffer fast das Genick, weil ich noch bevor ich richtig oben bin mit meinem Hals fast die Bühnekante abreisse, aber sonst ist alles super. Leider ist das Konzert schon ne knappe Woche her, deswegen fehlen mir die Details, aber ich glaube mich zu erinnern, dass ich viel gelacht habe auf der Bühne.

Nach der Show verziehen wir uns in den riesigen Backstagebereich und feiern mit allen Freunden noch teilweise bis halb sieben Uhr morgens. Auch die Tatsache dass ich irgendwann im Verlauf der Nacht irgendwann plötzlich einen BH der Größe 80 B trage, spricht nicht unbedingt für das hohe Niveau… Aber wer braucht schon Niveau, wenn man die beste Zeit der Welt auf Tour hat?


Letzter Tourtag also. Alles fängt damit an, dass ich in unserem Münchener Schlafgemach die Augen öffne, Thimos übergroßen Kopf erblicke und selbigem, nachdem er völlig unbegründet meine morgendliche Frisur beleidigt, einen Schuh entgegenwerfe. Der Schuh schlägt ungefähr zwei Meter neben Thimos Kopf in der Wand ein, was ihn aber nicht daran hindert das Ding zurückzuschleudern und mir durch einen unglaublichen Volltreffer so dermaßen die Genitalen zu verstauchen, dass man den Tag am liebsten gleich wieder beenden möchte. Zeitgleich erwacht unser Tourmanager Jojo in Bett Nummer drei, weist uns darauf hin, dass wir rücksichtslose Arschlöcher wären und wir ihn gefälligst schlafen lassen sollen. Die Frage wer als nächstes den Schuh im Gesicht hatte, erübrigt sich hiermit ja wohl…

Zum Frühstück gibt es Teigwaren mit Senf und nebenher stelle ich fest, dass meine Konzertklamotten von gestern Nacht immer noch total in Schweiß getränkt sind. Ekelhaft. Auch interessant ist, wie man zu Beginn einer Tour immer total darauf acht gibt, dass Ordnung in der Reisetasche herrscht. Nach ungefähr einer Woche ist die Klamottenaufteilung innerhalb der Tasche dann schon etwas weniger deutlich zu erkennen und am Tourende ist es einfach nur noch ein Sack voller stinkender Stofffetzen, die man alle willkürlich als T-Shirts, Socken oder Mützen tragen kann.

Außerdem sind meine Schuhe gestern endgültig außeinander gefallen. Da ich keine anderen dabei habe, klebe ich sie mit Gaffa-Tape wieder zusammen, wie man das als Musiker eben so macht. Mit Gaffa-Tape kann man nämlich alles reparieren: Gitarren, Schuhe, Autos und wahrscheinlich sogar gebrochene Herzen oder zerrüttete Familienverhältnisse.

Teile der Reisegruppe waren erst gegen 8Uhr im Bett, was verhältnismäßig spät ist, wenn man bedenkt, dass jetzt 10Uhr und der Großteil der Truppe schon wieder auf Weiterfahrt gebürstet ist. Im Bus versuche ich mich ein letztes mal in „Fifa2010“ auf der X-Box und begrabe meine Titelambitionen erst in der 87. Spielminute, als ich dem, am eigenen Sechzehner stehenden, Thierry Henry mit einer völlig unbegründeten Grätsche von hinten beide Beine amputiere und dafür etwas verdutzt die rote Karte hinnehmen muss. In Unterzahl ist gegen Max´ ausgeklügeltes Flügelspiel eben nichts auszurichten. Da ich ein aber ein fairer Verlierer bin, behaupte ich standhaft sein Siegestor wäre abseits gewesen und generell hatte meine Controler eh die ganze Zeit über einen Wackelkontakt gehabt.

In Stuttgart angekommen, dann gleich zum Soundcheck. Ursprünglich wollten wir ja in der „Röhre“ spielen, aber da der Vorverkauf so umwerfend gut lief, wurde die Show ins größere LKA verlegt und damit werden wir hier heute Abend vor über 1000 Leuten aufspielen. Unfassbar eigentlich. Zusätzlich wird das heute das größte Familienfest aller Zeiten, da alle unsere kompletten Familien am Start sind und sich mal anschauen wollen, was der Junge da seit Jahren eigentlich so treibt und warum er so selten zu Besuch kommt. Unsere allerbesten Freunde sind auch alle da und zum Essen gibt es irgendeine gelb-braune Schlonze, die in einem Aluminiumbecher serviert wird. Immer schwierig wenn man bei einem Pizza-Service bestellt, der 400 Gerichte aus 28 verschiedenen Nationen anbietet. Da kann man sich dann immer ziemlich sicher sein, dass der Koch nicht mal weiß wie man nen Backofen vorheizt.

Attack! Attack! räumen groß ab bei der Show heute und fallen uns danach sehr dankbar um den Hals, weil die Tour wirklich großartig für sie lief. Totale Spitzentypen und wir freuen uns schon derbe mit den Jungs in UK rumzufahren.

Um 21.30Uhr steigen wir dann auf die Bühne und spielen vielleicht eines der allerbesten Konzerte unserer 10-Jährigen Bandgeschichte! Über 1000 Leute geben 80 Minuten lang Vollgas und wir sind einfach nur unglaublich fertig, glücklich und überwältigt, als wir danach nochmal das Konzert und die gesamte Tour revue passieren lassen. So viel Lob wie auf dieser Tour haben wir auch noch nie bekommen. Mein Highlight war ja, als unser Mischer Achim nach der Show in Hannover zu mir sagte „Die Musik ist der Spargel und deine Stimme ist die langsam darauf zerlaufende Butter“. So ein Satz ist mehr wert als jeder Musicaward.
Wir bedanken uns bei allen Clubs, der besten Crew der Welt und vor allem bei jedem einzelnen Konzertbesucher! Es ist gut zu wissen, dass ihr immer noch Spaß an uns habt, dass ihr immer noch die Texte besser könnt wie wir und dass wir uns alle ganz sicher wiedersehen!
RRRRRRRRRRRRRRROCK!

Danke für die geilen Bilder an Rainer Ruber & Daniel Schmid
Es ist schon bemerkenswert lustig, wie sehr innerhalb unserer Reisegruppe aufbrausende Unruhe einkehrt, sobald wir ein paar Tage am Stück mal zuhause sind und keine Show spielen. Wir sind eben halt doch für die Strasse gemacht und die Vorfreude auf die drei Shows in Österreich war größer als das Empire State Building, das bekanntermaßen ja irgendwann mal das größte Gebäude der Welt war. (Jedenfalls so lange bis irgendeiner in der gleichen Stadt zwei größere Häuser gebaut hat, die dann aber wieder von Flugzeugen eingerissen wurden und während sich das Empire State Building heimlich drüber freuen wollte jetzt wieder auf Platz eins zu sein, musste es dann feststellen, dass irgendein Scheich in Dubai oder so, in der Zwischenzeit schon längst ne Bude gebaut hat, die drei mal so hoch ist, wie es selbst.)

Generell ist es schon bedenklich was Ölscheiche so alles mit der Welt machen. Mittlerweile kaufen sie ganze europäische Fussballvereine….was kommt da als nächstes? Ich kann Euch versichern, dass wir als Band uns niemals von einem Scheich aufkaufen lassen würden. Außer er würde uns ein Fass mit Gratisdiesel für alle kommenden Touren spendieren. Soviel Kohle hätte aber selbst der nicht…
Im Bus ist allseits gute Stimmung und Merchandisefrau Nova versucht uns ständig dazu zu überreden, dass wir unbedingt am „Mondsee“ zum baden und wandern halten müssen. Wir sind aber, wie immer, spät dran und haben heute keine Zeit für so nen Scheiss. Außerdem fährt neben uns ständig ein gelber Bus mit der Aufschrift „KUDDEL MUDDEL THEATER“.
Komischer Tag heute.

In Graz werden wir herzlich begrüßt und fallen als erstes mal unseren irischen Freunden von „Scuba Dice“ um ihre dicken Hälse! Mit den Jungs waren wir vor einiger Zeit in Irland auf Tour und jetzt begleiten sie uns drei Tage durch das Land der Berge. Unglaublich nette Menschen sind das. Die haben auch viel aufwendigere Frisuren als wir. Mit so Strähnen und Sachen. Sehr Schick. Wir hingegen verstecken unsere undefinierten Haarsträucher in diesen Tagen lieber mit großen Mützen, um nicht weiter unangenehm aufzufallen.

Soundcheck verläuft wie immer äußerst professionell und als es danach zum Essen in ein nahegelegenes Restaurant geht, fällt unserem Mischer Thimo wieder ein, dass er bei unserem letzten Aufenthalt in Graz, des nächtens in einer Bar geendet ist, die ihm zuweilen leicht komisch vorkam. Allerdings hat er erst nachdem die Lokalbesitzerin vor ihm 20 halbnackte Frauen aufreihte gemerkt, dass das wohl nicht keine gewöhnliche Bar ist in der er sich da befindet. Thimo beschließt im Anschluss an diese Erinnerung heute ein Bier weniger zu trinken als letztes mal.

Zum Essen gibt’s Burger aller Art und sogar die vegetarische Version schmeckt unglaublich gut. Als Zugabe gibt’s Salat mit Kürbiskernöl und ich überfresse mich hemmungslos, was zur Folge hat, dass ich zwei Stunden später, wie ein nasser Sack auf der Bühne stehe. Sollte aber trotzdem gut werden alles! Publikum ist anwesend und wir haben sowieso Bock ohne Ende. Sibbi vergisst wieder komplette Textzeilen und reiht wahllos englische Fhantasiewörter aneinander. Manchmal denke ich der Typ gibt sein Gehirn bei Konzertbeginn beim Backliner ab und holt es erst danach wieder ab, nur um es im Anschluss fortan weiter mit Alkohol zu bekämpfen. Guter Typ.

Scuba Dice kamen auch super an beim Publikum und Max und ich enden viel später noch in einem Laden namens „Nachtexpress“. Dort werden zwar keine Frauen aufgereiht, aber dafür kommen abwechselnd total gute und dann wieder absolut unterirdische Musikvideos. Als dann irgendwann im Anschluss an Johnny Cash die Onkelz laufen, verlasse ich fluchtartig den Laden und werde auf der Fahrt zum Hotel 7 Minuten lang von einem österreichischen Taxifahrer ausgelacht, weil ich meinen extrem hochfrequentierten Schluckauf nicht wegbekomme. So ein Arschloch.
DANKESCHÖN GRAZ!!!
Aufgrund des Absynth-Erlebnisses vom Vorabend schwebe ich heute zum Treffpunkt vor dem Bus. Ein herrlicher Tourauftakt in Graz war das gestern Abend. Heute steht die Hauptstadt der Alpenrepublik an, welche auf den Namen Wien hört. Lustigerweise, egal wo man sich in Österreich aufhält, keiner ist gut auf die Wiener zu sprechen. Außer die Wiener selbst. Aber das ist das gleiche Prinzip wie bei uns. Wir sind auch super auf uns zu sprechen. Wir mögen die Wiener jedoch sehr. Ein wichtiger Grund für die Zuneigung meinerseits sind die Käsekrainer-Stände an jeder Ecke. Käsekrainer ist so ne Art Bockwurst mit Käsefüllung. Wahnsinn. Zwar so fett wie 3 trächtige Biber, aber sehr nahrhaft.

Man merkt bei uns inzwischen deutlich, dass es keinen Tourkoller gibt, der nach einigen Wochen Tour einsetzt, sondern einen „Wannimmer-man-sich-sieht“-Koller der die ganze Zeit über präsent ist. Die 2 Stunden Fahrt von Graz nach Wien verbringen Jojo und ich z.B. damit, immer wieder mit dem Zeigefinger gegen die Backe zu schnippen und gleichzeitig mit gespitzten Lippen auszuatmen, so dass ein deutlich hörbares Tropf-Geräusch entsteht. Dahinter setzen wir sofort so Worte wie „tung“ oder „tengelee“, was sich dann in perfekter Ausführung automatisch so anhört, als würde ein besoffener Österreicher „Quittengelee“ sagen. Ihr denkt jetzt grade sicherlich „Was soll denn diese unlustige Scheisse?“ und wenn man es mal auf das Wesentliche runter reduziert, habt ihr den Nagel damit auch auf den Kopf getroffen.

In Wien angekommen freuen wir uns, dass der Club direkt unter U-Bahn Schienen gebaut wurde. Wer weiß wie breit zweispurige U-Bahn Schienen sind, der weiß jetzt auch wie breit der Club ist. B72 heißt er und ausverkauft wird er Abends sein. Finden wir gut sowas. Jojo und ich ziehen natürlich direkt los um Käsekrainer zu suchen und wir merken leider mit der Zeit, dass wir genau an dem Ort in Wien sind, an dem es Mittags nirgendwo Käsekrainer zu kaufen gibt. Darauf esse ich aus Frust den kompletten Salamivorrat des B72 auf und danach sogar noch eine Paprika. Der andere Bus mit dem Rest der Reisegesellschaft kommt dann auch irgendwann an, wir sagen hallo und es fallen die üblichen Begrüßungssätze wie „Wow, Deine Schönheit strahlt mir sowas von entgegen, ich erblinde gleich“ und „Meine Schönheit kann aber nur so strahlen, weil sie Deine, noch heller strahlende Schönheit, reflektiert.“

Nachdem wir es tatsächlich irgendwie schaffen unser komplettes Equipment auf und um eine Bühne zu bauen, welche ohne zu Übertreiben genau so groß ist wie normalerweise das Schlagzeugpodest von Max, ziehen wir los und essen, richtig, Käsekrainer. Da hat sich die Tour schon wieder gelohnt. Zum Nachtisch Apfelstrudel. Dann zurück in den Club wo mittlerweile Scuba Dice soundchecken und wo desweiteren wir einen Strafzettel bekommen haben. Nummer 7 auf dieser Tour. Bei Show Nr. 13 ist das ein relativ ansehlicher Schnitt.

Nachdem der Club irgendwann voll ist spielen Scuba Dice ne coole Show und man kann echt nur nochmal erwähnen dass es wenig nettere Bands gibt, als diese Typen. Ich weiß auch noch, wie wir letztes Jahr auf der Irland Tour von ihnen abgeholt worden sind, mittags, und wir erst Abends die ersten Worte verstanden haben, die sie in krassestem irischen Akzent von sich gegeben haben. Bis dahin hatten wir auf so Fragen wie „Wie war Euer Flug?“ oder „Was haltet Ihr von Irland?“ immer nur mit einem nett lächelndem „Hehe, Yes“ geantwortet.

Wir dann jedenfalls auf die Bühne hier in Wien und das Publikum zeigt zusammen mit uns gleich mal vorbildlich, dass musikverliebte Schluchtenscheisser und Piefkes äußerst gut zusammen feiern können. Eine weitere sehr schöne Wien Show. Jedes mal ur-leiwand hier. Danach quatsche ich ewig mit dem Besitzer des Ladens, wobei es sich als äußerst angenehm herausstellte, dass dieser eine nie versiegende Standleitung zur Bar besitzt. Herzlichen Dank Wien, bis zum nächsten Käsekrainer.

Ein verdammt guter Abend in Wien war das gestern Nacht und trotz der Tatsache, dass die Show so super war, haben wir es geschafft doch „relativ“ früh ins Bett zu gehen. Relativ früh heißt übrigens vor 3Uhr. Einzig Doublebassmechaniker Max fiel wieder erst um halb sechs auf die Hotelmatratze, nachdem er zusammen mit den Iren von Scuba Dice auch die letzten Alkoholreste im Backstage vernichtet hatte. Gerüchten zu Folge, haben sie morgens um 5Uhr unten an der Bar noch versucht Bananen gegen Bier zu tauschen…

Heute ist also die letzte Österreichshow an der Reihe und Salzburg ist ja eh immer ne Macht gewesen bisher. Man kann es einfach drehen und wenden wie man will: Auf Tour mit dieser Band und dieser Crew zu sein ist die beste Sache der Welt und wird niemals durch irgendwas zu ersetzen sein. Vor allem dann nicht, wenn im Bus, so wie heute, während der Fahrt ständig gesungen, geklatscht und getanzt wird! Bedenklich dabei ist immer nur, wenn der der eigentlich das Lenkrad halten sollte, derjenige ist der am meisten abfeiert…


Irgendwann kehrt dann aber doch die Langeweile ein und ich denke mir, dass es eine gute Idee wäre unseren Mischer und Glückspielniete Thimo im Pokern die Hosen auszuziehen, um mit dem gewonnenen Geld meine nächste Miete zu bezahlen. 10 Minuten später bin ich komplett pleite und setze mich frustriert wieder auf den Beifahrersitz, während Thimo hinten in Dagobert Duck-Manier mit meinem Geld rumwirft. Nie wieder Krieg, Nie mehr Las Vegas.


Im Rockhouse angekommen erstmal beschmierte Brote bejubeln und die Jungs von First Class Ticket begrüßen, die heute zusätzlich zu Scuba Dice mitzocken sollten. Ebenfalls sehr nette Kerle. Der Soundcheck verläuft heute etwas holprig, weil auf der Bühne mehrere Laptops aufgebaut sind, auf denen Bundesliga läuft. Aufgrund der prekären Situation einer schwäbischen Mannschaft im Tabellenkeller wird der Soundcheck somit kurzerhand als völlig nebensächlich erklärt und Mischer Thimo dreht komplett durch, weil wir ihm nie zuhören, wenn er etwas sagt. Als dann sein „Max kannst du bitte nochmal die Bassdrum spielen“ durch ein ohrenzerfetzendes „TOOOOOOOOOOOOOOOR!!!!! JAAAAAAAAAAAAAAA!!!!“ übertönt wird, ist er kurz davor der Band Itchy Poopzkid für immer den Rücken zu kehren, kann dann aber mit einem Butterbrot dazu bewogen werden, doch weiterhin mit uns rumzufahren. Nevermind the Soundcheck – Here´s the Klassenerhalt!!

Kurz vor Einlass gehe ich nochmal vor den Club, sehe wie ein 16-Jähriger Typ in einem riesigen Strahl direkt vor den Eingang kotzt und danach weiß ich, dass es heute nur ein guter Abend werden kann. First Class Ticket und Scuba Dice spielen gute Shows und als wir danach im vollen Rockhouse auf die Bühne klettern gibt es für alle Parteien kein halten mehr. Salzburg ist echt immer besonders! Von der ersten bis zur letzten Minute geben die Vollgas und wir haben eine unglaublich gute Zeit auf der Bühne. Besser hätte der Tourabschluss hier nicht laufen können….

Auf der anschließenden Spontan-Aftershowparty tanzen wir irgendwann unter Barhockern durch, nerven die Barleute, weil sie seit Stunden den Laden dichtmachen möchten und auch ansonsten sind wir eher froh, dass hoffentlich keiner gefilmt hat.


Danke für die unglaublich geile Tour! Die Shows in Österreich haben dem ganzen noch die Krone aufgesetzt!
Irgendwann vor ein paar Jahren haben wir mal die Regel aufgestellt, dass derjenige, der mit dem Bus auf einer Konzertreise in einen Stau fährt einen Kasten Bier zahlen muss. Würden wir uns strikt an diese Regelung halten, hätte unser Schlagzeuger Max Zimmer am heutigen Tage mindestens vier Großbrauereien aufkaufen müssen, um sein Schulden abzahlen zu können. Wir haben für die Strecke Eislingen – Münster ganze 8,5 Stunden gebraucht. Respekt- weitermachen – toi toi toi.

Die Fahrt war aber dennoch ziemlich amüssant, was einzig und allein daran lag, dass Fahrer Max irgendwann gehirnmäßig die Fassung verlor und die letzten sechs Stunden am Stück konstant und unaufhörlich durchfluchte: Opfer seiner Flüche waren unter anderem alle anwesenden Autofahrer, Polizei, Krankenwägen, das Navigationssystem, der Verkehrsfunk, der Beifahrer, Autobahnrasthöfe, Geschwindigkeitsbegrenzungen, die Benzinpreise, der Fahrersitz, die Scheibenwischanlage, die vergangene Bundesligasaison, das Bundesministerium für Verkehrssicherheit, die Rohstoffknappheit in der dritten Welt, Milli Vanilli und im Generellen sowieso alle Bullen, Staat und Gesetze die es so gibt.

Angekommen im prächtigen Münster sind wir dann trotzdem irgendwann und da wir alte Hasen sind im Business sind, haben wir unser Equipment gleichmal auf die Bühne getragen. Da werden die Sachen nämlich später an einen Stromkreis angeschlossen und wenn man dann noch diverse Kabel in die Instrumente reindrückt, kann man mit etwas Glück, am Ende des Tages Musik machen.
Zum Essen gabs heute Pizzsaschnitten mit Belag und während Sibbi jaulend und verzweifelt versuchte sich als Rudelsführer einer Truppe Schäferhunde zu etablieren, schaute der Rest aus dem Fenster, um dort zu beobachten, wie einige Animateuere der Firma “Jägermeister” tanzend versucht haben Schwung in die Party zu bringen. Falls ihr irgendwann eine Party plant und irgendjemand braucht, der Stimmung macht, besorgt euch bitte ein Bleigieß-Set, eine Tischkanone, zweifarbrige Luftballons, Luftschlangen oder einen verrosteten Toaster, aber bucht bitte niemals Jägermeister-Animateure! Das war so mies, die hätten sogar auf ner Beerdigung noch die Stimmung versaut…


Pünktlich um irgendwann nach 22Uhr gingen wir dann auf die Bühne, verkackten das Intro auf einer Art und Weise, wie es wirklich nur wir zu Stande bringen und spielen danach ein äußerst sehenswertes Konzert vor motiviertem Publikum! Immer wieder schön so viele bekannte Gesichter in der Menge zu sehen! Danke fürs kommen!

Im Anschluss an die Show mixen wir uns fragwürdige Cocktails und wünschen uns teilweise den DJ der Aftershowparty mit Flammenwerfern vom Pult zu fegen. Leider haben wir auch heute wieder die Flammenwerfer zuhause vergessen. Welche ein Jammer. Getanzt haben wir trotzdem!

Danke an alle anwesenden Münsteraner für den angenehmen Abend!
Es war uns eine Freude…
Alles begann damit, dass wir an diesem Morgen unbedingt noch auf ein Paket warten mussten, in dem ein technisches Gerät steckte, ohne das das Konzerte heute Abend kaum spielbar gewesen wäre. Zeitgleich mussten wir aber auch unbedingt losfahren, um pünktlich zum Soundcheck in München zu sein…
Da der DHL-Mann um 10Uhr immer noch nicht bei uns war, machte sich schon erste Verzweiflung breit, als am Horizont der gelbe und äußerst schnellfahrende DHL-Lastwagen gesichtet wurde, aber leider in die komplett falsche Richtung fuhr. Was darauf folgte war eine Verfolgungsjagd, die jeden US-Action-Blockbuster-mit-Bullenverfolgungsjagd-durch NYC in den Schatten stellt. Danach waren wir jedenfalls um einiges wacher, mit den Nerven am Ende, hatten ein Paket in der Hand und an Sibbis gebrüllte Aussage
„SCHEISSE….DA IST ROT! FAHR DRÜBER, FAHR DRÜBER, AAAAAAAAAHHH!!!!“
erinnert man sich ja auch immer wieder gerne zurück.

Auf dem Plan heute stand ein Konzert für die Radio Energy Live-Sessions im Münchener BMW-Museum. Karten gab es ausschließlich zu gewinnen und aus 1200 Bewerbungen wurden 400 glückliche Gewinner ausgelost, die dann am Abend vor der Bühne rumstehen sollten. Wir haben ja mittlerweile echt schon viele obskure Örtlichkeiten bespielt. In einem Pfarrergemeindehaus, in Privatwohnzimmern, hinter Bahnschienen, auf einer Insel, auf Lastwägen, in Kunstgebäuden, in Plattenläden, Fußgängerzonen und Hintergärten aber in ein Automobilmuseum hat man uns bisher noch nie reingelassen und das eigentlich auch völlig zurecht.

Energy hat sich nicht lumpen lassen und mitten ins Museum eine ordentliche Bühne reingestellt. Direkt davor stehen unglaublich teuer aussehende Oldtimer und wir empfehlen doch ziemlich energisch diese besser raus zu schieben, damit uns nacher nicht wieder Klagen wegen abgebrochener Rückspiegel und mit Bier befüllten Scheibenwischanlagen ins Haus kommen. Nach dem Soundcheck schauen wir uns diverse Autos an wovon die meisten vier Räder haben und so aussehen, als würde man sie nur mit reinen Platinbauklötzen bezahlen können. Ich hingegen besitze nicht einmal ein Fahrrad. Als Kind hatte ich aber mal Rollschuhe.

Das Catering ist heute nobler als alles bisher gesehene. Ich habe auch ständig das Gefühl, dass sobald man auch nur einen Paprikastängel gegessen hat und sich kurz umdreht, sich sofort ein Service-Personalmitarbeiter von der Decke abseilt, um diesen Paprikastängel wieder nachzufüllen. Um es kurz zu machen: Wir fühlen uns rundum wohl.

Um 22Uhr betreten wir dann unter schallendem Gelächter, äh Applaus die Energy Bühne und blicken in 400 erwartungsfrohe Gesichter. Selbiges nehmen wir als Aufforderung mit dem Konzert anzufangen und haben eine extrem gute Zeit mit dem Münchener Publikum. Allerdings steht direkt vor mir ein Typ, der irgendwann mitten in einem Song eine SMS in sein Handy tippt, woraufhin ich ihm empört sein Handy entwende und mich dabei fühle wie die frustrierten Arschlochlehrer in der Schule, die immer von allen gehasst wurden.
Nach der Show werden wir von zwei extrem luxuriösen BMW-Limusinen in die Stadt geshuttelt und während wir uns fragen, ob das eigentlich noch Punkrock ist erinnern wir uns an den alten Piratenkodex („Nimm was du kriegen kannst und gib nichts davon zurück“) und fahren mit erhobenen Fäusten aus den Fenstern, singend und trinkend Richtung Hotel. Von da aus geht es dann weiter in diverse Bars, wir treffen auf betrunkene Engländer die sich in Wrestlingmanier auf fahrende Taxis werfen und später geht es mit einem Taxifahrer der aussieht, singt und riecht wie Bob Marley zum nächsten Club. Die Tatsache, dass der Typ auch fährt wie Bob Marley veranlasst unseren Mischer Thimo den Taximann nach der Ankunft noch zwei mal sinnlos um den Block fahren zu lassen, weil er die Fahrt so schön findet….
Vielen Dank München für einen denkwürdigen Abend. Für alle die denken wir machen Schleichwerbung für BMW hier: Es gibt auch noch andere hochwertige Automarken wie Fiat, Suzuki, Ford, Opel, Trabant und die Rügenwalder Mühlenwurst.


Am nächsten Morgen treffen wir aus Versehen auch noch den Mannschaftsbus eines Vereines dessen Namen wir hier nicht nennen möchten und werden beim Anschließenden Frühstück bei unserer Managerin mit dem fussballerischen Gegengewicht konfrontiert. Auf dem Weg dorthin werden wir (wie in München üblich) mal wieder von den Bullen rausgezogen und Sibbi darf sich einer äußerst belustigenden Urinprobe unterziehen. Sätze wie „Ich kann aber nicht pissen wenn jemand zuschaut, verdammt!“ und „JA, MEIN GOTT DANN MACH HALT!“ ins Gesicht des minderjährigen Polizisten tragen zur äußerst guten Laune an diesem Morgen bei. Schön wars…


Startschuss für die Festivalsaison – Hier wir gehen! Unsere kritischen Blicke gehen am heutigen Morgen als aller erstes Richtung Himmelszelt, da wir uns noch nicht ganz sicher sind, ob unsere jahrzehnte lang währende Fehde mit Gebruder Petrus nun endlich ein Ende gefunden hat, oder ob der alte Wolkensitzer uns weiterhin jedes zweite Festival durch ekstatischen Brechregen mit Blitzen und Donnerschlägen verübeln wird.

Unser Hobbymeteorologe Max verkündet, nach einem gekonnten Wolkencheck, jedoch, dass uns heute keine fallenden Wassermengen bevorstehen und wir beschließen daraufhin mit Petrus heute nach der Show Brüderschaft zu trinken! Gute Aussichten also! Love, Peace, Unity und das ganze Zeug.
Am Proberaum treffen Band und Crew aufeinander und nach einem ausgiebigen Umarmungsinferno und den übliche Dialogen („Wie fertig siehst du denn aus?!“ „Alter, ich bin um halb sieben ins Bett!“) sitzen wir auch schon alle im Bus und begeben uns auf den Weg nach Kronach zum „Die Festung Rockt“-Festival. Kronach liegt in Franken, gar nicht so weit von der polnischen Grenze entfernt und dort steht auf einem Berg eine uralte Festung. Anscheinend die einzige in ganz Deutschland, die niemals eingenommen werden konnte. Wir nehmen das mal als Herausforderung.

Ich lese während der Fahrt „Geschlossene Gesellschaft“ von Jean-Paul Sartre, um das allgemeine Niveau der Reise ein wenig anzuheben, scheitere aber daran, dass der Rest der Gruppe zeitgleich eine Kreisliga-B Dorf-Fussballmannschaft bei deren Aufstiegsfeier auf einem Traktor (!) sichtet und wir, aus irgendeinem Grund, innerhalb von wenigen Sekunden johlend und hupend an der Feier teilnehmen und uns zum goldenen Mittelpunkt der Party herauskristalisieren. Erst als mehrere Liter Bier auf unseren Bus einregnen und dutzende saure Gurken (!) gewaltsam auf unserer Motorhaube einschlagen, müssen wir einsehen, dass wir wohl doch keine willkommenen Gäste sind und suchen ohne Meisterschale, aber mit quietschenden Reifen das Weite.

Angekommen in Kronach erstmal die geschätzten 78 Bandmitglieder von der Sondaschule begrüßen und wir freuen uns sehr darüber, dass wenigstens eine Band auf dieser Welt gleichschlechte Frisuren hat wie wir. Die waren mir eh schon immer sympathisch.
Während wir zum Essen geshuttelt werden, versuche ich mehr über Stadt Kronach und seine Geschichte herauszufinden. Allerdings wird meine erste Frage, wie viel Einwohner die Stadt denn hätte mit dem Satz „Also, die Kläranlage ist für 30 000 ausgelegt“ beantwortet. Ich spare mir demnach im Anschluss alle weitere Fragen.

Pünktlich um 22Uhr oder so ziehen wir unsere alten Körper auf die Bühne und ernten völlig verdient Applaus dafür! Vorschusslorbeeren sind ja seit Jahren schon total unser Ding. Die Festungsbewohner geben alles und wir können nach 1,25 Stunden Musikmachen beruhigt unser „BESETZT“-Fähnchen in die Burgmauer rammen. Gutes Konzert mit gutem Publikum und gutem Wetter….eine seit Jahren unfehlbare Symbiose.

Ein denkbar schöner Einstand in den Festivalsommer! Wir bedanken uns bei allen Festivalbesuchern und schließen den Bericht mit der fränkischen Lebensweisheit
»Wou di Haasn Hoosn un di Hosn Huusn haasn.«. Bis Bald wieder Frankenland.
Ein schönes Wochenende liegt vor uns, mit viel Vorfreude aufgrund zweier Shows auf dem größten Festival in der Schweiz (Greenfield) und dem größten Festival in Österreich (Nova Rock). Sowas kann man Samstags und Sonntags schon mal machen. Was die Freude etwas trübt sind folgende Tatsachen:
1.) Abfahrt Samstag morgens um 5 Uhr
2.) Kilometerzahl für die beiden Shows sage und schreibe 2300 km
3.) Schweizer Zoll. Arschlöcher.

Zu letztem Punkt ist zu sagen, dass wir schon seit Beginn unserer Bandkarriere das ein oder andere Problemchen mit den schweizer Zollbeamten haben und dieses mal sollte das ganze wieder äußerst stark intensiviert werden. Man dazu wissen, dass man als Band wenn man in die Schweiz fährt das ganze Merchandise haargenau anmelden muss, die Mehrwertsteuer der gesamten Artikel an der Grenze bezahlen muss, um dann bei der Rückreise wieder anzugeben, was man alles verkauft hat damit man die Differenz, abzüglich irgendwelcher Gebühren wieder zurückbekommt. Natürlich alles bar in Schweizer Franken, die man dann zuhause erstmal wieder in einer Bank umtauschen muss, allerdings nicht in jeder Filiale, sondern nur in ausgewählten, die ausländisches Geld haben. Kurz gesagt: Komplett verfickter Dreck!


Wir kommen um ca. 7 Uhr an der Grenze an und fahren, nachdem wir fälschlicherweise in der LKW Spur waren, zurück zur PKW Spur, wo wir natürlich unhöflich angehalten und aufgefordert werden, dass wir wieder 500m rückwärts in den LKW Bereich fahren sollen. Dort steige ich aus und gehe in das nächste Zollbüro. Der Mann sagt mir, dass der Zoll sich in einem anderen Haus befindet, welches aber erst in einer Stunde um 8 Uhr aufmacht. Solange soll ich doch unseren Wagen zur Wiegestation fahren. Arschloch. Hierzu ist zu sagen, dass wir aus weiser Vorraussicht extra deshalb für dieses Wochenende einen weiteren Bus gemietet haben, damit wir nicht überladen sind. Weil WENN man überladen ist, was wir auch schonmal am eigenen Leib erfahren haben, dann darf man erst gar nicht weiterfahren und muss dazu noch sehr viel Strafe zahlen. Die Miete und der Sprit (remember: es sind ja 2300 km) für den Extrabus belaufen sich übrigens auf ca. 700 EUR. Arschlöcher.

Der Typ wiegt uns also und wir sind tatsächlich immer noch mit 140 kg überladen. In einem Anflug von unglaublicher Toleranz lässt er jedoch Gnade walten und sagt, ich soll zu dem anderen Zollbüro gehen und dort an der Türe warten, bis es 8 Uhr ist. Durch die Verschlossene Türe seh ich auf die andere Seite des Zollbüros, wo ebenfalls eine Türe ist. Dort versammeln sich nach und nach Truckfahrer, die ebenfalls Zeugs zu verzollen haben. Um 7:45 Uhr kommt dann ein Zollbeamter und schließt auf. Allerdings zuerst die andere Türe, weshalb ich mich dann wieder ganz hinten anstellen muss. Arschlöcher! Wir warten also alle vor dem Schalter, der Typ setzt sich rein und zieht demonstrativ eine Milchglasscheibe zu und spielt Computer (!). Um Punkt 8 Uhr zieht er die verfickte Milchglasscheibe wieder auf und fängt an die Leute zu bedienen. Nach ewigem Warten ist unser Merchandise dann verzollt und ich will zahlen. Der Typ sagt mir, zahlen soll ich dort drüben. Er zeigt auf das weitentfernte Gebäude wo ich vor 1,5 Stunden schonmal stand. Also trotte ich dorthin und muss feststellen, dass ich mich DORT jetzt wieder hinten anstellen darf. Irgendwann ist das Geld bezahlt und ich werde verabschiedet, wir fahren zur Ausfahrt, wo mitten in der Fahrbahn eine riesige Pylone steht die den Weg versperrt. Erst 5 Minuten später und nach eine Hupattacke meinerseits kommt der Typ vom Wiegen und lässt uns raus. Arschloch!

Soviel dazu. Wo wir aber grade dabei sind. Um in der Schweiz bei Festivals Funksender-Anlagen zu betreiben (also für die Bühne, damit man ohne Kabel spielen kann) muss man sich eine Genehmigung erteilen lassen. Denn wenn dort jemand vom Staat kontrolliert, was die auch tatsächlich machen, dann darf man seinen Funksender erst gar nicht benutzen und muss, wie soll es auch anders sein, Strafe zahlen. Also melden wir die Scheisse an und müssen dafür 160 EUR (!!!!) zahlen. Für einen Tag. Verdammte Arschlöcher!

So, genug geflucht fürs erste. Diese ganzen Tatsachen halten uns aber nicht davon ab, so dermaßen viel Bock aufs Greenfield zu haben. Tolle Bands wie Social Distortion, Bullet For My Valentine, Volbeat etc.. Außerden unser 3. mal beim Greenfield. Und sogar auf der Hauptbühne. Die beiden ersten Male dort waren unbeschreiblich. Komplettes Ausrasten mit vielen Tausend Leuten.
Wir kommen also an und fühlen uns wie zuhause. Leckeres Essen, mitten in den Bergen, gut, der Regen stört ein wenig, aber dennoch wunderbar alles. Unsere Crew baut auf, während wir Setlisten schreiben und Interviews geben. Sogar Dehnübungen machen wir. 13:15 Uhr morgens ist Stagetime für uns. Vor uns spielen die Young Guns. Gute Band, leider ist noch wenig los. Wir haben etwas Angst, dass der Regen die Leute in den Zelten hält. Dann der Umbau vor der Show….:

Gitarrenverstärker geht nicht. Grund? Keine Ahnung. Wir leihen hastig Kabel und Zeugs von anderen Bands, nichts funktioniert. Während wir versuchen das zu beheben, geht auch noch ein Mikrokabel kaputt. Da der Kommunikationsweg zu unserem Mischer aber auch noch zusammenbricht herrscht totales Chaos. Und das 5 Minuten nachdem wir eigentlich hätten anfangen sollten. Irgendwann geht dann alles, wir stapfen auf die Bühne und blicken in Tausende von hübschen Schweizer Gesichtern. Ein Traum. Wir sind echt geplättet. Zugegebenermaßen nicht während der kompletten Zeit der Show, da wir in den 40 Minuten mit krass verstimmten Gitarren, immer wieder ausfallenden Mikrofonen und kaputter Technik hoch zwei zu kämpfen haben. Die Leute vor der Bühne scheinen davon Gott sei Dank nicht all zu viel mitzukriegen und die Stimmung ist echt fantastisch. Selten um halb zwei Mittags eine so gute Stimmung auf einem Festival erlebt. Sogar Zugaberufe wollten ewig nicht enden. Das hat uns echt umgehauen.

Darauf erstmal einen Schnapps. Es ist 14 Uhr. Es folgen noch einige Interviews, tolle Bands und klasse Essen. Jedesmal ein riesiges Fest aufs Greenfield Festival zu kommen. Gegen Mitternacht fahren wir schonmal zweieinhalb Stunden weiter Richtung Nova Rock in ein Hotel, so dass wir morgen anstatt 11 Stunden nur mehr rund 8 Stunden fahren müssen. Was für ein Ritt, was für grandiose Menschen vor der Bühne, was ein toller Tag und was für Arschlöcher am Zoll!
Bis morgen. Jubel!
Der Tag beginnt damit, dass uns die gesamte Hotelbelegschaft unseres österreichischen Hotels im Frühstückssaal ein immens gewalttätiges, lautes, röhrendes und angsteinflößendes „MORRRRGEN!!!“ an den Kopf ballert. Die Art und Weise, wie sie dieses Wort aussprechen würde eigentlich eher zum Satz „Fahrt zur Hölle ihr gottlosen Zigeuner“ passen, aber wir freuen uns, dass man überhaupt mit uns redet, essen einige Butterbrote und fahren danach weiter Richtung ungarische Grenze. Nova Rock Festival. Ja Mann!

Das Nova Rock Festival ist das mit Abstand größte Festival Österreichs und neben so Hochkarätern wie uns spielen auch noch kleinere Bands wie die Foo Fighters oder Linkin Park da. Letztere wurden übrigens anscheinend in fünf separaten riesigen Limousinen mit Chauffeuren, 10 Minuten vor ihrer Show direkt hinter die Bühne gefahren. Wir hingegen fahren alle zusammen, ganze 11 Stunden lang, zusammengepfercht in zwei Kleinbussen zum Festival und warten dann dort nochmal vier Stunden in einem Baustellencontainer bis wir endlich auf die Bühne dürfen. Was davon jetzt mehr Rock´n´roll ist, ist wohl irgendwie Definitionssache…
Um die Zeit zu überbrücken lese ich ein Buch mit dem Titel „Nichts“ zu Ende, in dem es darum geht, dass ein nordeuropäischer Junge auf einem Pflaumenbaum sitzt, seine Freunde über Wochen hinweg mit Pflaumen bewirft und ihnen dabei erzählt, dass nichts auf der Welt eine Bedeutung hat. Seine Kumpels macht das dann so sauer, dass sie anfangen Kinderleichen auszugraben, Kruzifixe zu klauen, Hunde zu ermorden, sich gegenseitig zu vergewaltigen und die Finger abzuhacken. Am Ende verkaufen sie dann die ganze Aktion für einen Millionenbetrag an ein amerikanisches Kunstmuseum, ziehen den Typ vom Pflaumenbaum, hauen ihm auf die Schnauze und zünden ihn an.
Sehr lesenswert.

Um die Stimmung wieder etwas aufzuheitern begrüßen wir die netten Kollegen von Jennifer Rostock, die Broilers und einige andere bekannte Gesichter, nur um direkt im Anschluss das Catering-Gebäude des Festivals zu entern. Bei so großen Festivals muss man sein Teller am Buffet übrigens immer abgeben, läuft dann zehn Meter lang an Metallgehäusen mit Essen drin vorbei und wird währenddessen vom Servicepersonal immer gefragt, ob man den Inhalt des jeweiligen Gehäuses auf seinem Teller haben möchte oder nicht. Da wir bekanntermaßen alle seit Jahren totale Ja-sager sind, sehen unsere Teller schon nach der Hälfte der Strecke unglaublich überladen aus und wir haben keine Ahnung wie das alles gegessen werden soll. Zeitgleich sind wir leider aber auch viel zu gut erzogen, um Reste auf den Tellern zurück zu lassen was dazu führt, dass wir uns die nächsten zwei Stunden kaum noch bewegen können, dafür aber die nächsten zwei Tage auch nichts mehr Essen müssen.

Mir fällt grade auf, dass meine Zeichensetzung im Bericht wieder zu Wünschen übrig lässt. Wenn mir einer einen Ratgeber zum Thema „Kommasetzung“ schicken möchte, schreibt mir bitte eine E-mail. Danke
Um 21.30Uhr geht es endlich auf die Bühne. Das Zelt ist proppevoll und die Stimmung ist wirklich fantastisch. Es ist auch nach über 600 Konzerten immer noch total faszinierend für uns, dass so weit weg von zuhause einfach so viele Leute Bock haben uns anzuschauen, während auf den anderen Bühnen zeitgleich „Korn“ oder „3 Doors Down“ spielen und dann auch noch alle anwesenden unsere Texte auswendig können. Die Securties ziehen einen Crowdsurfer nach dem Anderen aus der Menge, bis irgendwann eine junge Frau im Bikini über die Menge schwimmt, mit einer eleganten Drehung die Securities abhängt und energisch die Bühne stürmt. So weit so gut. Wir freuen uns ja immer über Besuch auf der Bühne und halbnackte Frauen sind ja auch mal ne Abwechslung zu den verschwitzten Typen. Allerdings wirft sich die Bikinifrau von hinten an Sibbis Rücken, wo sie dann erstmal 30 Sekunden lang hängt. Als sie dann eine Minute später immer noch dort hängt, versucht unser Backliner Bobbes sie mit schlüssigen Argumenten dazu zu überreden, ihn jetzt vielleicht mal loszulassen, weil er ja grade singt und Gitarre spielt und so weiter. Es vergeht wieder einige Zeit bis schließlich Bobbes inklusiv zweier dicker starker Securities an der Dame herumzerrt und versucht sie irgendwie von Sibbi loszureissen und von der Bühne zu bekommen. Die Bikinifrau will aber nicht, entwickelt Bärenkräfte, verteilt einige Ellbogenstöße und kämpft um ihr Leben. Selbst als sie dann irgendwann von der Bühne weg ist, reißt sie sich nochmal los und fliegt in einem gewaltigen Strecksprung zurück auf die Bühne, umklammert meine beiden Knöchel und kann wiederum auch von drei starken Typen nicht losgerissen werden. Sehr beeindruckend war das. Nach dem Konzert erfahren wir, dass sogar noch Polizei kommen musste, um sie etwas zu beruhigen…..so etwas haben wir in 10 Jahren Bandgeschichte auch noch nicht erlebt. Respektable Leistung.

Nach 1,5 Stunden fallen wir völlig fertig und glücklich von der Bühne. Das war ja mal total super! Im Anschluss gibt es noch mehrere Getränke mit den Broilers, den Rostockern und Flogging Molly und uns bleibt wieder mal nur auf ein unglaublich starkes Wochenende zurück zu blicken. DANKE NOVA ROCK!
Wir mögen unsere Autovermietung ja wirklich sehr. Sie machen uns immer guter Preise und sind auch so alle menschlich sehr nett, aber wenn man mal ehrlich ist, haben sie von Autovermieten soviel Ahnung wie unser Bassist Daniel Friedl von Autofahren. So gut wie jedes mal, nachdem wir Wochen im vorraus unseren Bus mieten, und uns das auch noch mehrmals schriftlich bestätigen lassen, kommen wir vor der Abfahrt in deren Büro und sagen „Hallooooo, wir würden gerne unseren Bus abholen“, worauf meist eine der folgenden Antworten kommt:
- „Ähm… also wir haben hier nichts“ – „Ja richtig, den Bus. Den wollten sie doch aber erst morgen abholen“ – „Also so einen haben wir nicht, aber wie wäre es mit einem PKW“ – „Hey Holger, … wieso hast Du den Bus denn doppelt vermietet?“ – „Ja, der steht auf dem externen Parkplatz“ (worauf wir 10 Minuten lang hinfahren um dort keinen Bus vorzufinden, wieder im Büro anrufen und gesagt bekommen „Ja, der steht bei uns vor dem Büro“

Man muss aber der Fairness halber auch zugeben, dass wir es fertig gebracht haben dort letzte Woche einen 9-Sitzer Bus zu mieten, jeddoch nur einen 6-Sitzer Bus nach dem Konzertwochenende wieder zurückzugeben. Alles ausgeglichen also.
Genug der Busgeschichten. München steht mal wieder auf dem Konzertplan und in der Reihe der aussergewöhnlichen Konzerte (vor einem Monat waren wir dort im BMW Museum für ein Konzert) spielen wir heute auf dem Sommerfestival einer technischen Uni auf der Praterinsel. Zur Ankunft gibt’s leckeres Essen jeddoch kaum Leute die die Bands anschauen die schon den ganzen Tag spielen. Wir schauen aus dem Backstageraum der Münchner High Society zu, die in der Beachbar nebenan ein astreines Schaulaufen fabriziert. Später setze ich mich dort nur kurz auf einen abgelegenen Sitzsack und werde prompt aufgefordert, doch bitte wieder zu gehen. Ohne Grund. Und man muss wissen, dass dies eine öffentliche Bar ist…

Man muss an dieser Stelle leider allen Lesern die Illusion nehmen, dass vor dem Gig wahnsinnig spannende Sachen passiert sind. Das spannendste war wohl noch die Frage, ob ich mit meinen ganzen Allergien vor der Show noch ein Bircher-Müsli in mich hineinbechern soll oder lieber nicht. Aufgrund von diversen Schwellungen im Vorfeld anderer Konzerte entscheide ich mich dagegen und esse ein Butterbrot. Was ich übrigens jedem empfehlen kann. Klar, jeder hat schon mal ein Butterbrot gegessen, aber in modernen Zeiten, wo jeder nur noch iPhones isst, sollte man sich mal wieder die Zeit nehmen um ein stinknormales Butterbrot zu verzehren, ja sogar zu zelebrieren. Ihr werdet merken, der Mann hat recht.

Gegen 20:30 Uhr stapfen wir auf die Bühne wir spielen zur Abwechslung mal wieder ein technisch hochwertiges Set, was die netten Leute in München, die jetzt Gott sei Dank doch noch ordentlich an Masse gewonnen haben, mit Tanz, Schweiss und Gesang honorieren. Sehr sehr sehenswert. Was uns auch noch zusätzlich anspornt ist die Mitteilung irgendeines Typen vor der Show, dass wir auf der folgenden Aftershowparty alle möglichen Drinks und Alkoholika umsonst bekommen werden. Wir verkünden das natürlich gleich voller Freude auf der Bühne, worauf ein irritierter Veranstalter äußerst nervös zu unserem Backliner Jojo hastet und stammelt „Ähh… also… naja… das war jetzt nicht so geplant… aber… ähm… wir schauen mal was wir tun können.“


Das machen sie dann auch prompt und die Aftershowparty macht ihrem Namen dann alle Ehre. Die komplette Itchy Poopzkid Equipe hat sich die Beine aus den Hüftgelenken getanzt, nicht namentlich zu nennende Personen sind auf Sporttaschen mit offenen Augen, offenem Mund und Wurstscheiben auf dem Kinn eingeschlafen und konnten erst nach 15minütigen Versuchen wieder aufgeweckt werden, andere wurden von wildgewordenen Kletten angefallen, weitere haben in fremde Schultern gebissen und wieder andere haben plötzlich Roboter-Tanz Einlagen gezeigt, die selbst John Travolta hätten alt aussehen lassen.
Ein wundervoller Abend liebe Leute. Ein großes Dankeschön auch an die Veranstalter fürs wohlfühlen lassen!
Wenn man sechs Jahre seiner Bandkarriere damit verbracht nach Konzerten auf Luftmatratzen, Isomatten, Feldbetten, zu kurzen Sofas, kaputten Stühlen, im Auto und auf dem nackten Boden zu pennen weiß man so ein gutes Hotelbett schon zu schätzen jetzt. Sogar der Duschköpfe in unseren Zimmern heute waren größer als ein handelsüblicher Regenschirm und so verließen wir alle mit gut gewaschenem und voluminösen Haar die Hotelanlage.

Unten in der Hotellobby trägt irgendeinen Physikstudent einen überdimensionalen Scheck mit der Aufschrifft “1. Platz im Bereich Fallbewegung – 2000 Euro” durch die Gegend. Ich würde ihn gerne mit einen größeren Scheck mit der Aufschrifft “Nix gelernt – Konzertgage gestern: 10 000 Euro” kreuzen, besitze aber einen solchen Scheck nicht.

Unser Mischer Achim hat schon das ganze Wochenende einen dicken Ordner mit verschiedenen Plänen, Technikridern, Cateringanweisungen und Bühnenbauplänen auf dem Schoß, weil er zeitgleich zu unserer Konzertausfahrt noch eine 14-tägige Großveranstaltung in Augsburg plant. Zwischendurch lässt er sich auch immer irgendwelche Bühnenanforderungen von türkischen Flokloregruppen beim Dönerladen nebenan übersetzen……
Zur selben Zeit versucht uns unser Backliner in einem ewig währenden Monolog dazu zu überreden, ihm bitte eine Laderampe für den Bus, die 500 Euro kostet zu kaufen. Wir überlegen lange und entscheiden dann, dass er sich einen Scheiss selber kaufen soll. Uns kauft ja auch keiner Gitarren. Anscheinend will er jetzt ne Gewerkschaft gründen und Streiks ausrufen, die wir aber mit Sicherheit militärisch niederschlagen werden.
Mir hingegen ist auf der Fahrt heute extrem langweilig. Zum Glück finde ich irgendwann einen weissen Edding im Handschuhfach, mit dem ich versuche meine Tättowierer-Karriere voranzutreiben, indem ich auf dem Oberarm unseres widerspenstigen Fahrers Bobbes übe. 40 Minuten später vollende ich mein Werk und finde, dass da zwar noch Luft nach oben ist, zumindest aber der Fisch mir gut gelungen ist. Bobbes hingegen ist sauer, weil sein Arm vollgesaut ist und beschimpft mit 20 Minuten lang mit Schimpfwörtern, die ich teilweise bis heute noch nie gehört hatte.

Wir spielen heute in Würzburg beim 20-Jährigen Jubiläum des dortigen Jugendhauses. Tags zuvor hat der (übrigens echt gute) Hip Hoper Casper geheadlined und heute zocken wir hier und freuen uns, dass die Berliner Kumpels von den 5Bugs auch mal wieder am Start sind.
Max freut sich den ganzen Tag schon, dass er immer wieder seinen Namen auf den verschiedensten Gegenständen wiederfindet und außerdem freut sich der ganze Verein im kollektiv, weil wir heute drei (!!) Kuchen geschenkt bekommen! Andere Bands bekommen Drogen, Schnapps und Prostituierte. Wir hingegen kriegen immer wieder Backwarenund werden dadurch wahrscheinlich auch in 10Jahren nicht in die Rock´n´Roll-Hall Of Fame aufegenommen. Dafür ist heute aber sogar ein Russischer Zupfkuchen dabei, ihr Opfer!


Ich finde das total super, wenn Jugendhäuser über 20 Jahre am Start sind, Konzerte veranstalten und echt was auf die Beine stellen. Die beiden Juzes in unserer Heimatstadt sind so schlecht und trostlos, dass man fast weinen möchte. I wish i was Würzburger. – Nachmittags ist uns so langweilig, dass wir irgendwann Montagsmaler spielen und uns dabei fast die Zähne einschlagen, weil wir uns uneinig sind, wer den besseren Drachen gemalt hat. Wir können ja ganz viele Sachen nicht, aber ganz besonders nicht können wir malen.

Nach Interviews, gutem Essen und einem wie immer starken 5Bugs Auftritt begeben wir uns auf die Pressspanplatten und reihen diverse Akkordkombinationen anneinander, was das Publikum mit Klatschbewegungen zu würdigen weiß. Stimmung ist auch hervorragend und vereinzelt fliegen auch ein paar verlorene Schuhe auf die Bühne, was ja immer ein Zeichen für ein gutes Konzert ist!

Danke an alle Veranstalter, das großartige Publikum, die Kuchenbäcker, die 5Bugs und in erster Linie auch noch irgendeinen von den Ramones.
„To the east, to the east – the road beneath my feet…“ singt der innerlich ausgewogene Frank Turner in einem seiner englischen Wanderlieder und wenn der Typ das empfiehlt, wird dem heute eben mal Folge geleistet. Auf dem Konzertplan steht, dass wir heute auf nem kleinen Festival in der Nähe von Dresden spielen. No sleep ´til Bretnig-Hauswalde also! Here we go.

Da es in Frank Turners Song weiter geht mit “so settle up your horses”, werfen wir unser tonnenschweres Equipment in unser motorisiertes Pferd und klagen danach alle wieder über verstärkte Rückenschmerzen, weil die Verstärker und Boxen echt noch schwerer sind, als die Eisenplatten, die ich bei einem meiner früheren Teilzeitjobs bei der Firma Ex-Cello immer rumtragen musste. Übrigens haben sie mich bei dem Job nach meinen absolvierten drei Wochen mit dem Satz „Junge….ich hoffe dir ist bewusst, dass wir dich nur aus Mitleid nicht schon früher rausgeworfen haben“ verabschiedet.
Um dem Instrumenten-Einladeprozess zu entgehen, täusche ich, im Beisein der anderen, seit kurzem immer lautstarke Telefongespräche mit meinem Hausarzt vor, in denen ich meinem Arzt immer beruhigend bestätigte, dass ich nichts tragen muss, weil wir ja eine gute Crew dabeihaben und das für meinen angeschlagenen Rücken ja auch gar nicht gut wäre, wenn ich ihn ständig weiterhin belasten würde. Die Aktion funktioniert überaus hervorragend: Die Jungs lachen immer total herzhaft und drücken mir im Anschluss immer genau die Teile in die Hand, die einem garantiert in den nächsten 10 Sekunden die Wirbelsäule zweiteilen. Wo haben die nur ihr Herz…



Auf der Fahrt lesen wir viel und reden wenig, was dem Niveau der Reise zu einen unverhofften Höheflug verhilft. Einzig unser Mischer Thimo hat seinen Laptop geöffnet, auf dem er grade einen visuellen Bauplan für sein geplantes Haus erstellt. Als ich auf den Bildschirm blicke, ist er grade damit beschäftigt kleine Pixel-Bäume um seinen Garten herum aufzustellen. 20 Sekunden später haben wir Streit, weil er nicht einsehen mag, dass Magnolienbäume für einen modernen Garten heute unverzichtbar sind. Stattdessen pflanzt er eine garstige Hecke. Eine Hecke, welche bekanntlich ja der kleine Bruder des allseits bekannten und gefürchteten Stacheldrathzaunes ist.

Angekommen in Bretnig-Hauswalde bekommen wir erstmal wieder nen Kuchen in die Hand gedrückt. Weiß der Teufel warum wir ständig überall Kuchen bekommen, aber wir freuen uns wie immer sehr darüber. Heute ist es ein Russischer Zupfkuchen und mir fällt wieder ein, dass wir auf unserer letzten Tour, den Namen des Kuchens im Beisein des walisischen Sängers von „Attack! Attack!“ erwähnt haben, der darauf „What!?!? A Rassischen Zapfhafen?!“ erwiderte.
Episch.

Die Leute des Festivals sind überaus nett und kümmern sich mehr um uns, als es unsere Eltern jemals getan haben. Gut – das war jetzt komplett gelogen und total Fehl am Platz, aber irgendwie hat das vom Flow her so gut in den Satz gepasst. Entschuldige Mutter.
Nachdem nachmittags und am frühen Abend sich mehrere Punk- und Hardcorebands die Bühnenklinke in die Hand gedrückt haben, hechten wir um 21.30Uhr endlich auf die Bühne und singen Lieder, die wir uns teilweise vor Jahren ausgedacht haben und an die wir uns heute teilweise immer noch erinnern können. Kommt total gut an. Sibbi erzählt während den Liedern ständig von einem großen Luftschlauch, der im See nebenan liegt, auf dem man draufspringen könne und dann würde man hochfliegen und so Sachen. Da keiner der anwesenden, inklusiv mir, eine Ahnung hat, was er damit meint, was er will und was der Typ überhaupt für ne Berechtigung hat, gestaltet sich das Gespräch zunächst immer wieder ziemlich einseitig, bevor es dann zu einem kleinlauten Monolog wird und schließlich von Blicken die „Könnt ihr bitte weniger reden und mehr Musik machen“ sagen, endgültig exekutiert werden.

Gutes Konzert heute! Im Anschluss schauen wir noch den sympathischen Schweden von Royal Republic zu und freuen uns, dass wir so oft keinen Eintritt bezahlen müssen, um gute Bands schauen zu dürfen. Gute Berufswahl. Weiter so.
Wir bedanken uns bei den Veranstaltern für Speis und Trank, beim Publikum für Applaus und Geld und bei uns selbst für Weib und Gesang.
P.S.: Solltet ihr irgendwann Kinder zeugen, emfehlen wir folgende Namensgebung:

Und schon wieder klingelt mein Wecker um 6:30 Uhr um auf ein Konzert zu fahren. 6:30 UHR ! ! ! UM AUF EIN KONZERT ZU FAHREN. Als ich in der Grundschule in die Poesie-Alben bei Berufswunsch „Rockstar“ geschrieben habe, hatte ich das irgendwie anders im Sinn. Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich kein Rockstar bin, sondern Mitglied im Musikantenverein Itchy Poopzkid. Hat aber auch was, kann ich Euch sagen.

Als Band nimmt man sich ja immer so Leute, in unserem Fall Freunde, mit auf Tour und gibt denen so Jobs wie Tontechniker und Backliner. Der Hauptaufgabenbereich von Letzterem liegt im Be- und Entladen des Busses. Irgendwie schaffen es unsere Backliner aber immer wieder, sich genau davor zu drücken. Heute morgen verschläft Bobbes genau so lange, um exakt in dem Moment zum Proberaum zu kommen, als alles eingeladen und wir abfahrbereit sind. Punktlandung. Also für ihn.

Auch heute schaffen wir es wieder jeden einzelnen Stau von dem im Radio berichtet wird mit einer Zielgenauigkeit anzusteuern die seinesgleichen sucht. Dafür entstehen in der Zwischenzeit interessante Unterhaltungen über Frauenfussball. Pro und Contras fliegen wie Schraubstollen durch das Fahrzeug und bohren sich in die gedanklichen Oberschenkel der Gesprächsteilnehmer. Wir sehen es jedoch nicht so drastisch wie Nico Rosberg, der sagt „Frauenfussball? Wieso nicht, Menschen schauen sich ja schließlich auch die Paralympics an“.

Ahja, Bonn steht heute im Navi. Dort findet das Rheinkultur-Festival statt und wir freuen uns immens, da endlich mal zu spielen. Hat ja schließlich auch 10 Jahre gedauert. Wir kommen so gegen 12 Uhr an und schon jetzt wimmelt es in den Straßen von Leuten. Leider wimmelt es auch von Wolken am Himmel, mal sehen was das noch gibt regentechnisch.

Wir kommen an und laden aus, während wir gut bekannte und nette Menschen wie Jupiter Jones und Royal Republic begrüßen. Festivals sind eine schöne Erfindung. Dieses hier ganz besonders, können doch alle Leute umsonst coole Bands anschauen. Wir übrigens auch.

Wir haben heute so Smoothie Säfte im Backstagebereich, was zur Folge hat, dass ich innerhalb kürzester Zeit das Equivalent von 4 Tonnen Fruchtfleisch in mich hineinpresse und mich vor lauter Vitaminen nicht mehr bewegen kann. Heute mit 15:15 Uhr auch eine eher morgentliche Spielzeit. Wir rechnen nicht wirklich mit vielen Leuten, auch weil bei den Bands davor alles noch überschaubar ist, aber als wir auf die Bühne rennen sehen wir nur Köpfe. Tausende von hübschen Köpfen. Man sieht ja selten so viele Köpfe nebeneinander, aber heute waren sie alle da. Die Köpfe. Genau diese Köpfe und wir haben so wie es aussieht echt ordentlich Spass, die Sonne schaut raus und wir haben einen der besten Nachmittage die man haben kann. Fantastisch ist es. Ich hab sogar so großen Spass die ganzen netten Köpfe anzukucken, dass ich beim letzten Song komplett vergesse, was ich grade für ein Lied und Instrument spiele und wo und wer ich überhaupt bin. Aber man sagt ja „Fehler machen Menschen (und in unserem Falle „Bands“) sympathisch“. Wir beweisen das deshalb ja auch relativ oft. Jedenfalls war Bonn echt der Knaller. Was für ein grandioses Festival. Danke an alle die um die Zeit vor der Bühne standen. Wir wissen das SEHR SEHR zu schätzen!

Auch gut ist, dass man um 16 Uhr schon mit Feiern anfangen kann. Wir quatschen also mit ca. 120.000 der 160.000 Menschen die heute hier sind, schauen uns tolle Bands an, trinken noch mehr flüssige Früchte und andere alkoholische Sachen und sind glücklich, dass wir damals in den Poesie-Alben bei Berufswunsch nicht „Zweirad-Mechaniker“ angegeben haben, wobei das ja auch ein sehr wertvoller Beruf ist nehm ich mal an.
Bis zum nächsten Mal, Rheinkultur!
Was war das für eine spannende Woche im Vorfeld von Bochum Total 2011. Jeden Tag sitzen wir gebannt vor dem Computer und schauen auf die Wetterprognose, die sich doch tatsächlich an jedem der 6 Tage um nur 1 Prozent im Hinblick auf das Regenrisiko unterscheidet. Manchmal 99%, manchmal 100%. Das kann ja echt Eiter werden. Zu allem Überfluss liegt der Niederschlagswert beim Searock Festival Tags zuvor bei geschätzten 240%, weshalb dieses sicherlich grandiose Festival gar nicht erst stattfindet sondern gleich komplett abgesagt werden muss. Dieser Sommer erinnert uns leider wieder an den im Jahre 2008 bei dem wir höchsten 2 oder 3 regenfreie Festivals hatten. Dafür aber umso mehr Bock.

Deshalb fahren wir auch mit großer Vorfreude nach Bochum, weil wir noch nie bei Bochum Total gespielt haben, weil Bochum immer ne Reise wert ist, weil Herbert Grönemeier das auch so sieht und weil direkt im Anschluss an unser Konzert die offizielle After-Bochum-Total Party steigt. Alles extrem gute Vorzeichen.
Wie immer wenn ich einen Konzertbericht schreibe, fahren wir erstmal in alle möglichen Staus und fahren durch diverse Wettersuppen, die nichts gutes erahnen lassen. Wenn man auf der Autobahn mal nur noch 20km/h fahren darf, ist das jedenfalls bedenklich. In Bochum angekommen schliddern wir erstmal diesen ganzen Bandkram aus dem Transporter und werden dann in eine Kirche (!!!) zum Essen geschickt. Wir rechnen natürlich sofort völlig hysterisch mit Hostien auf Ruccola-Ingwer-Schaum. Gibt dann aber doch nur Chicken, welches sicherlich ein Priester nur Minuten zuvor mit einem Rosenkranz eigenhändig stranguliert hat. Dazu gibt’s dann noch einen edlen 78er Weihwasser-Trollinger bevor dann zum Nachtisch ein leckeres Weihrauch-Mürre-Souflé durchaus positiv zur Geltung kommt.


Nach dem Essen kurz unseren Kumpel Bosse auf der Bühne begutachten und uns mental und mit Regenschirmen auf den Auftritt vorbereiten. Panzer taftet wieder den kompletten Backstagebereich zu, was die Stimmbänder von yours truly mit einem abfälligen „Dieser Schurke“ quittieren. Max schneidet noch die Ärmel seines T-Shirts ab, zieht seine Schnuffelhose an und los geht’s.
Wir hätten ja echt mit viel gerechnet, aber nicht dass bei der letzten Band nach 4 Tagen Festival 8°C und strömendem Regen noch so ne riesige Menge an Homo Sapiens vor der Bühne steht die dazu noch abgehen wie das Chicken von oben kurz vor dem stranguliert werden. Wirklich ganz ganz groß, was Bochum da abzieht. Wir stehen übrigens auch im Regen weil das Bühnendach vorne doch eher knapp bemessen ist. Das trägt aber natürlich sehr dazu bei dass man sich als Musiker nicht als was Besseres fühlt, was man ja schnell mal denken könnte, wenn man so unglaublich krass ist wie wir, oder?
Hallo?
Oder?
Ist doch so?!
Heeeeee!!!!!!!



Auftritt ist jedenfalls ein Traum, der Gieskanne gefällts auch, ein Zuschauer Namens Jan singt ein Geburtstagslied auf der Bühne, er weiß nur nicht für wen und alle scheinen ne gute Zeit zu haben.
Danach dann noch im Regen mit allen möglichen Leuten quatschen und uns schonmal warmtrinken für die Aftershowparty, welche durch die gute Planung von Tourmanager und Schlagzeuger Max Zimmer DIREKT neben unserem Schlafplatz stattfindet. Dort ist auch volle Hütte, es dauert jedoch erstaunlich lange bis Teile von uns ihre mittlerweile schon legendären Tanz-Moves auspacken und die restlichen Gäste in Staunen oder wahlweise auch in Angst versetzen.



Bochum, das war sehr gut alles! Herzlichen Dank
Als Band unseres Bekanntheitsgrades wird man ja immer abwechselnd in entweder total abgefuckte Jugendherbergen gebucht oder eben in unfassbar luxuriöse Nobelhotels. In letzteren freuen wir uns dann immer über all den noblen Schnick Schnack, sind aber auch immer relativ schnell überfordert. Was macht man denn mit neun Kopfkissen?! Neun Stück!

Wir befinden uns also, wie gesagt, in einem Hotel in der Hauptstadt dieses Landes und werden heute standesgemäß mit dem Flugzeug zum Festival in Herrenberg fliegen. Während wir uns noch fragen, ob das daran liegt dass wir jetzt Rockstars sind oder nur daran, dass der German Wings Flug eben billiger ist als Benzin, sitzen wir auch schon mit Tomatensaft in der Hand in der Maschine und versuchen im Kollektiv verzweifelt ein Sudoku-Rätsel zu lösen. Was für ein Scheiss das ist. Da sind mir handelsübliche Kreuzworträtsel sogar Lieber.
„Saudummes Rätsel bei dem man fehlende Zahlen ausfindig machen muss mit sechs Buchstaben“

Nach der Landung am Stuttgarter Flughafen werden wir von drei Typen in schwarzen Anzügen abgeholt, die uns zu einer große Limousine führen, in der es Champagner, Trüffelbrot und halbnackte Frauen gibt. Darin werden wir dann zum Festivalgelände gefahren. Jedenfalls würde die Geschichte so weitergehen, wenn wir wirklich Rockstars wären. In Wirklichkeit zwängen wir uns wieder mal zu fünft mit Alwa-Mineralwasser und alten Butterbrezeln in einen PKW und versuchen unter ständigen, gequälten „der muss passen!!“-Rufen das restliche Gepäck in die Karre zu quetschen.
Auf der Fahrt zum Festival passieren wir mehrere Wasserschleusen, die sich als Regenfelder tarnen, aber im Endeffekt einfach ganze Wasserfälle sind. Wir fühlen uns von Petrus verarscht und überlegen ernsthaft noch an einem Baumarkt halt zu machen, um Gummistiefel für unsere ganze Truppe zu kaufen. Wieviel Wasser kann eigentlich aus einem Himmel herausfallen?!

Als wir am Festivalgelände ankommen ist komischerweise aber trocken, was wir mit großer Freude, aber auch mit etwas Misstrauen wahrnehmen. Die Wolkenlage sieht weiterhin bedrohlich aus, aber unser Wetterfachmann Sebastian Hafner ist der Meinung, dass die anwesende Luftzirkulation sämtliche Gewitterareale an uns vorbeischieben könnten. Allerdings käme das auf den hoffentlich aufkommenden Westwind an, der sich durch das rascheln der Buchenbaumblätter neben uns, dezent ankündigt.

Nach dem Soundcheck fahren wir erstmal ins Hotel um noch etwas power zu nappen. Das ist auch wieder so ein Wort, für das man dem Erfinder sofort zum touchieren einer Wand verhelfen möchte: Powernapping. Früher hieß das einfach „Mittagschlaf“ und jeder hat gewusst, was damit gemeint ist.
Zurück am Festivalgelände gibt es gute Nudeln mit Soße und Salat mit extrem guten Dressing. Ist ja nicht so einfach zu machen so ein Dressing. Meistens ist es nämlich zu sauer. Nachdem wir uns noch einige Zeit gegenseitig mit unreifen Pflaumen beworfen haben, gehen wir pünktlich, 10 Minuten zu spät, und 21.40Uhr auf die Bühne und begrüßen eine aufgescheuchte und extrem gutaussehende Menschenmasse! Unglaublich gute Stimmung auf dem 48er Festival und wir sind total glücklich hier headlinen zu dürfen! Danke Herrenberg für den großartigen Abend!

Genau fünf Minuten nach unserer Show, fallen dann endlich die versprochenen Wasserfälle vom Himmel und wir sind extrem dankbar, dass wir vorher wenigstens noch unser Konzert beenden durften. Zwischen Petrus und uns scheint sich so nach und nach eine Einigung heraus zu kristalisieren….

Ein Wochenende welches schon am Donnerstag beginnt ist immer ein gutes Wochenende. Heute steht Lustenau auf dem Zettel, das liegt in Österreich. Schon wieder was gelernt liebe Leser. Da seid ihr ohne jegliche Vorkenntnisse an diesen Konzertbericht rangegangen und zack, schon wisst ihr bescheid über österreichische Geographie. Was man auch wissen sollte ist, dass man auf österreichischen Autobahnen unbedingt eine Vignette aufs Auto kleben muss, auch wenn man wie wir nur 2,5km auf der Autobahn fahren muss für dieses Konzert. Ich sehe Gott sei Dank noch am Vorabend dieser Ausfahrt einen TV-Bericht über genau diese Kurzstrecke, in welchem gezeigt wird, wie man bei so einem Vergehen mir nichts dir nichts und ohne jeglichen Humor um exakt 120 EUR ärmer gemacht wird. Sollte man kein Bargeld oder keine Bankkarte dabei haben kostet es dann 3000 EUR (!!!!!). Also fahren wir vorschriftsmäßig an der Grenze raus, kaufen so ein Ding, kleben es an und fahren weiter. Ca. 750m später hechtet vor uns dann mit einem unfassbaren Einsatz ein Zollbeamter auf die Straße und winkt uns auf den Standstreifen. Wir haben große Mühe, den Mann nicht zu überfahren. Während unser Bus seinem üblichen Bremsweg nachgeht, sprintet der Zollbeamte in vollem Tempo hinterher und wir machen uns schon gedanklich für unser sofortiges Ableben bereit. Als er am Bus ankommt lacht er plötzlich total herzlich und sagt „Danke, habs schon gesehen. Habens eine gute Fahrt und einen schönen Tag noch. Auf wiederschaun“
Was lernen wir daraus? Schweizer Zollbeamter sind die größten Arschlöcher auf diesem Planeten. Österreichische Zollbeamte dagegen sind freundlich und machen einfach nur gerne und theatralisch Sport. Auch in unserm Fahrzeug ist die Stimmung wie immer gut, wie man auch hervorragend an folgendem Bild sehen kann.

Wir selbst sind heute komplett glücklich, da es tatsächlich so aussieht, als würde es nicht mehr regnen vor und während des Konzerts. Auch so etwas wie ein Novum diesen Sommer. Wir fahren also aufs Festivalgelände wo wir unseren Augen nicht trauen. Uns wird erzählt, dass es Tags zuvor 3 Stunden lang gestürmt, geregnet und gehagelt hat, was auch erklärt warum auf dem kompletten Geländer (einer gestern noch grünen Wiese) kein (!!!) Gras mehr zusehen ist, sondern nur brauner Schlamm durchzogen von bis zu 50 cm tiefen Traktor-Spuren. Na also!
Und schon wieder die Gummistiefel vergessen, verdammte Scheisse.

Dafür schmeckt das Essen hervorragend und wir freuen uns, nach 3 Jahren wieder beim Szene Open Air zu spielen. Heute ist Anreisetag. Zusammen mit den Bodenverhältnissen ein Zustand welcher nicht gerade auf ein volles Haus hoffen lässt. Die Band vor uns spielt dann leider auch vor sehr wenigen Leuten, die jetzt aber sogar auf einer riesigen Fläche aus Stroh und Heu stehen, welche von den fleissigen Helfern vor Ort per Hand dort hingelegt wurde. Respekt dafür.
Wir machen die altbewährten Dehnübungen vor der Show, welche daraus bestehen, seinen rechten Arm nach vorne zu strecken um eine dort stationierte Jägermeisterflasche aufzunehmen, diese mit Schmackes an seinen Mund heranzuführen und nach dem Leeren die selbige mit Wucht in irgendein Eck zu werfen. Dann rauf auf die Bühne und Show spielen. Es haben sich dann doch noch ne ganz schöne Menge an Leuten aus ihren Matschzelten geschält was uns echt freut. Wir haben großen Spass was unter anderem auch daran liegt, dass wir keine Matschbollen an die Köpfe gewerfen bekommen und das anstelle unseres Band-Banners eine riesige LED-Wand hinter uns hängt auf welche unser Lichtler Chrissy ständig irgendwelche Bilder von Max und den Ramones projeziert.

Lustenau, das ist ein schöner Wochenendauftakt für uns. Danke dafür. Nach der Show gibt’s noch lecker Essen und wir schauen einer Acapella Band zu, die nur durch ihre Münder fetter klingt als manche Band zusammen mit Orchester. Morgen ist Freitag. Morgen ist Konzert. Die Welt ist schön.

Eine gute Dusche am morgen ist zum Wachwerden manchmal ja fast genauso wichtig, wie die allmorgendliche Butterbrezel. Da sind wir uns in der Band alle einig. Bis auf den einen der nur ungern duscht, sich Sibbi nennt und an dieser Stelle nicht genannt werden möchte.

Während wir noch den gestrigen Festivalauftritt im Österreichischen Lustenau in den Knochen haben, haben wir schon das heutige Konzert beim Big Day Out-Festival in Anröchte vor Augen und im Herzen. Drei Festivals nacheinander fühlen sich ja ganz schön nach nem Lottogewinn an! Mal sehen was wir heute alles so anröchten können…
Vor der Abfahrt entbrennt wieder ein dezent unentspanntes Wortgefecht darüber wer im Bus vorne sitzen darf. Von „mein Arzt sagt, ich darf nicht hinten sitzen“ über „wenn ich nicht vorne sitze, muss ich immer kotzen“ zu „entweder ich sitz vorne oder ich fahr heim“ ist immer alles an Argumenten dabei. Im Endeffekt gewinnt dann aber doch immer derjenige, der in der Bandhierarchie ganz oben steht und das ist, wir wir alle wissen, immer noch der Bassist.

Angekommen im Ruhrpott begrüßen wir zu allernächst unsere guten Freunde von „Montreal“. Die sind schon ewig lange Weggefährten von uns und uns in erster Linie deshalb so sympathisch, weil sie konsequent ihr hartverdientes Geld ständig in die unwichtigsten Stellen investieren: Crewmäßig hatten sie heute zum Beispiel keinen Tonmann, keinen Lichtler und keinen Backliner dabei. Dafür aber drei Merchandiser, wovon sie nicht einen gebraucht haben, weil der Merch vom Festivalveranstalter verkauft wurde. Zusätzlich haben sie sich auch mit neuem Equipment ausgestattet: Drummer Max Power besitz seit kurzem einen, in der Snare eingebauten, Leuchtring, bei dem man per Fernbedienung die Farbe wechseln kann. Sieht vom Publikum aus keine Sau, aber dafür hat der Trommler einen bunten Abend.
Ganz im Ernst: Das sind die besten und sympathischten Typen, die man sich nur vorstellen kann und es ist so schön zu sehen, dass es doch noch ein paar wenige Bands gibt, die den ganzen Musikzirkus nicht so ernst nehmen, nicht vergessen haben was Witz und Spontanität ist und die ganz genau wissen, dass eine gute Aftershowparty nur mit guter Musik in angemessener Lautstärke funktionieren kann.

Pünktlich um 16Uhr geht der nichtvorhandene Vorhang für uns auf und wir fragen uns mal wieder, warum um diese unchristliche Uhrzeit schon so viele Leute da sind. Ich meine, wir sind zwar auch schon da, aber wir bekommen ja auch Essen und Trinken umsonst. Jedenfalls schlagen wir so auf unsere Instrumente ein und freuen uns darüber, dass das Publikum das zum Anlass nimmt aufeinander einzuschlagen. Alles natürlich in einem freundlichen und Unity-Gedanken-mäßigen Rahmen, wie sich das eben gehört. Wir vergessen teilweise wieder Textzeilen und Akkordreihenfolgen, aber es ist ja schließlich auch noch früh am Tag und wer
mit sowas nicht umgehen kann, kann sich ja Frida Gold oder irgendeinen anderen Dreck anschauen.

Das Publikum jedenfalls ist super am Start, singt, pfeift, gröhlt und applaudiert ordnungsgemäß nach den einzelnen Liedern. Wir revanchieren uns mit Danksagungen, einigen weitern Songs und zwei Flaschen Bier, die wir dem Publikum schenken. Was für ein wundervoller Nachmittag.
Nach dem Konzert stehen wir dann etwas verdutzt rum, weil es erst 17Uhr ist und wir jetzt noch fast acht Stunden Bier trinken müssen, bis sich endlich einer erbarmt ins Hotel zu fahren. Was will man da machen. Um uns die Biertrinkerei erträglicher zu machen, schauen wir uns noch die anderen Bands wie H-Blockx, Subways, Good Charlotte usw. an und Panzer hat sogar noch einen kleinen Gastauftritt bei Montreal, wo er zusammen mit den Hamburgern den Song „Erzähl mir mehr“ zum Besten gibt. Die Anfänge der jeweiligen Textzeilen hat er sich sicherheitshalber mal mit Edding auf den Arm gemalt. Besser wars.

Die Madden-Zwillinge von Good Charlotte lernen wir übrigens auch noch kennen. Überraschenderweise sind die total nett, auf dem Boden geblieben und lachen uns nicht einmal aus, als wir am, im Backstage stehenden, Basketballkorb 63 Versuche brauchen um endlich einen handelsüblichen Korbleger zu schaffen.
Als wir dann irgendwann spät nachts vom Veranstalter mit einem freundlichen „Es war wirklich total super mit euch, aber könnt ihr jetzt BITTE endlich den Backstageraum verlassen“ verabschiedet werden, streichen wir auch mal langsam die Segel und fahren mit Glückstränen im Gesicht Richtung Hotel.
Dankeschön Anröchte!
Der Tag beginnt mit einem Anruf von unserem Schlagzeuger und Tourmanager Max Zimmer, der mir um halb elf erzählt, dass die Abfahrt von 12Uhr auf 11Uhr vorverlegt wird. Gründe nennt er keine. Wahrscheinlich wieder pure Schikane.
Heute geht’s nach Magdeburg zu „Rock im Stadtpark“ und die Stimmung im Bus ist aufgrund der gestrigen Aftershowparty noch etwas träge. Immerhin ist heute endlich Bundesligaauftakt und für uns ist das ganze als ob nach Monaten des Monsunregens endlich die Wolkendecke aufreisst und auf einmal die Sonne wieder scheint. Ich will das ganze ja auch nicht zu sehr glorifizieren, aber wenn irgendwas im Leben konstant einen Sinn macht, dann ist es ja wohl Fussball.

An die Fahrt nach Magdeburg kann ich mich leider nicht mehr erinnern, wobei das eigentlich eher ein gutes Zeichen ist, wenn ich grade so drüber nachdenke. Angekommen am Festivalgelände wirkt Sibbi auf einmal sehr aufgedreht und hektisch. Aber das soll er mal selber erzählen:
„Seit vielen Tagen freu ich mich tierisch auf das Hotel. Die Erinnerungen an letztes Jahr sind einfach zu gut, um sich NICHT darauf zu freuen. Großer Pool, wunderschöne Sauna-Landschaft, herrlich. Ich setz also alles daran, direkt nach der Ankuft am Festivalgelände ins Hotel zu fahren, was die Crewmitglieder unserer Truppe schon etwas nervt, da sie zu dem Zeitpunkt wichtigere Sachen zu tun haben, als mir zu beantworten, wann ich endlich den Karren haben darf. Irgendwann hab ich ihn dann aber und fahr los. Ich weiß sogar noch den Weg, so gut hats mir letztes Jahr gefallen.
Ich rein ins Hotel und am einchecken. Die netten Damen an der Rezeption geben mir sogar ein Einzelzimmer. Weil ich „so nett bin“ sagen sie. Ich will schon ins Zimmer hoch, da fällt mir noch ne wichtige Sache ein und ich frage höflich nach einem Bademantel und Schlappen. Darauf sagen die netten Damen „Ahh, für unsere schöne Bade- und Saunalandschaft meinen sie? Ja, die wird leider grade komplett renoviert und ist geschlossen. Da können sie nicht rein“. Mich hauts fast untern Tresen vor Schreck. Mein ganzer Plan ist ruiniert. Verdammte scheisse!
Ich bin echt sauer, denk mir aber, dass ich dann wenigstens im Hotelzimmer das Radioprogramm des Fernsehers auf laut stellen und mich schön in die Badewanne legen kann. Weil heute fängt die Fussball-Bundesliga wieder an, und es gibt wenig schönere Sachen als das Live im Radio zu verfolgen. Also rauf aufs Zimmer, Fernseher an. Ich schalte die Programme durch, ich schalte die Programme noch ein zweites und ein drittes mal durch. KEIN RADIOPROGRAMM ! ! ! ! Seit JAHREN frage ich mich in Hotels JEDES MAL wer zur Hölle dieses unnütze Gimmick eines Radioprogramms innerhalb des Fernsehers nutzt. Und jetzt brauch ich EINMAL IM LEBEN diesen Dreck und dann gibt’s das nicht. Ich zieh mich wütend und stinksauer aus und geh ins Bad, will das Badewasser einlassen, JETZT HATS DA NUR NE DUSCHE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Ich zieh mich also wieder an, les ne Viertel Stunde lang beknackte Werbeprospekte des Hotels und fahr wieder zum Festival. Ich könnte echt kotzen!“

Soweit also Sibbis Impressionen vom Festivaltag. Der Rest der Reisegruppe hing zeitgleich am Festivalgelände rum, schaute sich gute Bands wie Herrenmagazin an und fiel sich zwischendurch immer wieder gegenseitig mit Glückstränen in den Augen um den Hals, weil Stuttgart im ersten Spiel Schalke eine Backpfeife nach der anderen verpasste.
Dem Freudepegel wurde die Krone aufgesetzt, als „Frida Gold“ irgendwann endlich ihren Auftritt beendet hatten. Wir lästern wirklich nur sehr ungerne, aber man muss auch nicht alles gut finden und das war wirklich das schlimmste Konzert, dass wir seit Jahren ertragen mussten. Ich würde lieber eine Woche lang mit Culcha Candela auf Tour fahren, bevor ich mir das nochmal anhören müsste.

Während „Skatoons“ auf der zweiten Bühne mit Stakkatorhythmen um sich warfen, haben wir uns mit Liegestützen auf unseren Auftritt vorbereitet. Bei so nem guten Line-Up als zweitletzte Band, direkt vor „Wir sind Helden“ auf die Bühne zu dürfen ist schon echt eine gute Sache aber auch eine Herausforderung, wie uns Schlagzeuger Max Zimmer vor dem Konzert erklärt. Wir drücken ihm daraufhin wortlos einen Jägermeister in die Hand und entern die Bühne, vor der mehrere tausend Leute rumstehen und darauf warten, dass wir anfangen zu singen. Im Endeffekt wurde es eines der allerbesten Festivals dieses Jahres und wir waren einfach nur noch geplättet von der Publikumsresonanz! Sogar unser Backliner Pommes (der Geburtstag hatte) wurde immer wieder minutenlang mit Sprechchören abgefeiert und das völlig zurecht.


Unglaublich guter Auftritt und wir bedanken uns von Herzen beim Magdeburger Publikum. Es war sehr nett und sympathisch bei euch! Nach der Show wurden noch ewig Autogramme geschrieben, Interviews gegeben und ein paar Kaltgetränke gab es auch noch. Aus Sibbis Sicht hat der Abend wohl folgendermaßen geendet:
„Ich lieg nach diesem anstrengenden Wochenende mit vielen Shows und vielen Getränken also todmüde im Bett und will mich grade ins Land der Träume verabschieden, als plötzlich dieses laute Monotone Geräusch erklingt, welches in einer so nervtötenden Frequenz ertönt, dass das ganze Hotel zu wackeln scheint. Ich glaube erkennen zu können, dass es sich dabei um das Geräusch handelt, wenn jemand in eine leere Flasche reinbläst. Es scheinen 2 Flaschen zu sein und es scheint aus dem Hotelinnenhof zu kommen, welcher durch seine Trichterartige Form die Lautstärke dieser ganzen Scheisse nochmal verdreifacht. Ich weiß sofort, dass es 100% Mitglieder meiner besoffenen Band und Crew sein müssen, die mitten in der Nacht nichts besseres zu tun haben als so dermaßen unlustig in Flaschen zu keuchen. Nach 5 Minuten bin ich mir sicher, dass denen sicher gleich die Lust daran vergeht, weil so eine Flasche nunmal eben nur einen Ton erzeugen kann und die Itchy Poopzkid Reisegruppe bei so lustigen Aktivitäten eine eher kurze Halbwertszeit besitzt. Kann man in etwa mit einem 3-jährigen Kind vergleichen. Aber falsch gedacht. Über eine VIERTEL STUNDE LANG tröten die Deppen da rein und kichern abwechselnd lautstark um die Wette. Ich stehe mittlerweile im Bett. Am liebsten würd ich die Gürtelschnur aus meinem Bademantel ziehen und alle Flaschentröter damit strangulieren ABER ICH HAB JA KEINEN BADEMANTEL BEKOMMEN ! ! ! ! !“
Das Schlimmste auf der Welt ist ja, wie wir alle wissen, wenn das Bier alle ist. Klarer Fall.
Das mit Abstand Zweitschlimmste ist es aber, wenn man einen Konzertbericht zu ¾ fertig hat, dann der verfickte Laptop abraucht, einem zeitgleich einfällt, dass man nicht abgespeichert hat und sich anschließend bewusst wird, dass man den ganzen Kram noch einmal schreiben darf. So geschehen vor exakt 2 Minuten. Kotzt mich schon wieder unglaublich an, aber ich verspreche hoch und heilig, mir nichts anmerken zu lassen, während ich DEN GANZEN SCHEISS JETZT EBEN NOCH EINMAL TIPPE !!!

Es gibt ja so ein paar Festivals, die einem im Laufe der Jahre so richtig ans Herz wachsen. Das Open Flair Festival in Eschwege ist definitiv eins davon und das war auch der Grund dafür, dass die Vorderräder unseres, mit Vorfreude völlig überladenen, Tourbusses kaum mehr die Strasse berührten! Schon zum dritten mal wurden wir aufs Open Flair gebucht und diesmal sogar auf die fette Hauptbühne. Wenn man da während der Show vom Mikroständer zum Schlagzeug laufen will, ist man nen halben tag unterwegs. So groß ist die.

Die Fahrt nach Eschwege war mal wieder äußerst ereignisarm. Einziges Highlight war eigentlich, als unser Mischer Thimo vor lauter Langeweile angefangen hat, einen Modelhubschrauber zusammenzubasteln. Was die alle für Hobbys haben!! Irgendwann fangen die noch an Briefmarken zu tauschen oder Überraschungs-Ei-Figuren im Bus aufzustellen….

Angekommen beim Open Flair werden wir umgehend von einer Frau mit Kopfhörern und Mikrofon auf dem Kopf abgeholt und in ein kleines, stickiges Zelt gesteckt. Dort müssen wir uns auf ein Sofa setzen und warten bis nacheinander diverse Reporter von verschiedenen Sendern, Magazinen und Portalen zu uns kommen und uns extrem gute Fragen stellen, die wir wie immer mühelos äußerst mittelmäßig beantworten. Immerhin schenkt uns einer der Reporter noch eine Flasche „Frankfurter Apfelwein“. Oder er hat ihn aus Versehen vergessen. Wir haben ihn jedenfalls vorsichtshalber mal getrunken. Sicher ist sicher.
Als Culcha Candela dann anfangen auf der Hauptbühne zu spielen, bricht der Himmel umgehend in Tränen aus, was wir zwar verstehen können, aber dennoch hoffen wir, dass zu unserem Auftritt wieder besseres Wetter herrscht. Um unsere Laune trotzdem aufrecht zu halten, schauen wir uns den Auftritt nicht an, sondern sagen in der Zwischenzeit lieber den guten Freunden von Montreal und den Donots hallo, die heute auch mal wieder am Start sind und eigentlich sogar noch schöner aussehen, als beim letzten aufeinandertreffen!

Pünktlich um 18Uhr schubst man uns dann auf die Bühne und wir freuen uns dass 1.) es aufgehört hat zu regnen und 2.) dass da unfassbar viele Leute vor der Bühne stehen, die uns mit Sprechchören begrüßen! Wow! Da fühlt man sich ja gleich mal zuhause. Zeitgleich verendet auf der rechten Bühnenseite jedoch eine Nebelmaschine, die einen extrem schmierigen Ölfleck hinterlässt, den ich zum Anlass nehme, mich beim dritten Lied extrem schwungvoll auf die Schnauze zu legen und mir einen ziemlich ausgeprägten Bänderriss am linken Fuß abzuholen. Der ganze Vorgang hat alle Anwesenden irgendwie an folgende Szene erinnert:
http://www.youtube.com/watch?v=fcYKo6a2wLg
Nach so einem Vorfall hat man ja immer zwei Möglichkeiten: Entweder man weint und bricht das Konzert ab oder man weint und spielt das Konzert zuende. Ich hab mich für letzteres entschieden und um ehrlich zu sein, hat sich die Frage das ganze abzubrechen auch überhauptnicht gestellt, weil das Publikum einfach nur unglaublich war und neben meinen Schmerztränen auch dutzende Glückstränen geflossen sind! Das Open Flair hat uns wirklich wieder einmal die Schuhe ausgezogen! Es war ein absoluter Hammer bei Euch!

Nach der Show begeben sich Max und Sibbi zur Autogrammstunde am Uncle Sally*s-Stand und ich schleppe mich, mit der Hilfe von Rote-Kreuz-Leuten, ins Sanitätszelt, während Frank Turner im Hintergrund „not everyone is born to be an astronaut“ singt. Recht hat er. Der Frank. Angekommen im Sani-Zelt gibt´s von den anderen Invaliden erstmal „Jöööööööö, Panzer!!“-Rufe und ich schreibe Autogramme, während die extrem netten Sanis meinen Fuß mit lilalen Bandagen einbinden. Die Ärzte fanden das auch alles sehr witzig und haben noch Erinnerungsfotos gemacht. Ich muss wirklich sagen, dass ich mich selten irgendwo so wohl gefühlt habe, nachdem mir fast der Fuß abgetrennt wurde….


Zur Sicherheit werde ich anschließend mit einem Shuttlebus, dessen Fahrer original aussieht, redet und lacht wie Mario Barth, aber trotzdem sehr sympathisch ist, ins Eschweger Krankenhaus gefahren. Auch dort werde ich, von anderen verletzten Festivalbesuchern, äußerst frenetisch begrüßt und es ergeben sich tiefgründige Gespräche über Bänderisse im Allgemeinen, Kapseldehnungen im Besonderen und lautstarke Beschwerden darüber, dass im Krankenhaus kein Bier verkauft wird.
Dafür sind die Ärzte äußerst nett, wie sich bei der anschließenden Untersuchung herausstellt:
Arzt: „Uiiii, sie haben aber generell einen ganz schönen Spreizfuss“ Ich: „heee, vorsichtig, gell!“ Arzt: „Also das ist wirklich ein außerordentlich ausgeprägter Spreizfuss…“
Auch im Röntgenzimmer ist die Freude ziemlich groß. Am Ende hatte ich fast mit jedem Angestellten und Verletzten ein Foto gemacht. Einer der der Ärzte war sogar kurz vorher noch bei uns im Publikum und ist erst dann wieder zurück zur Arbeit, um weiter mit dem Skalpell zu hantierten. Wahnsinn. Ich möchte an dieser Stelle dutzende Grüße an alle Rote Kreuz-Leute, Krankenhausärzte und Mitverletzte rausjagen! Ihr habt mir den Abend unglaublich unterhaltsam gemacht.

Zurück am Festivalgelände bekomme ich relativ schnell einen großen Korb voller Mitleid, im Gegenzug aber natürlich auch total zügig Spitznamen wie Klumpfuß, Klumen und Klumpi und weiß wieder, dass man sich auf die Unterstützung seiner Bandkollegen und Crew einfach immer verlassen kann!
Open Flair – Danke für eines der besten Festivals dieses Sommers!

danke für die zwei starken konzertbilder geht an: www.spieker-woschek.de
Ich wache auf in unserem schicken 3-Bett Zimmer in Eschwege im Hotel „Bierschenk“ (kein Witz) und reg ich mich doch ein wenig auf, dass das Bett im Laufe der Nacht leider die Form einer Halfpipe angenommen hat, weshalb meine Beine erstaunlich nahe an meinem beinahe aufrechten Oberkörper angekommen sind, was nicht grade zur Tiefenentspannung beiträgt.
Beim Frühstück wundere ich mich dann warum Panzer so komisch läuft, merke dann aber relativ schnell was Sache ist und reihe mich dennoch in die Leute unserer Ausflugsgemeinschaft ein, die pausenlos Witze darüber reisst. Ihr erinnert Euch, er hat sich gestern während der Show mal wieder aufs Maul gelegt und hat sich leider nicht nur Häme und Spott von seinen Bandmitgliedern sondern auch nen fetten Bänderriss zugezogen. Armer Tropf!

Vollgestopft mit gutem Rührei und Brot (hat übrigens früher, als noch alles besser war, nur 2 Pfennig gekostet!) machen wir uns dann in aller Herrgottsfrüh auf zum Taubertal Festival. Da spielen wir schon um 16 Uhr, es sind ein paar Stunden Fahrt, da sollte man nicht so viel Zeit verlieren. Wir wünschen uns dann nach der Abfahrt relativ schnell, dass das unser Bus auch so gesehen hätte. Hat er aber nicht. Er hat lieber 50km nach der Abfahrt den Geist aufgegeben und sich aufgrund einer Drosselklappenfehlstellung gedacht er müsse nur noch 20km/h fahren. Eindeutig zu wenig. Wir rufen also bei AC/DC an, merken aber einige Minuten später den Buchstabendreher und melden uns daraufhin richtigerweise beim ADAC. Im Anschluss warten wir erstmal, entscheiden uns dann aber lieber mit 20km/h in eine Mercedes Werkstatt zu tuckern. Dort sind die Techniker zwar alle sehr nett, können aber nicht zaubern, weshalb eine Reparatur 3 Stunden dauert. Dadurch könnten wir den Auftritt beim Taubertal dann auch in die Tonne kloppen. Also telefonieren wir wie wild Autovermietungen ab, ob sie nen ähnlichen Bus haben, wo wir das ganze Zeugs reinwerfen können. Sind aber alle ausgebucht. Nur bei der letzten sagt zufällig am gleichen Tag ein anderer Kunde ab, weshalb noch ein kleiner Transporter übrig ist. Wir holen ihn und stopfen das Fahrzeug so dermaßen voll, dass wir Angst haben es könnte genauso explodieren wie Panzers Haxen gestern Abend.

Mit 1,5 Stunden Verspätung rasen wir dann los Richtung Taubertal. Zu allem Überfluss schwillt mir, vor lauter Stress, auch noch ein Auge zu und sieht aus, als hätte jemand ein rundes Sportgerät unter meine Haut gepflanzt. Aber was sind schon körperliche Schäden in einer Band in der schon bei der Hosenauswahl des Schlagzeugers alles falschläuft was nur falschlaufen kann?!

Wir kommen tatsächlich noch rechtzeitig beim Taubertal an und fallen den ganzen netten Menschen von dort um den Hals, die wir teilweise schon vom ersten Auftritt 2002 kennen. Auch die Donots werden stürmisch begrüßt, weil wir die zum letzten mal vor ca. 11 Stunden gesehen haben. Das Taubertal Festival, für alle die noch die da waren, ist wahrscheinlich das schönste in Deutschland. Wunderhübsch gelegen in einem kleinen, engen Tal, mit den nettesten Leuten überhaupt. Da sollte auf jeden Fall jeder einmal gewesen sein. Wir heute zum dritten mal übrigens. Angeber.

Da wir relativ spät ankommen stehen wir auch relativ zeitnah auf der Bühne und was ist das für ein Bild. Vorne quetschen sich die Leute ans Bühnengitter und aufgrund eines Problems beim Festival-Einlass strömen die ganze Zeit riesige Massen an Menschen in Richtung Bühne. Ein Wahnsinn. Die Leute feiern, wir feiern und können wieder kaum glauben, dass wir uns damals dachten „Lass doch mal Musiker werden“. Panzer hüpft auf einem Bein mehr und höher als andere Bands mit 3 Beinen, die Leute vor der Bühne schreien so laut, dass es uns fast von der Bühne fönt, fantastisch! Da schmälert auch der Bassverstärker die Stimmung nicht, der immer mal wieder unserem defekten Bus von heute morgen nacheifert.



Nach der Show gehen wir rüber zur Autogrammstunde und schreiben über ne Stunde lang unsere Namen, bzw. das was nach 1000 Autogrammen davon übrig bleibt, auf Sachen und Menschen. Auch wenn wir selbst nicht wirklich begreifen können, warum sich jemand ne Stunde lang anstellt um sich Autogramme von uns zu holen, so wollen wir trotzdem Danke sagen, dass ihr das auf euch nehmt. Uns hats jeden Fall großen Spass gemacht. Auch danke an die zwei Jungs, die eine 5×2 Meter große „Eislingen an der Fils-Fahne“ mit zum Festival gebracht haben. Auf Panzers eher lustig gemeinte Frage „Wo habt ihr denn DIE geklaut“ antworten die beiden übrigens mit einem forschen „Ja, aufm Stadtfest!“ Als hätten wir uns das nicht denken können.

Dann noch einige Interviews geben und endlich so richtig in den Feierabend einsteigen, Schöne Bands anschauen wie die Donots, Bullet For My Valentine und am Ende Pendulum, die mich echt umhauen. Wir haben Backstage nen Wahnsinnsabend mit unglaublichen vielen Freunden und Freundinnen, es ist einfach ein perfekter Abschluss für dieses Wochenende. Und als hätten wir nicht schon genug zu trinken, hat dann noch der Ingo von den Donots Geburtstag. Man kann sich ja vorstellen wie das dann wieder endet…

Open Flair und Taubertal, wir sagen wiederholt „Danke“, es war einfach nur prächtig!

Krasse Rap-Einlagen wie „SpackSpackSpaggeldiSpack“ schallen durch den Proberaum und den Bus was bei uns soviel bedeutet wie „Es ist Freitag, ich freue mich wirklich sehr heute mit meiner Band beim Spackfestival aufzutreten.“

Auf der Fahrt überlegen wir uns, dass man Rockfestivals in Zukunft auf unter die Woche legen sollte, damit man nicht jeden Freitag in den verschissenen Hin- oder Rückreiseverkehr der Urlauber gerät. Irgendeine alte Holländerin presst unseren Bus dann auch fast auf einen heranrasenden LKW. Das Dumme daran ist, dass sie es nicht mal bemerkt und seelenruhig weiterfährt, während wir neben sie fahren und verzweifelt versuchen unseren zahlreichen Mittelfingern Beachtung zukommen zu lassen.
Gibt es eigentlich Vielfahrer Miles oder sowas? Dann wären wir nämlich reich. Was wir diesen Sommer schon wieder durch die Gegend gegurkt sind, ist auch fantastisch. Aber trotzdem immer noch ein Teil unseres Traumjobs. 2000km in 2 Tagen. Es gibt schlimmeres, nich?!?

Beim Spackfestival angekommen begrüßen wir erstmal alle recht freundlich, so wie sich das gehört. Wir haben schon öfter mal hier gespielt, deshalb kennt man sich und begrüßt sich anstatt mit „Guten Tag Herr Veranstalter, wir sind Itchy Poopzkid, es ist uns eine wahre Freude bei Ihnen auftreten zu dürfen“ mit „Ey Du alter Wemser, lass man Schnapps rüberwachsen, aber zackig“. Dafür antworten die Veranstalter aber auch anstatt mit „Guten Tag liebe Band, wir freuen uns sehr, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind“ mit „Verdammte scheisse, solche Arschlöcher, hätten wir doch lieber die anderen gebucht“.
Beim Essen begrüßt uns Benji Madden von der Kapelle Good Charlotte, die wir erst vor zwei Wochen gesehen haben und wir freuen uns außerdem dass BoySetsFire mitspielen, mit denen wir vor sage und schreibe 8 Jahren zum ersten mal spielten. Damals kamen die Backliner und Roadies von denen komplett nackt während unserer Show auf die Bühne und haben gekehrt. Das machen sie heute leider nicht mehr. Dafür sind immer noch sehr nett.
Wir trinken Backstage den besten Vanilledrink den jemals jemand getrunken hat und schauen uns ein paar Bands an. Vor uns spielt Prinz Pi, der Hip Hop macht und 12.000 Lichter auf der Bühne hat, von welchen man aber leider kein einziges sehen kann, weil draussen noch die Sonne scheint. Ich nenne das „knapp verkalkuliert“ und dehne mich hinter der Bühne, damit es bei einem Bänderriss innerhalb dieser Band bleibt.

Kurz nach 8 erobern wir die Bühne und abgesehen davon, dass mein Fusspedal beim ersten Song 1m von mir entfernt liegt und Panzers Fusspedal erst gar nicht aufgebaut wurde, spielen wir ein forsches Rockkonzert. Ich muss hier zugeben, dass wir ein paar Songs gebraucht haben um auf ein ordentliches spielerisches Niveau zu kommen, aber DANN, liebe Leute, DANN wurde es richtig richtig gut, was auch die Leute draussen gemerkt haben, denn sie haben sich energisch in der Gegend rumgeworfen. Danke Spack!

Nach der Show schauen wir uns die tollen Shows von unseren beiden Ami-Freunden an und teile von uns trinken hin und wieder etwas Alkohol. Spät nachts fahren wir ins Hotel und legen Max einen 2m großen Lampenschirm ins Bett, der am morgen jedoch neben mir wieder aufwacht. Keine Ahnung warum. Außerdem spielen wir den „Auszug der Elefanten“ aus Panzers Schlafzimmer nach…


Der Besitzer dieses Hotels muss ein erfolgreicher Jäger gewesen sein. Jedenfalls hängt der gesamte (!) Frühstückssaal voll mit Geweihen von Hirschen, Rehen, Ziegen, Gemsen und Geißböcken. Dazu kommen noch unzählige ausgestopfte Tierleichen, die einem gut gelaunt, aber mit etwas eintönigem Gesichtsausdruck beim Frühstücken zuschauen. Bei jeder Eckbiegung des Hotels warte ich darauf gleich mit einer ausgestopften Version von Fury, Lassy oder Flipper zusammenzustoßen. Mich würde auch nicht wundern, wenn der Jäger auf einem seine Jagdzüge damals aus Versehen das letzte Einhorn umgenietet hätte. Die Leute des Gasthofes sind durch die Bank wirklich alle sehr nett und herzlich, aber selbst wenn ich mein Vegetariertum mal außen vor lasse, frage ich mich, wie man sich in so einer Friedhofsatmosphäre wohlfühlen kann. Immerhin gabs gutes Rührei.

Zurück in unserem Tourbus stellen wir fest, dass hier zwar keine Tiergerippe rumhängen, dafür aber der gesamte Müll von gestern auf dem Boden rumliegt und es ist manchmal nicht zu fassen, wie viel Abfall eine siebenköpfige Truppe innerhalb eines Tages produzieren kann.
Beim Einsteigen fliegen wild Sätze wie „wie´s hier wieder aussieht!“, „man, könnt ihr nichtmal Euren Müll wegwerfen“ oder „wir sollten unbedingt dringend aufräumen“ durch den Runde. Als alle endlich sitzen, stellen wir fest, dass keiner Anstalten macht auch nur irgendetwas an der Situation zu ändern, lassen daraufhin alles wie es ist, schließen die Schiebetür und fahren singend und mit erhobenen Fäusten Richtung Nordsee.

Die Fahrt ist heute so zäh, dass einem ganz schlecht wird. Stau um Stau, heiss ist es auch und unser Fahrer Pommes ist entweder mit der Welt im Unreinen oder er hat heute Morgen einfach einen halben Zentner Kokain gegessen. Jedenfalls brüllt er ständig abwechselnd und völlig willkürlich das Navigationssystem und anschließend unschuldig vorbeifahrende Familien an. Warum wissen wir nicht, aber er wird schon seine Gründe haben. Immerhin fährt er so sicher, dass darüber nachdenke meinen Verwandten per SMS zu schreiben, wo ich mein Testament versteckt habe. Die negativen Bundesligaergebnisse, die uns Sabine Töpperwien live aus dem Radio präsentiert, tragen ihr Restliches zur doch recht ausbaufähigen Stimmung im Bus bei. Immerhin finden einige von uns angenehme Sitzpositionen.


Angekommen beim Dithmarscher Rockfestival werden wir sofort von den Veranstaltern begrüßt, die wir schon seit vielen Jahren kennen und lieben gelernt haben. Sehr gute Typen und unglaublich sympathisch. Außerdem haben die fast immer ein Bier in der Hand und das ist ja sowieso schon mal die halbe Miete. Wir freuen uns jedenfalls sehr, dass wir uns hier in Marne zum dritten mal die Ehre geben dürfen. Marne liegt übrigens direkt am Meer und die letzten Male waren wir hier nachmittags immer Wattwandern, nur um dann Abends mit Wattwürmern zwischen den Zehen, aber einem breiten Lachen im Gesicht auf der Bühne zu stehen.

Aufgrund der vielen Staus schaffen es heute nur Sibbi und Mischer Achim ans Wasser. Der Rest hängt auf dem Festivalgelände rum und freut sich viele bekannte Gesichter wieder zu sehen. Irgendwann zur besten Fernsehzeit, um 22.30Uhr gibt man uns den Startschuss und die Schleswig-Holsteiner begrüßen uns mit einer Wärme, die uns mit ihren Wallungen fast von der Bühne bläst! Sehr schön zu sehen, dass man uns hier oben nicht vergessen hat. Stimmung ist super, Publikum textsicher und wir versuchen auch die diversen Songfragmente, die wir uns irgendwann mal ausgedacht haben, in der richtigen Reihenfolge wieder zusammen zu setzen. Klappt äußerst gut heute und wir haben einen wundervollen Abend an der Nordseeküste.


Direkt nach unserem Konzert fängt es an zu regnen und wir nehmen das zum Anlass zu überprüfen, ob der Bierzapfhahn noch am Start ist. Danke an die tollen Veranstalter, alle befreundeten Bands und vor allem an das nette Publikum. Solche Sprechchöre bekommt man ja nicht jeden Tag. Zusätzlicher Dank für eine unglaublich gute Festivalsaison 2011 geht an die allerbeste Crew der Welt: Thimo, Achim, Pommes, Chrissy, Jöre, Nova, Andy, Larissa und allen die sonst mal kurz ausgeholfen haben!

Um den Bericht standesgemäß und angemessen abzurunden enden wir mit einem Gedicht von Hans Jürgen Hendricks: (Ob das der Bruder von Jimmy Hendricks ist!?)
Wie eine Decke, grau und schwer
hängt der Himmel über dem Watt
Nebel taumeln hin und her
Flut die Ebbe schon abgelöst hat
So, nachdem wir schon vor einem Monat den Begriff „Festivalabschluss 2011“ zum Anlass genommen haben „so RICHTIG“ zu feiern, ist uns ein paar Wochen später aufgefallen, dass wir ja NOCH ein Festival im September spielen werden. Auch gut. Machen wir nächstes mal mit Weihnachten genau so. Gibt dann doppelt Geschenke, super Plan! Schulterklopf, High Five, Verbeugung, Roflcopter.
Wir treffen uns im Vorfeld des Konzertes pflichtbewusst zum einmaligen Proben. Nach katastrophalen Musik- und Texthängern bei Liedern von denen wir zum Teil vergessen sie jemals geschrieben zu haben, befinden wir Proben für überbewertet und fahren also an diesem bewölkten Samstag nach Lingen zu einem Festival. Da haben wir noch nie gespielt. Obwohl es da einen Pferdemarkt gibt und wer uns kennt weiß ganz genau, dass Reiten neben Synchronschwimmen und LKWs ziehen eines unserer größten Hobbies ist.
Während ich mich im einen Kraftfahrzeug unserer Reisegruppe über Staus aufrege, die sich wie immer genau vor uns postieren, hat Backliner Bobbes im anderen Auto durch Fehlleitungen des Navigationsgerätes noch größere Probleme (er schickt irgendwann eine MMS von einem 1m breiten Waldweg), die dann allerdings NOCH größer werden als er von einem fiesen dunkelgrünen Kasten dabei fotografiert wird, wie er bei Rot über eine Ampel fährt.

Nach gefühlten 12 Stunden kommen wir dennoch in Lingen an, wo wir erstmal vorwärts in den engen Bereich hinter die Bühne reinfahren, um dann gesagt zu bekommen, dass wir lieber rückwärts reinfahren sollen, was wir dann auch zielgenau machen, um dann gesagt zu bekommen, dass wir doch lieber wieder vorwärts reinfahren sollen. Um weiteres Rangieren zu umgehen renne ich in den Backstagebereich und esse Tortilla Chips mit Käsedipp. Normalerweise muss ich sagen, mag ich weder Tortilla Chips noch Käsedipp, aber hier in Lingen war beides so dermaßen lecker, dass ich immer noch mit dem Gedanken spiele Mexikaner zu werden.

Im Backstagebereich steht zudem ein sehr gut gestimmtes Klavier, was bedeutet, dass sämtliche Crew- und vor allem Bandmitglieder, von denen kein einziger Klavier spielen kann, den ganzen Tag so dermaßen am rumklimpern sind, dass sich Axl Rose’s Ehefrau aus dem „November Rain“-Video im Grabe rumdrehen würde.


Die netten Herrschaften von Bakkushan spielen heute auch, weshalb wir uns freuen und sie sich auch. Sagen sie jedenfalls. Die sind alle nach Berlin gezogen. Wir ziehen nicht nach Berlin. Wir ziehen uns dafür um, vor der Show, in unsere goldenen Bühnen-Anzüge und um 23 Uhr rennen wir auf die Bühne und spielen ein Konzert. Panzer spielt erst 2 Lieder später ein Konzert, weil sein Bass nicht geht, aber Max und ich spielen schon von Anfang an, weshalb ich auch glaube vernommen zu haben, dass Max und ich mindestens viel mehr Applaus für unser Auftreten bekommen als Panzer. Schöner Gig war das. Danach überzeugen wir uns ein weiteres mal von den Tortilla Chips und dem Käsedipp und gehen für unsere Verhältnisse sehr früh ins Hotel, was eventuell auch an den Tortilla Chips mit Käsedipp liegen könnte.

Nachts falle ich plötzlich fast aus dem Bett weil unser Lichtler Chrissy neben mir so laut schnarcht, dass ich panisch meine dicken Ohrenstöpsel suche, bis mir auffällt dass sie sich tatsächlich IN meinen Ohren befinden. Nach einem gezielten, aber dennoch liebevollen, Powerkick in Chrissys Hüftgegend dreht er sich um, ich mich auch und wenn wir nicht gestorben sind, schlafen wir noch heute.
Festivalsommer 2011, Du warst ein guter Festivalsommer.
Na toll, jetzt hab ich Panzer vorgeschlagen, dass wir den Bericht fürs Konzert in Thalmässing (den wir eh total vergessen hatten) ja auch halb halb schreiben können, und prompt krieg ich den ersten Teil des Berichts aufgebrummt, in dem wieder nichts interessantes passiert außer Einladen, ne langweilige Fahrt etc. so dass ich mir wieder irgendwelchen Scheiss aus den Fingern saugen kann.
Gut, fangen wir damit an, dass ich gestern das erste mal seit letztem Winter wieder einen Ofenkäse gegessen habe. Find ich das mit Abstand beste „schnell-schnell“ Gericht das es gibt. Was mir allerdings ein Rätsel ist, ist die Tatsache, dass es jetzt auch so Ofenkäse-Sorten wie Röstzwiebel, Gartenkräuter und Chili gibt. Wer braucht denn so einen Dreck?! Und wenn doch, dann kann man sich das doch selbst machen. Kräuter oder Chili drüber streuen und fertig. Dann müsste ich auch nicht in 3 verschiedene Läden rennen um den NORMALEN Ofenkäse zu bekommen, weil sie jetzt alle nur noch diese Mode-Versionen führen.

Lustig auch wieder, dass wir zum Konzert mit 2 Fahrzeugen gleichzeitig losfahren und dann bei einer Kilometerzahl von nur 190 bis zum Ziel dennoch mit einer Zeitdifferenz von über 2 Stunden in Thalmässing ankommen. Gott sei Dank bin ich im Auto welches den Stau umfährt. So können ich und Bobbes belegte Brote essen, welche geschmacklich ganz weit oben auf der Liste stehen. Selten so ein gutes Brot gegessen. Brot ist wichtig. Brot regiert die Welt. Wo wir wieder bei einer seltsamen Sitte wären: Neuerdings scheint es ja total hip zu sein, dass die Bäcker irgendwelche Nüsse in den Brotteig mischen. Vorgestern hab ich ohne Scheiss ein kleines Brötchen gegessen, welches von außen total harmlos aussah, im inneren aber 7 große und ganze HASELNÜSSE beheimatete. Wieso kann man nicht einfach nur nen normalen Teig kneten, in den Ofen, fertig. Wenn ich Haselnüsse will, schäl ich mir ein Hanuta.

Naja, die Halle in Thalmässing ist jedenfalls äußerst gut geschmückt, sogar ein riesiger Itchy Poopzkid Schriftzug wurde in Handarbeit ausgeschnitten, grün angemalt und gleich neben dem riesigen „Die Atzen“ Schriftzug aufgehängt. Wir befinden uns also in bester Gesellschaft. Bassist: Du bist!

Das war jetzt also die Hälfte des Berichts.
Nagut: Jedenfalls kann man sich halt nicht immer aussuchen mit welchen „Bands“ man auf Festivals zusammenspielt. Ist aber auch alles gar nicht so wichtig heute, weil wir ja eh professionellerweise das Augenmerk ausschließlich auf unser eigenes Konzert legen und außerdem sind die Veranstalter alle so nett und zuvorkommend, dass man sich fühlt wie bei Mutter am Tisch.

Um 22.29Uhr stimmen wir nochmal die Instrumente und stehen gespannt an der Bühnenseite. Um 22.30Uhr rennen wir auf die Bühne und fangen ziemlich enthusiastisch an zu spielen. Um 22.36Uhr ist bereits wieder alles versaut, weil ich unfreiwilligerweise alle bisher dargelegte Professionalität mit einem imaginären Presslufthammer in den Thalmässinger Boden ramme.
Es ist aber halt auch immer das Gleiche bei uns: Das Langzeitgedächtnis wird niemals unser Freund werden. Jedenfalls fangen wir an „where is the happiness“ zu spielen und noch während ich den ersten Satz einwandfrei korrekt singe, wird mir ziemlich schnell klar, dass sich der restlichen Text des Liedes derzeit leider nicht in meinem Gehirn befindet. Da das Lied abzubrechen ja aber was für feige Popper ist, versuche ich mit astreinen Fantasie-Wort-Aneinanderreihungen zu retten was längst nicht mehr zu retten ist, ernte dafür aber immerhin ein klein wenig Anerkennung für den Kampfgeist im weiten Rund. Ungefähr hab ich jedenfalls folgenden Text gesungen:
„Good morning innocence…mhhhhluuuu….self doubts and happiness….where is the happiness! Where is the happiness! Missed me a lot I guess…..luluuumhhhhmmmmm….where is the happiness…hmnjaahmmmmmmuuu……WHERE IS THE HAPPINESS!”
Soll keiner sagen, ich hätte es nicht versucht. Außerdem hat es außer mir und allen anderen Anwesenden eh keiner bemerkt und auf der Eintrittskarte für das Festival stand ja jetzt auch nicht explizit drauf, dass ALLE Musiker ALLE Texte können werden. Die sollen mal froh sein, dass wir überhaupt gesungen haben. – Ansonsten verläuft das Konzert aber relativ ordentlich und wir freuen uns, dass man nach wie vor auch auf dem Land gute Abend haben kann! Getanzt wird auch und wir brechen uns heute mal nix auf der Bühne. Das ist ja auch schon mal was.

Nach der Show schauen wir uns noch den ersten Song von den Atzen an. Die haben eigentlich nen ziemlich entspannten Job. Die kommen drei Minuten vor dem Auftritt an die Bühnenseite. Kein Soundcheck, kein Mischer, nichts. Dann läuft der „DJ“ auf die Bühne, legt eine CD ein, drückt auf Play, die anderen rennen raus singen „Dingelingeling“, wenn ihnen dann nach 30 Minuten die Lieder ausgehen, spielen sie eben genau die gleichen nochmal und am Ende des Abends fahren sie mit sieben Koffern voller Geld ins Hotel und lachen ganz sicher jeden Tag den ganzen Tag darüber, dass sich mit dem Scheiss tatsächlich Geld verdienen lässt. Eigentlich ein Spitzenberuf.
Wir hingegen machen uns heute relativ Früh auf den Weg ins Hotel, weil am nächsten Morgen eine ziemlich frühe Weiterfahrt angekündigt wurde. Um 8.02Uhr Morgens reisst dann plötzlich die dicke Hotelbesitzerin meine Zimmertür auf, stürmt herein und ich schaffe es trotzdem irgendwie nichts davon mitzubekommen und friedlich weiter zu schlafen. Erst als sie noch ein gebrülltes: „OH GOTT DA LIEGT JA EINER! HAB ICH SIE JETZT GEWECKT?!“ nachlegt, ist auch mein Start in den Tag gesichert.
Danke Thalmässing!
Über 600 Konzerte haben wir in den 10 Jahren unserer Bandgeschichte gespielt. In kleinen Punkclubs, auf großen Festivalbühnen, an der Atlantikküste direkt am Meer und auf zugeschneiten Berggipfeln. In zig verschiedenen Ländern und Städten. In Jugendhäusern und Gemeindezentren, auf Messgeländen und in Flugzeughangars. Mitten auf einem See und auf Demos auf einem Lastwagen. Und heute…..heute ist es endlich soweit. Wir spielen an dem Ort, auf den wir in all den Jahren hingearbeitet haben:
In einer Brauerei.

Die Reisegruppe trifft sich morgens um 8Uhr an unserem Proberaum, in welchem man eventuell mal wieder nass durchwischen sollte. Allerdings müsste man davor erstmal acht Stunden Staubsaugen und davor wiederum zwei Tage mit einer Schaufel Gerümpel entfernen. Damit könnte man jedoch aber erst beginnen, wenn man zuerst vier Tage lang mit einem gelben Bagger den Großmüll rausgeschaufelt hat und da das alles total aufwendig klingt, lassen wir das am Besten lieber gleich sein. Sicher ist sicher.
Unser Mischer Thimo erzählt uns während der Fahrt ziemlich lange und aufwendig was er in den letzten Tagen und Wochen so gemacht hat und wir schlafen währenddessen eine Runde. Die Reise heute geht übrigens nach Wien, was heißt, dass wir in den nächsten beiden Tagen wieder ganze 16 Stunden im Auto verbringen werden, zwischendurch aber 45 Minuten Musik machen möchten und eine Brauerei leer saufen wollen. Eins der beiden Vorhaben hat übrigens funktioniert und ersteres war es leider nicht.

Angekommen in Wien begrüßen wir die guten Typen von 3 Feet Smaller und die 5 Bugs. Wieso haben wir eigentlich keine Zahl im Bandnamen? Ach richtig. Weil der auch so schon beschissen genug ist. Beide Bands sind jetzt seit bestimmt schon acht Jahren Weggefährten von uns und es ist immer wieder schön zu sehen, dass alle drei Bands noch Wacker auf beiden Beinen stehen und immer noch Spaß an der ganzen Rumfahrerei haben.

Ich geb den imaginären Stift jetzt mal an Sibbi. Soll der mal weiter erzählen:
So, Gitarrist am Werk jetzt: Es gibt einfach nichts, und ich betone nochmal: NICHTS besseres als in Wien an irgendeinem Würschdl-Stand (Würstchen-Straßenverkaufsbude) eine „Eitrige“ (Käsekrainer) zu essen. Geografisch gut geplant wie die Veranstaltung heute ist, gibt’s so einen Stand dann auch direkt vor der Brauerei, wohin ich mich dann öfter am Abend mal abseile… Wahnsinn, wie glücklich einen Essen machen kann.

Drinnen im Backstagebereich ist immer noch ständiges Tohuwabohu mit Umarmungen und Liebesbekundungen, weil man ja wirklich nicht alle Tage mit gleich 2 ewig bekannten Lieblingsbands zusammenspielt, obwohl sich die Schluchtenscheisser ja etwas in die Ecke gedrängt fühlen aufgrund der Überzahl an Piefkes. Nicht leicht für diese Österreicher…
Die Bugs laufen irgendwann als ihre Spielzeit gekommen ist auf die Bühne, bleiben dann aber doch noch davor stehen, weil NIEMAND im Saal ist. Liegt aber nicht an der Band, sondern an der Tatsache, dass noch kein Einlass war. Also weitere Liebesbekundungen im Backstageraum. Irgendwann dann aber doch Showtime und ich stehe mal wieder als riesengroßer Fan vor der Bühne und singe und tanze und freue mich über eine der besten Bands die es so gibt. 5BUGS Ladies and Gentlemen.

Danach isses Zeit für uns und wir sind echt wahnsinnig geplättet. Der Raum ist rappelvoll, die Leute dicht vor die Bühne gedrängt und vom ersten Ton geht’s ab wie Käsekrainer. Selten so eine gute Stimmung und so enthusiastische Fans erlebt. Sprechchöre zwischen den Songs usw. Wir könnens kaum fassen. Meine Stimme kann es leider dann plötzlich auch nicht mehr fassen und fällt von einer Sekunde auf die nächste komplett aus! Auch noch nie erlebt sowas. Zugegebenermaßen so ziemlich das schlimmste Gefühl das man haben kann, auf einer Bühne, mit 1000 Menschen davor, als Sänger, ohne Stimme. Panik macht sich breit, Panzer singt nen Song alleine, es wird nicht besser. Es kommt kein gesungener Ton mehr raus. Wir disponieren ein paar Songs um, Gott sei Dank geht Tricky einigermaßen. Gut dass Rapper rappen und nicht singen… Sorry Wien, dass wir nicht unsere gewohnte Show abziehen konnten. Glaubt mir, es war SEHR unangenehm und der restliche Abend war dann auch eher etwas depressiv angehaucht von meiner Seite aus. Wir holen das nach, dann doppelt! Mit Ersatzstimmbändern. Versprochen.


Nach uns dann die famosen 3 FEET SMALLER aus Wien in Wien, die ihre Hometown Meute ordentlich zu Brei rocken. Abgesehen von meinen Stimmbändern echt ein sehr sehr schöner Abend mit vielen Freunden und netten Leuten. Kühlschränke sind auch sehr gut gefüllt, was alle anderen auch zielstrebig nutzen. Irgendwann so um halb vier fall ich ins Bett und beim Frühstück muss ich mir am Nebentisch mit anhören, wie ein älterer Mann versucht einer Prostituirten, die grade eine Nacht mit ihm verbracht hat, klarzumachen, dass er der richtige Mann für sie ist und sie ihm doch bitte eine Chance geben soll.
Mahlzeit!
Nach Lustenau,
fährt unser Bus dann au,
denn dort vor Ort,
herrscht Doppel-Mord.
Mit diesem zugegebenermaßen unfassbar tighten Reim starten wir den heutigen Konzertbericht der Konzertdarbietung am Rande des Bregenzer Walds zu Österreich.
Tourhauptprobenkonzert haben wir diesen Tag im Kalender bezeichnet. Was daran jetzt genau ne Tourhauptprobe sein soll weiß ich auch nicht, vielleicht einfach die Tatsache, dass das das letzte Konzert vor der Tour sein wird. Jedenfalls sind alle voller Tatendrang und stapfen durch unseren Proberaum, welcher wirklich wieder aussieht wie Sau. Müssten wir Bauschutt-Entsorgung für den Krempel zahlen, wären wir sofort insolvent. Aber die Frage die sich stellt, in solchen Situationen der Müllvermeidung und Beseitigung ist eher diese: Wo fängt man an und wo hört man auf?! Unsere Credo hier: Niemals anfangen.

Heute als Mercher mit an Bord der Radu. Der war früher mal Gitarrist bei der Ulmer Metal-Band Sepcys. Unser Backliner Bobbes war früher ebenfalls mal Gitarrist bei der Ulmer Metal-Band Sepcys. Unser Schlagzeuger Max war früher mal Schlagzeuger bei der Ulmer Metal-Band Sepcys. Was heute bedeutet, dass mehr Sepcys Gründungsmitglieder an dieser Ausfahrt teilnehmen als Itchy Poopzkid Gründungsmitglieder. Ich glaube ja die versuchen uns zu infiltrieren, und prompt ist unser nächstes Album durchzogen von kreischenden Gitarren und stampfenden Double-Bassdrums, während irgendjemand dazu schreit und grunzt…
In Lustenau angekommen werden wir erstmal sehr sehr nett von den Veranstaltern und innen begrüßt, die sich wirklich super um uns kümmern den ganzen Tag. Wir bekommen zum Abendessen sogar nen selbstgebackenen Kuchen MIT EINEM WAL DRAUF ! ! ! Und das beste ist, dass der Kuchen auch noch sowas von wahnsinnig gut schmeckt. Hut ab. Auch sonst passt alles. Ich hab zwar wie die ganze Woche über auch schon Panik, ob meine Stimmbänder durchhalten, oder ob sie wie ein paar Tage zuvor in Wien einfach irgendwann nach Hause gehen und nicht mehr wiederkommen… aber wir werden sehen… Die Spannung bleibt jedenfalls.

Der Soundcheck fühlt sich heute länger an als die letzten vier Minuten im WM-Finale 1990 in Rom, nachdem Andi Brehme links unten ins Schwarze getroffen hat und Diego Maradona im Anschluss in einen Heulkrampf ausbricht.
Was ich damit sagen möchte ist, dass wir extrem lange am Sound getüftelt haben und viele technische hochqualifizierte dialoge geführt haben. Zum Beispiel „Boahh, mein Gesang ist viel zu laut!“ – „dann sing halt leiser“.
Essen kommt heute vom Italiener-Lieferservice und sowas endet ja meistens in einem kulinarischen Fiasko! Nichts so heute. Der kochende Italieneer muss schätzungsweise direkt in Padamao geboren worden, so wie der die Nudeln aus dem Topf gewuchtet hat. Sehr gutes Essen heute und danach gabs ja dann noch den, bereits besprochenen, Kuchen. Wenn das so weitergeht werden wir in Kürze alle sehr fett sein.

Irgendwann laufen wir zufällig auf die Bühne und fangen an Musik zu machen. Das Publikum hat zwar zunächst noch sehr großte Stämme im Arsch, die aber im Verlauf des Konzerts gelöst werden können. Lag vielleicht auch daran, dass wir Snare-felle, Bier, Balisto und alte Semmeln verschenkt haben. Dankbar sind sie eben die Voralberger!
Unsere Stimmbänder halten und wir vergessen heute nichtmal den Text (!). Nach dem Konzert hat Tourmanager Jojo Geburtstag und wir singen ihm ungelogen ganze 15 Minuten lang fünfstimmige Geburtstagslieder vor. Leider ist Jojo nach exakt einer Minute schon gelangweilt davon – lässt sich aufgrund seiner christlichen Erziehung davon aber nichts anmerken. Guter Typ!

Danke Lustenau! War ein Spaß mit Euch!
Jahrelang haben wir diesen Tag herbeigesehnt, monatelang haben wir uns auf diesen Tag gefreut, wochenlang haben wir uns emotional auf diesen Tag vorbereitet, tagelang haben wir für diesen Tag Klamotten gepackt und heute ist uns dann aufgefallen, dass wir eventuell vielleicht auch mal hätten proben sollen. Scheissegal jetzt. Heute ist der Tag der Tage. Heute ist Tourstart!


Ab heute läuft unser Tourmanager Jojo endlich wieder jeden Tag den ganzen Tag hin und her und hängt überall lustige Zettel auf, auf denen steht wann unser Bus wo ankommt, wann wir was zu Essen bekommen, wieviel Duschen es im Club geben wird, wann wir Interviews machen sollen, wann er uns ins Bett prügeln wird und dass wir bitte immer nur das machen sollen, was auf seinen Zetteln steht. Wenn ich mir das so recht überlege, sind diese Zettel eigentlich das Allerschönste am auf Tour sein. Einmal hat er sogar einen Plan aufgehängt, auf dem in Comiczeichnungen geschildert war, wie man am schnellsten vom Bus zur Clubtoilette kommt. Was schöneres kann einem Menschen ja garnicht passieren.

Als Tourauftaktsstadt haben wir uns Linz rausgesucht. Linz liegt in Österreich und ist auf den ersten Blick ehrlich gesagt ziemlich hässlich. Das macht aber nichts, weil unsere Heimatstadt Eislingen an der Fils ebenfalls ziemlich hässlich ist, sich das Gesamtbild auf den zweiten Blick auch noch ziemlich bestätigt und man nach einem mutigen dritten Blick ziemlich schnell in eine andere Stadt weiterfahren möchte.
Immerhin fließt durch Linz die Donau und die Donau ist ein guter Fluss. Vielleicht der beste Fluss nach dem Nil und dem Mississippi. Aber das weiß man nicht so genau. Angekommen im Posthof werden wir von netten Clubleuten begrüßt und essen als allererstes mal 100%iges Dinkelbrot. Kein Malz, kein Hefe. Nein, Dinkel. Unglaublich wie man umsorgt wird, wenn man auf Tour ist. Wenn das zuhause auch so wäre, würden wir wahrscheinlich nie nen Grund haben loszufahren. Um ein besseres Gefühl zu haben helfe ich unserer Crew eine halbe Minute lang beim Laden, werde aber ziemlich rasch mit einem, für mich völlig unverständlichen, “Komm, verpiss dich wieder nach oben” wieder weggeschickt. Über die Jahre lernt man ja, dass man sich bei Dingen die man nicht gern macht, einfach nur beständig unglaublich dämlich anstellen muss, dann möchten die anderen irgendwann nicht mehr, dass man mitmacht und man muss weniger arbeiten. Merkt euch das bitte.

Als erste Band des Abends haben heute Cardiac Arrest ordentlich Krach gemacht und im Anschluss die guten Jungs From Dawn To Fall. Ab Dienstag werden dann unsere Freunde von 3 Feet Smaller in unseren Bus zusteigen und uns täglich das ganze Bier wegsaufen. Ein Wahnsinn wird das! Pünktlich um 22Uhr hängt Tourmanager Jojo einen Zettel auf, auf dem steht, dass wir auf die Bühne sollen um zu singen. Lassen wir uns nicht zweimal bitten. Und wenns auf dem Zettel steht, wird alles schon seine Richtigkeit haben. Ein sehr gelungener Tourauftakt war das! Unterhaltsam war vor allem, dass immer wieder Leute auf die Bühne kamen, die dann aber im Nachhinein scheinbar nicht mehr so ganz genau wussten, aus welchem Grund sie eigentlich hochgekommen sind. Erst als wir sie dann gefragt haben, ob sie nicht vielleicht in die Menge hechten möchten, ist ihnen ihr verrückter Plan wieder eingefallen. Ein Irokesenpunker hat sich beim Sprung ins Publikum leider voll seine Friese versaut. Sehr ärgerlich sowas. Auch lustig waren zwei andere, ziemlich hart aussehende, mit Killernieten übersähte, Punks, die im weiteren Verlauf des Konzertes zu zweit auf die Bühne kletterten, wild Anlauf nahmen und dann, zugegebenermaßen ziemlich süss, Hand in Hand in die Menge sprangen. Wenn das nicht eine einwandfreie Interpretation des Unity-Gedanken ist, weiß ich auch nicht mehr…

Sehr gelungenes erstes Konzert also und Linz hat uns sehr viel Freude und Spaß gemacht. Super zu sehen, dass viele neue Leute und auch viele bekannte Gesichter da waren. Kurz vor dem Schlafengehen hat Tourmanager Jojo noch unseren Trommler Max schreiend und mit einem Edelstahlstuhl bewaffnet durch die Backstageräume gejagt und im Anschluss einen Zettel irgendwo hingehängt, auf dem stand, dass wir am nächsten Morgen um 5 Uhr (!!!) aufstehen sollen, damit wir rechtzeitig zur nächsten Show kommen. So ein Arschloch.


Dankeschön Linz!
Mann, Mann… wenn auf der Uhr eines Rockmusikers beim Weckerklingeln eine 5 als erste Zahl erscheint, dann ist das erstens echt zum Kotzen, zweitens ein schlechter Scherz und drittens “WIESO ZUR HÖLLE?!?!?!?” Jedenfalls sind wir in Linz, draussen ist es noch dunkel und um 11 Uhr müssen wir bereits in Stuttgart sein, weil um 13 Uhr dort Soundcheck ist und wir besser mal bei unserem Soundcheck anwesend sein sollten. Wären wir übrigens nicht so ignorante Arschlöcher, hätten wir die Frage von Brooke Fraser (“Something in the water”) “Könntet ihr bitte Euren Soundcheck mit meinem tauschen” mit einem freundlichen “Klar, gerne” beantwortet. Haben wir aber nicht, stattdessen sagten wir sinngemäß “Dann müssten wir schon um halb 4 aufstehen, Bitch!”.

Ja, … so oder so ähnlich hat sich die Geschichte zugetragen. Wie auch immer, wir sind müde und es ist SO früh, dass selbst die McDonalds Autobahnraststätten noch geschlossen haben. Irgendwann isses dann 7 Uhr und eine hat auf, doch ich muss erfahren, dass die jetzt vor 11 Uhr keine normalen Speissen mehr verkaufen, sondern nur dieses klebrige Frühstückzeugs. Als Jojo neben mir dann einen Fleisch-Bratling mit Ahornsirup isst, setze ich mich wieder in den Bus und esse einen Schokoladenkeks.

Da man von Linz nach Stuttgart 5 Stunden fährt fangen wir an zu dritt (Panzer, Jojo und ich) “Ich packe meinen Koffer” zu spielen. Bis kurz vor Stuttgart spielen wir und das hier haben wir alles mitgenommen:
Den Pappinger
Ein Glas Quittengelee
Die Spedition Dachser
Ein Rührerei
Die Bürgermeisterin von Bad Saulgau
Einen Zwetschgenknödel
Ein Rechtwinkliges Koordinatensystem
Eine Bohrinsel
Sulzemoos
Nen ranzigen Eierkocher
Ein 4-adriges Speakon-Kabel
Nelson Mandela
Culcha Candela
10 nackte Frisösen
Rune Bratseth
Jacques Villeneuve
Thimo’s Vadder
Ein Paar alte Fila Schuhe
Irgendwas zu lesen
325g Geschnetzeltes, vom Rind
Ein rotes Poloshirt
30 Hektar Mischwald
Eine Vorderachsaufhängung
Tick, Trick & Track
Einen Sack Technikerschweiß
Ein Tommahawk
Leinsamen
Eine Samenleine
100 m Qualitätsasphalt
… und eine Spiegelreflexkamera

In Stuttgart angekommen fahren wir mit dem Bus in die unfassbar riesige Messehalle ein und stellen uns hinter die Bühne. Das lustige ist, vor die Bühne passen 15.000 Leute … und die Halle ist nur zur Hälfte benutzt heute. Hinter der Bühne ist nochmal genau so viel Platz wie davor. Das wird lustig. Wir begrüßen unseren Kumpels von Jupiter Jones, die wir freudigerweise jedes Jahr mindestens 5 mal auf nem Festival oder irgendner Fernsehsendung treffen. Klasse Typen. Auch guter Bartwuchs teilweise.

Am meisten freuen wir uns heute aber seit einigen Tagen auf die Tatsache, dass wir während der Show Pyroeffekte benutzen werden. Wir wurden da von den Veranstaltern angeschrieben, ob wir Interesse hätten. Wir haben in Großbuchstaben zurückgeschrieben “JA KLAR, MANN ! ! ! DIE BÜHNE DARF KEINE EINZIGE SEKUNDE DER SHOW NICHT IN FLAMMEN STEHEN ! ! ! ! ! !” Denn wir wollen ja gegen die anderen Bands hier nicht abkacken. Der gute Pyrotechniker verspricht uns im Vorfeld zu machen was geht. Vor dem Soundcheck erfahren wir dann, dass wir die einzige Band sind, die Pyros benutzt…
Gut, hätten wir das geklärt. Der Pyromann erzählt uns was er so vorhat und lässt so Worte raus wie “5m Flammentürme, Feuerkugeln, Kanonen, Raketen und Rauchbomben” Finden wir super. Sind wir dabei. Ich wundere mich zwar, dass diese silbernen Abfeuer-Kanonen nur ca. 1,20m von meinem Mikroständer entfernt sind, denke mir aber nichts weiter dabei. Direkt beim ersten Soundcheck Song hauts mir dann plötzlich 6 so dermaßen hohe Feuersäulen vors Fressbrett, dass ich mir für einige Sekunden sicher bin ich würde lichterloh brennen und nach dem Soundcheck im Spiegel nachschaue ob es noch eine Wimper in meinem Gesicht gibt, die nicht abgebrannt ist. Die Hitze kann man sich nicht vorstellen. Aber wir heissen in der Journalie ja nicht ohne Grund “Die zweiten Rammstein”.

Nach dem Soundcheck machen wir Interviews und kriegen ne Speisekarte vorgesetzt wo wir aus einigen der folgenden Gerichte auswählen sollen: “Maishähnchen-Sorbet auf Krautjus an Hollundermokka”, “Schweinebäckchen an sautiertem Honigsenf auf Haselnuss-Ingwer-Rahm”. Wir lesen kurz weiter und gehen dann geschlossen zum Pizzastand: Salami an Mozzarella auf Teig quasi.
Da die Wege in dieser riesigen Messehalle so dermaßen weit sind und wir ja eh immer so kopflos rumrennen um dann am Ziel zu merken, dass man was vergessen hat und wieder zurück muss, laufen wir heute mit Sicherheit um die 18km. Aber Laufen soll ja gesund sein. Und wenn man keine Skistöcke dazu benutzt siehts auch gar nicht mal so scheisse aus.

Irgendwann isses dann aber endlich soweit: Die Chippendales eröffnen die Show!
…
Richtig, gelesen. Sie laufen geschlagene 3 Minuten in Matrosenuniform auf und ab, ziehen sich dann die Handschuhe aus, machen ihre Jacke auf und gehen wieder nach Hause. Kein Scheiss. So will ich ab jetzt auch mein Geld verdienen. Musik braucht Ihr auf der Tour von UNS jedenfalls nicht erwarten.
Danach spielen Andreas Bourani und Glasperlenspiel. Um 19:15 ist unsere Zeit dann gekommen, wir betreten die Bühne und 14.000 Menschen stehen davor. Schon ein guter Anblick muss man sagen. Lustig auch, dass es nen Catwalk gibt, also einen Steg, und dass die erste Reihe weiter weg von der Bühne ist, als manche Clubs groß sind in denen man sonst so spielt. Aber hey, dafür steht unsere Bühne ganz schön oft in Flammen. 1,20m vor unseren Gesichtern. Selbst die Leute die in der Nähe des Mischpults stehen finden es heiss. Ich muss einige Male echt lachen, als wieder irgendwelche Raketen über meinen Kopf preschen. Wir spielen glaub ich ne sehr gute Show und schaffen es tatsächlich alle Leute zum singen und tanzen zu bringen. Es macht echt immer großen Spass in Stuttgart. Danke für dieses schöne Erlebnis.
Nach uns dann Jupiter Jones, Brooke Fraser und Culcha Candela. Bei letzteren, nachdem wir ja schon um 20 Uhr angefangen haben hart zu saufen, stelle ich mich auf die Bühne und tanze, worauf mich deren Tourmanagerin schreiend bedroht und verprügeln will. Sowas nennt man wohl “Violent Dancing”. Wir haben dann auf der großen Leinwand ein Live-Interview, zusammen mit Glasperlenspiel, und kurz vor dem Interview, während Culcha Candela grade wieder irgendwelche Choreografien abliefern, die selbst einbeinige Grundschüler besser tanzen würden, sag ich zu Glasperlenspiel, um kurzen Smalltalk zu halten und mich vorzustellen, “Findet ihr das nicht auch so unfassbar Schlimm?!?!”. Darauf bekomm ich die kurze, aber bestimmte Antwort “Äh… nee, wir finden das echt gut und mögen die Jungs total gerne”.
Alles klaaaaaaaaaar. Interview ist dennoch super, falls man unsere lallenden Fach-Antworten überhaupt verstehen kann.

Danach spielt noch Gentleman, wir quatschen mit sehr vielen netten Leuten am Merchstand und ich schiesse einem Musikmanager im Backstagebereich mit einer Limette fast das Augenlicht aus, beim Versuch Max in der Schrittgegend zu treffen. Es gibt jedenfalls gute Gründe, warum ich kein Handballer geworden bin.
Irgendwann singen wir Max ein wunderschönes Geburtstagsständchen, teile von uns gehen ins Hotel, andere in eine Nobellounge zur Aftershow-Party bei der es aus nicht näher bekannten Gründen unsagbar intensiv stinkt.
Stuttgart, das war ein sehr, sehr schöner Tag! Herzlichen Dank.
Touren an sich ist ja immer ne gute Sache, aber touren im Nightliner (das ist ein großer Bus mit 19 Betten drin) ist dann sogar immer noch schöner. Insgesamt sind 16 Personen an Bord, was zur Folge hat, dass ständig alles überall mit irgendwelchen Menschen vollgerümpelt ist, die einem dumm im Weg rumstehen. Neben uns und unserer mittelmäßig gut aussehenden, dafür aber extrem gut arbeitenden Crew, sind auch noch sechs Leute aus Wien und ein Kerl aus Manchester mit dabei. Die Wiener sind unsere Supportband 3 Feet Smaller und der Engländer hilft denen jeden Abend beim Kabel einstecken.
Unser Busfahrer heißt Michael, kommt glaube ich aus dem Ruhrgebiet, berlinert dafür aber äußerst auffällig. Außerdem geht er einmal in der Woche in die Sauna, was ihn seit jetzt nunmehr 4 Jahren vor einer Erkältung bewahrt. Guter Typ, der Michael.


Erster Stopp der Deutschland-Tour ist heute in Saarbrücken, welches übrigens im Saarland liegt und von der Saar durchflossen wird. Ich hab mir vorgenommen in den Konzertberichten auch immer ein bisschen Erdkunde mit einfließen zu lassen und die Tatsache, dass ich von Geologie selbst kaum ne Ahnung habe, wird mich übrigens kaum davon abhalten können. Das Saarland liegt gleich neben Frankreich und Frankreich ist, wie wir ja alle wissen ein Land das an Spanien grenzt. Vielleicht könnt ihr euch jetzt das Saarland etwas besser vorstellen.
Nachdem der Bus beladen und die Betten bezogen sind, haue ich mich erstmal in die Koje, um noch drei Stunden zu schlafen. Funktioniert total gut, bis auf die Tatsache, dass man bei jeder verfickten Straßenunebenheit mit 70kmH mit dem Kopf gegen die Kojendecke ballert. Wir ihr wisst, haben deutsche Autobahnen sehr viele Straßenunebenheiten, was dazu führt, dass man eigentlich recht selten mit dem ganzen Körper seine Matratze berührt. Aber wollen wir mal nicht rummosern hier. Auf Tour sein ist ja auch kein Wellnessurlaub und die Beulen am Kopf sind in 14 Tagen auch wieder weg, nech!

In Saarbrücken angekommen, werde ich zusammen mit Sibbi sofort in ein Taxi verfrachtet, dass uns zum Radiosender „Unser Ding“ fährt, weil wir dort gleich noch ein Interview haben, in dem wir mit reinem Gewissen alle Fragen beantworten, die uns so gestellt werden. Zurück am Club wieder das ewige Soundcheckgetue und im Anschluss ein unglaublich liebevoll zubereitetes Abendessen mit Nudeln, Knödeln, Kraut, Salaten und Kuchen. Drehst du durch! Vielen lieben Dank an die netten Leute von der Garage. Guter Laden!

Nachdem die Österreicher das Publikum schon mal ordentlich vorgeheizt haben, prügeln wir unsere alten Körper um Punkt 21.05 Uhr auf die Bühne. Drei Minuten vor der Show bekommt Sibbi nochmal eine Panikattacke, reißt aus irgendeinem Grund wild und fluchend alle Saiten von seiner Gitarre und scheint erst danach wieder Herr seiner Sinne zu werden. Anscheinend braucht er solche Aktionen um seine innere Mitte zu finden…


Kurz nach Konzertbeginn ist uns allen schon ein dickes Grinsen ins Gesicht geschnitzt, weil Saarbrücken Bock hat heute Abend und die Stimmung großartig ist! Ständig schwimmen Leute über die Menge, Schuhe und Menschen fliegen auf die Bühne und manche Leute im Publikum sind so textsicher, dass wir uns manchmal überlegen warum die eigentlich besser wissen, welches Wort als nächstes kommt als wir.

Wunderbarer Tourauftakt war das und morgen geht’s weiter in Aschaffenburg. Vorrausgesetzt keiner hat sich während der nächtlichen Fahrt das Nasenbein bis zum Hinterkopf durchgerammt.
DANKE SAARBRÜCKEN!
2. Tourtag, ich wache auf im Nebel neben einem Hotel, wo wir mit dem Nightliner warten, bis wir in den Club verfrachtet werden. Es heißt, es gibt Swimming Pool und Sauna, was bei natürlich Jubelarien auslöst. Ich also rein, erstmal schön Frühstücken, und obwohl es erst halb 10 Uhr morgen ist, sind doch alle Rockenroll-Tour Mitfahrer geschlossen am Buffet. Sowas hat man nicht alle Tage. Danach schwinge ich mich bepackt mit Badehose in den Wellness-Bereich um dort festzustellen, dass das Dampfbad kaputt, die Saune außer Betrieb und der Swimming Pool überfüllt mit einer Senioren Aqua-Gymnastik-Gruppe ist.

Leicht angesäuert fragen wir ob man die Sauna vielleicht einschalten könnte, was mit einem wirklich SEHR freundlichen “Ja, sehr gerne, macht dann 8 EUR pro Person” beantwortet wird. Wie kommt man da auf einen Pauschalbetrag von 8 EUR pro Person??! Dachte sich die Dame “So, ich sag jetzt einfach mal ne Zahl zwischen 1 und 20… ach… 8 klingt doch gut”?! Wir lehnen dankend ab, weil für 8 EUR kann sich unsereins ja mindestens 4 Wochen ernähren.


In den Pool, zu den Senioren, begeben wir uns trotzdem und werden unseren infantilem Rockmusiker Ruf umgehend gerecht, indem wir uns mit diesen Schaumstoff Wassergymnastik-Stangen verprügeln. Gut, “wir” sind in dem fall jojo und ich, weil es die anderen vorziehen, im bus weiterzupennen.
Der Bus ist übrigens ganz nett, außer der Tatsache, dass die Federung irgendwann vor 20 Jahren aus dem Bus geflogen sein muss. Aber das hatten wir ja bereits. Wir packen dann irgendwann unsere Sachen und werden in den Club gefahren. Colos-Saal. Da waren wir vor 6 Jahren zum ersten mal, und dort isses schön. Wir essen, was man auf Tour leider Gottes irgendwie den ganzen Tag macht, weil eben den ganzen Tag Essen rumsteht. Und leckerere Sachen als zuhause… da muss man einfach zugreifen.


Wir haben zwei Interviews und reden extrem viel Scheisse mit den Österreichern, wie immer wenn wir uns sehen. Meistens mit irgendwelchen pornösen Hintergründen. Ganz schlimm. Aber hey, wozu wird man Musiker?! Ahja, Soundcheck ist auch noch und irgendwie hakts und krachts an allen Ecken. Das kann ja wieder lustig werden,
Nachdem wir ein weiteres mal Essen, dieses mal zu Abend, entern 3 Feet Smaller die Bühne und heizen wie immer perfekt ein. Macht echt ganz grossen Spass mit den Jungs. Danach sind wir an der Reihe und wie vorausgesagt geht einiges kaputt. Angefangen bei meinem Mikrofon, über Danis Bass bis hin zu Max Trommelzeugs. Wir lassen uns aber, wahrscheinlich zum ersten mal in unserer Karriere, nicht davon beeinflussen und spielen ne ordentliche Show vor mehr als ordentlichem Publikum. Es ist so fantastisch auf Tour zu sein. Wenn einfach alle mitmachen, mitsingen und rumgrühlen, dann gehts nicht besser! Wir sind sehr glückliche Menschen im Moment.


Nach der Show wird zum ersten mal auf dieser Tour (2. Tag) hart gesoffen, was die Stimmung NOCHMAL weiter nach oben prescht. Von den 7 Stunden Busfahrt schaffe ich es tatsächlich rund 5 Stunden zu schlafen, was für mich absoluter Rekord ist! Eine gute Tour. Morgen in der Schweiz!

VIELEN DANK ASCHAFFENBURG!
„Weißt du Max…gestern haben wir uns noch so gut verstanden. Kaum bist du wieder nüchtern schon bist du wieder ein komplettes Arschloch.“

Das ist der erste Satz, den ich am heutigen Morgen vernehme und fühle mich sofort wieder total wohl innerhalb unseres Tourvereins. Im großen und ganzen muss man aber sagen, dass wir uns mit den Jungs von 3 Feet Smaller nach wie vor einwandfrei verstehen. Einziger Nachteil ist, dass wir nach und nach alle anfangen uns den Wiener Dialekt anzueignen, was dazu führt, dass den ganzen Tag Sätze wie „ah geh biddeeeee“, „geh heerst, du beidl“ oder „geh bist du deppart“ durch den Bus geschrieen werden. Nach der super Show gestern in Aschaffenburg sind wir die ganze Nacht durchgefahren und trotz einiger ziemlich harter Vollbremsungen und Schlaglöcher, die eine gefühlte Tiefen von 1,5 Metern hatten, sind wir ausgeschlafen und überraschenderweise auch lebend in Chur in der Schweiz angekommen.

Sogar an der Grenze wurden heute wir ohne zu murren durchgewunken, was ehrlich gesagt äußerst selten vorkommt. Wir hatten eher damit gerechnet, dass man uns alle mitten in der Nacht aus den Kojen zieht, bei minus 5°C draußen in Boxershorts nebeneinander aufstellt, man uns dann sicherheitshalber erstmal in die Knie schießt, damit wir nicht mehr weglaufen können und uns im Anschluss fragt ob wir eventuell Drogen konsumiert haben.
Glück gehabt diesmal.


Chur liegt mitten in den Bergen und neben dutzender Tabledance-Bars mit lustigen Namen gibt es einen kleinen aber feinen, Konzertschuppen namens „Selig“. Hier sollen wir heute nacht Akkorde aneinander reihen und der Laden gefällt uns. Außerdem finden wir, dass man im Leben sowieso überhaupt nichts mehr zu befürchten hat, sobald ein Bild von einem mal auf einer Bierzapfanlage verewigt wurde. Kann man als Band überhaupt noch größer werden?

Unser Backliner Bobbes hat auf diese Tour wieder jede Menge unnötigen Kram mitgenommen. Unter anderem aber auch eine riesige, mehrteilige original italienische Espresso-Maschine. Dazu eine Kaffeebohnenmühle und ungefähr zehn verschiedene Bohnensorten, deren Verpackungen ausschließlich mit Buchstaben von A-J gekennzeichnet sind. Irgendwie macht er für irgendeine Firma einen Bohnentest und muss jetzt zu jeder Kaffeebohne eine Geschichte erzählen. Ich weiß ja auch nicht, aber irgendwie hat jeder einzelne hier im Bus auf irgendeine Art und Weise ne Vollsperre im Kopf. Dafür haben wir aber echt guten Espresso.

Die Leute vom Selig (so heißt der Laden heute) sind so unfassbar nett zu uns, dass wir es eigentlich kaum fassen können. Es ist so super rumzufahren und überall auf coole Leute zu treffen, die ihr Ding durch- und aufziehen und so mit Herzblut dabei sind.
Leider ist das Essen in der Schweiz auch immer so gut, dass wir uns kurz vor der Show mit surreal riesigen, mit Käse überbackenen Kartoffelröstis überfressen und uns danach eigentlich nicht mehr bewegen können. Während 3 Feet Smaller den Leuten schon mal einheizen liegen wir unten in unserem Backstagekeller nebeneinander, bemitleiden uns gegenseitig und nehmen uns vor für den Rest der Tour nur noch Salat ohne Dressing zu essen. Klappt ganz bestimmt.

Um 22Uhr quetschen wir uns durch die Menge auf die Bühne und Sekunden später wird uns auch klar, was uns heute erwarten wird: Der Club ist propevoll, Absperrung gibt es keine, die Leute sind motiviert ohne Ende, beim ersten Akkord fliegen Menschen auf die Bühne und rammen mir meinen Mikroständer in die Zähne, während zeitgleich ein Mädchen ihr komplettes Bier quer über die Bühne wirft. Willkommen in Chur! Gefällt uns hier!
Auch der Rest des Konzertes gestaltet sich ähnlich wild und wir sind sehr glücklich darüber, dass bei unserem ersten Konzert hier in der Gegend so viele Leute gekommen sind und sogar unsere Texte mitsingen können. Ständig liegen Leute auf der Bühne und Typen hängen in den Lichttraversen. Es ist herrlich.

Nach der Show heben wir noch einige Gläser und irgendwelche Mädchen fragen, ob sie bei uns im Bus mitfahren können. Wir bejahen dies, merken aber an, dass nur noch im Equipmenthänger Platz ist. Schien ihnen egal zu sein. Erst als Thimo noch hinzufügt, dass wir jetzt erstmal vier offdays haben und demnach erst am Montag wieder öffnen können, wollen sie wieder raus. Naja.
Auf der nächtlichen Fahrt wird auch noch viel gesungen und unser Trommler stolpert während der Fahrt und fliegt bei 100kmH mitten auf der Autobahn gegen die hintere Bustür, welche leider nicht richtig verschlossen ist. Das war ehrlich gesagt ganz schön knapp, aber wir sind froh, dass Max immer noch unter uns weilt und nicht den Asphalt geküsst hat.
Chur das war extrem gut! Dankeschön!
Augen auf in Pforzheim und Pforzheim ist ehrlich gesagt keine wirklich schöne Stadt. Wurde aber im zweiten Weltkrieg ja auch komplett zerbombt und von daher kann man ja auch froh sein, dass sie überhaupt wieder irgendwelche Gebäude hingestellt haben. Es brauch auch keiner denken, dass wir vorhaben andere Städte optisch in den Dreck zu ziehen. Wir dürfen lästern, denn wir kommen aus Eislingen an der Fils und Eislingen an der Fils ist hässlicher als die Bundesligatrikots vom VfL Bochum in der Saison 1994/1995.

In unserer Heimatstadt hängen sie auch jedes Jahr zu Weihnachten immer unfassbar desaströs
aussehende Strassenbeleuchtungsketten, die original die Form einer 90er Jahre Männer-Feinrippunterhosen haben, auf. Seit ich denken kann hängen diese Dinger da und von Jahr zu Jahr werden sie noch hässlicher, weil immer mehr Glühbirnen ausfallen, was zur Folge hat, dass sie mittlerweile aussehen wie original 90er Jahre Männer-Feinrippunterhosen mit vielen kleinen Löchern drin.

Lassen wir aber die Unschönheit der Städte mal außen vor und freuen uns lieber darüber, dass wir heute endlich mal wieder im großartigen „Kupferdächle“ spielen werden. Das fünfte mal in unserer zehnjährigen Laufbahn und das „Ausverkauft“-Schild hängt auch schon seit Wochen vor der Tür. Kann also nur gut werden heute. Den halben Vormittag verbringen wir damit die Tourberichte unserer letzten Pforzheim-Konzerte zu lesen. Bei einer Show im Jahre 2004 hat sich anscheinend während des Konzertes folgender Dialog zugetragen:
Sibbi: „Stellt euch bitte mal kurz vor, wir wären gut und ihr hättet Spaß!“
Besucher (brüllend): „JA GAR NICHT SO EINFACH!!“
War schon sehr immer lustig früher. Eigentlich wollte uns kaum irgendwo einer hören, aber irgendwie sind wir trotzdem immer überall hingefahren und haben gesungen.

Der Tag heute in Pforzheim verläuft relativ unspektakulär. Wir schreiben Konzertberichte, machen Soundcheck, essen Birnen und Müsli und ich überlege, ob ich meinen Bassverstärker
Vielleicht noch am heutigen Nachmittag in einem nahegelegenen Baggersee versenke, weil schon wieder diese verfickten und arschteuren Röhren kaputt sind. Das ist natürlich eine gewagte These, aber ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass es auf der ganzen Welt irgendeine Band geben kann, die – ohne es zu wollen – mehr Equipment zerstört als wir es tun…- Dafür findet Sibbi einen Kamin und besteht darauf feuer machen zu dürfen. Geiler Typ!

Die Stimmung steigt aber kurz im Anschluss schon wieder ins Unermessliche, weil wir Besuch von großartigen Menschen bekommen und Sibbi zusätzlich von anderen netten Menschen eine Flasche Absynth geschenkt bekommt. Kann man trinken, muss man aber nicht. Am nächsten morgen war sie allerdings trotzdem leer.

3 Feet Smaller spielen wie jeden Abend ne gute Show und werden zurecht vom Publikum schon mal ordentlich abgefeiert. Danach sind wir an der Reihe und das ausverkaufte Kupferdächle hat wirklich Bock heute! Super Stimmung, unglaublich textsichere Leute und wir haben wiedermal einen wunderbaren Abend in Pforzheim! Wir können uns wirklich einfach nur bedanken, dafür dass jeden Abend so viele Leute kommen um mit uns zu feiern. Wir wissen das echt zu schätzen und es ist einfach nur ein Hammer mit euch!

Morgen geht’s weiter in Freiburg! There´s no gas like Vollgas!
Idylle Idylle! Wir schauen aus dem Bus und stehen mitten in einer Wald-Park-Landschaft, welche sich um einen kleinen See ausbreitet. Den Waldsee. Vermutlich heißt die Location DESHALB auch „Waldsee“. Ein weiteres Mal kommen wir also lebend in der nächsten Stadt an, was bei dieser Rostlaube an Bus nicht selbstverständlich ist. Der Bus hat aber heute erstmal seine letzte Fahrt gemacht, weil direkt morgens ein ADAC Laster ankommt, der den Bus auf Herz und Nieren untersucht und dann für fahruntüchtig deklariert. Wie damals bei Panzers Führerscheinprüfungen, … der wurde auch öfter mal für fahruntüchtig erklärt.

Wir beziehen den Backstagraum und genießen ein wirklich SEHR gutes Frühstück inkl 1A Rührei. Erstaunlicherweise sind wir Deutsche nach unserem vorabendlichen Absynth-Marathon sehr gut erholt, während die Österreicher noch ein ordentliches Fass im Gesicht stehen haben. Es kann ja nicht jeder so gut verdauen.
Ich schneide den ganzen Tag über unser Tourvideo, während ich den anderen Menschen des Tourtrosses beim emsigen Arbeiten zuschaue. Alle sind etwas gestresst heute, weil so gar nichts klappt, vom Bus über den Ton zum Licht zu den Absperrgittern. Einzig allein die unsagbar große Liebe zwischen uns allen ist wie immer sehr stark vorhanden.

Die Dusche im Keller ist interessant. So kann man es sagen. Und das Licht im Klo geht nicht. Gott sei Dank verrichte ich mein Geschäft bei Tageslicht. Trotzdem immer noch tausend mal besser, als die Klo-Situation gestern in Pforzheim. Man muss wissen, dass die Zeit, in der man „groß muss“, die so ziemlich einzige Zeit auf Tour ist, in der man mal komplett seine Ruhe hat und für sich ist. Deshalb lässt man sich auch noch mehr Zeit als sonst schon. Leider haben sich die Klo-Bauarbeiter in Pforzheim damals gedacht, es wäre gut einen Bewegungsmelder in den Klo Vorraum einzubauen, der das Licht steuert. Ich sitze also beim Kacken, lese gemütlich vor mich hin, als plötzlich das Licht ausgeht. Angenervt versuch ich irgendwie das Licht wieder anzukriegen. Ich strecke mich und mache die Tür wie wild auf und zu, ich werfe erst einen Mülleimer und dann die Klobürste in den Vorraum, …. NICHTS. Der Bewegungsmelder reagiert nur auf Menschen. Schöner Scheiss. Jetzt kann ich zum einen nicht lesen UND sehe auch noch nichts. Kotzt mich alles an. Wer denkt sich so nen Scheiss eigentlich aus?!?

Entschuldigung, da hab mich eben etwas aufgeregt. Freiburg ist jedenfalls klotechnisch um ein vielfaches bessser. Auch essenstechnisch ist es der Wahnsinn. Es gibt Wiener Schnitzel mit Spätzle und Salat in meinem Fall, was hervorrragend schmeckt. Dankesehr.
Das wirkliche Highlight des heutigen Nachmittags ist die Tatsache, dass heute Samstag ist und um15.30Uhr Bundesliga anfängt. Da wir heute in Freiburg sind, hoffen wir eventuell sogar ein ganz kleines bisschen, dass die Freiburger heute mal gewinnen, damit die Leute abends nicht schon mit einer Niederlage im Nacken zum Konzert kommen. Wobei aufgestaute Aggressionen aufgrund von Fussballklatschen des Lieblingsvereins bei Punkrockkonzerten ja nicht zwingend Fehl am Platz sein müssen.

Nachdem wir uns nach dem Abpfiff schon damit abfinden uns heute mit einem Mittelgut gelaunten Publikum arrangieren zu dürfen, geben wir noch ein Fernseh-Interview in unserem Nightliner und dann fangen auch schon 3 Feet Smaller an, die 40 Minuten später klitschnass von der Bühne stapfen. Das wird wieder ein Abend…
Und so isses dann auch. Das sportlichste Publikum auf dieser Tour bisher und das Ergebnis ihres Fussballclubs scheint ihnen auch scheissegal zu sein! Es steht glaube ich wirklich NIEMAND im sehr gut gefüllten Saal still. Vom allerersten Ton bis zum Schluss geht so dermaßen die Post ab, dass es eine wahre Freude ist. Inklusive Sprechchören. Ein Traum. Wirklich. Wir haben etliche Male Gänsehaut und freuen uns wie kleine Kinder über die Tatsache dass alles so ist wie es ist.


Jetzt ist erstmal ein Tag Pause und dann geht’s weiter in Potsdam. Wir freuen uns auf die zweite Woche und sagen danke für die erste! Knaller.
Diese zwei Tage ohne Konzert mitten auf einer Tour bringen einen ja immer ganz durcheinander. Der Körper ist völlig überrascht, dass die tägliche Schändung, bestehend aus Adrenalin-Überschuss-Kollaps, Stimmbandüberbelastung, sportlichem über-die-Grenzen-gehen und der ewigen Biertrinkerei plötzlich aussetzt und man sich tatsächlich mal entspannen könnte. Und dann, wenn sich der Körper grade schon freut, dass das Massaker ein Ende hat, steigt man wieder in den Bus und der ganze Wahnsinn geht wieder weiter. Total stark!

Mittlerweile haben wir einen neuen Bus, weil bei unserem letzten außer dem Aschenbecher eigentlich relativ wenig funktioniert hat. Als ich im neuen Bus am nächsten Morgen zum ersten mal die Augen und den Vorhang meiner Koje öffne sehe ich wie unser Busfahrer Michael, verzweifelt versucht ein Leck in der Buseigenen Wasserleitung zu stopfen und das alles, wie in den besten Comicfilmen einen vier Zentimeter dicken und doch auch sehr druckvollen Wasserstrahl mitten in seinem Gesicht hängen hat. Ich liebe Tourbusfahren.
Veranstaltet wird die Potsdam Show heute von der Tourbe und dem Tommy, welche beide ungefähr die besten Menschen der Welt sind. So eine Freude. Tommy hat Sibbi und mich dann auch erstmal nach Berlin gekarrt, damit wir noch bei StarFm vorbeischauen und ein Interview geben können. Was wir nicht wussten war, dass die StarFm-Leute am Tag vorher Weihnachtsplätzchen mit Bier-, Schinken-, und Leberwurstgeschmack gebacken hatten und jetzt unbedingt vor, die von uns probieren zu lassen. Mein Vegetarierdasein hat mich davor bewahrt in die Leberwurst-Dinger zu beißen, dafür durfte ich die, zwar trockenen, aber geschmacklich hervorragenden Bierkeksen probieren. Nochmal Glück gehabt.

In der Zwischenzeit hat unser Backliner Pommes es tatsächlich geschafft meinen Bassverstärker wieder zu reparieren. Wie genau, weiß zwar keiner aber das Ding geht wieder und Pommes ist und bleibt der beste Arbeiter dieser Welt.

Abends auf der Bühne implodiert dann auch noch Max´ Fußmaschine, was uns zu einer Pause zwingt die wir dazu nutzen um zehn Minuten lang Weihnachtslieder mit dem Publikum zu singen. Ein Typ kommt sogar auf die Bühne und kann den kompletten Text von „Oh Tannenbaum“ auswendig. Also Fast. Einen krassen Textfehler hat er reingehauen, aber das machen wir bei unseren Liedern ja auch ständig!

Super Konzertabend mit unglaublich sympathischen Publikum! Potsdam ist und bleibt ne Reise wert und wir sagen auch Danke an die Berliner, die extra den Weg auf sich genommen haben!
Morgen sind wir in Bremen. Jedenfalls wenn der Bus nicht seine Reifen verliert, oder einfach von alleine zu brennen beginnt.
Skol!
Aufwachen in Bremen. Ich fühl mich etwas gerädert, weil ich die Nacht dann doch nicht so vel geschlafen hab, wie ich mir das so gewünscht hätte. Nach über einer Woche Tour weiß ich jetzt aber solangsam, wie das ganze funktioniert. Mir fällt nämlich auf, dass jede Nacht so um 5-6 Uhr, wenn der Alkohol der Aftershowparty zu wirken aufhört, ich aufwache und kaum mehr einpennen kann. Es kann also wie in so vielen Situationen im Leben wieder nur eine Lösung geben:
Noch mehr saufen!

Ich falle also aus dem Bus und suche vergeblich den Club. Kann ich auch gar nicht finden, weil wir am Rande der Stadt vor nem riesigen Einkaufszentrum stehen. Gehe ich eben da rein. Eigentlich schön, diese vorweihnachtliche Verkaufshektik, wenn einem dann wildgewordene Familienmütter per Ellbow-Check ins T-Shirt Regal befördern, während man selbst “nur mal schauen” möchte. Ich esse dann jedenfalls eine sehr sehr leckere Bratwurst, in einem sehr sehr beschissenen Brötchen. Gefolgt von einem frisch gepressten Saft aus Kiwi, Apfel, Trauben, Mango und Orange. Quasi ein totaler Overkill und nicht zu verarbeiten für einen geschundenen Tourkörper.

Irgendwann steht ein Taxi vorm Bus welches die drei Musiker ins Fernsehen und Radio fährt. Für die Fernsehsendung müssen wir in die Maske und während die nette Dame Max und Panzer handelsüblich schminkt, kommt bei mir nach 10 Minuten Geschminke in Bezug auf meine Augenringe nur der resignierend wirkende Kommentar “Also…. also ganz krieg ich se nicht weg…!” Herzlichen Dank auch!
Wir drehen also erstmal ne Fernsehsendung ab, in welcher wir u.a. gegen die Moderatorin und Panzer Kicker spielen und sie vernichten! HAR HAR HAR!!!
Danach kriegen wir von der Make-Up Dame so Abschminketücher gereicht. Max kriegt eins, Panzer kriegt eins, ich nehm mir auch eins. Darauf springt sie uns hinterher, mit Tüchern wedelnd und sagt in meine Richtung “Ihr braucht vielleicht mehr, … GERADE DU!”.

Jepp.
Danach fährt uns ein unfassbar mürrischer Taxifahrer zum Club, wo wir irgendwelches Zeugs machen, bevor wir dann erst ein echt super Abendessen vor den Latz gelatzt bekommen und dann nen Kuchen kriegen. Uns gehts schon echt gut. Das Lagerhaus, der Club heute Abend ist auch nett, mit Teppichboden auf der Bühne und voll soll er wohl auch werden.

3 Feet Smaller beginnen und die Hitze steigt. Super Band diese Österreicher. Jeden Abend aufs neue. Wir sind danach dran und das ist echt ne Hitzeschlacht. Ab dem 2. Song tropft mir in einem Guss Schweiss (nicht mein Schweiss) von der Decke auf den Kopf und ich fühle mich somit gleich angenehm heimelig! Was geht schon über kalten fremden Schweiss auf dem Kopf. Richtig: NICHTS! Die Bremer stapeln sich vor der Bühne uns singen so derbe mit, dass wir uns kaum selbst hören. Wirklich ein weiterer denkwürdiger Abend an dem wir wieder geplättet sind von der Energie und Ausdauer die unsere Konzertbesucher Tag für Tag unter Beweis stellen. Wir sagens oft, es ist aber so: Das ist einfach unfassbar genial!!!

Nach der Show renne ich noch 5 Minuten durch die Stadt um ins Duschzimmer zu kommen. Leider regnets auf dem Weg von dort zurück zum Club, so dass ich mir das abtrocknen auch hätte sparen können.

Bremen, dankesehr. Es war sehr gut!
Der Tag beginnt mit einem Anruf meines Vermieters, der mir erzählt, dass in der Wohnung über mir ein Wasserrohrbruch eine Party feiert und es „schätzungsweise möglich wäre“, dass meine Wohnung ebenfalls bald komplett unter Wasser steht. Außerdem meint er, dass ich mal schnell die Türe aufmachen soll damit die Handwerker reinkönnen, woraufhin ich ihm erkläre, dass ich auf Tour bin. Der Vermieter meint dann, dass das ziemlich schlecht wäre und ich muss ihm da uneingeschlossen Recht geben. Die anderen beiden können Dortmund aber heute Abend ja nicht erklären, dass das Konzert heute zu zweit gespielt werden muss, weil der Bassist dem örtlichen Klempner helfen muss also scheißen wir auf die Wohnung auf das Wasser und freuen uns, dass wir noch drei Tage im trockenen Bus schlafen dürfen!

Dortmund steht heute also auf dem Tourzettel und da der kleine Club in dem wir ursprünglich spielen sollten, schon vor Monaten ausverkauft war, dürfen wir jetzt im großen FZW spielen und freuen uns unglaublich, dass so viele Leute kommen werden. Dortmund war ja immer schon ne Macht, aber so viele wie heute waren es einfach noch nie! Ein Wahnsinn!

Auf der Fahrt von Bremen nach Dortmund hat es uns übrigens auch noch einen Reifen unseres Trailers zerrissen. Ich glaube das Einzige was auf dieser Tour noch nicht kaputt ging ist der Druckbehälter von Pommes´ Espressomaschine.


Sibbi hat den heutigen Nachmittag auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt verbracht. Macht er übrigens gerne. Manchmal glaube ich ja, dass wir nur immer im Winter touren, damit der Typ alle Weihnachtsmärkte Deutschlands sehen kann. Das Tragische ist ja aber, dass er nichtmal wegen der weihnachtlichen Atmosphäre hingeht sondern einzig allein um an sieben verschiedenen Ständen, vierzehn verschiedene Fettspeissen zu sich zu nehmen. Abends steht er dann wieder völlig überfressen auf der Bühne rum und bewegt sich wie ein Sack Mehl.


Irgendwann ging dann das Konzert los und Dortmund war einfach wieder mal eine Macht! 600 Leute im Saal und absolut grandiose Stimmung. Einzig meine Ansagen über das Dortmunder Bier kamen nicht so gut an. Schmeckt echt fast wie Bitburger. Mitten in der Show haben wir dann noch Marcus von 3 Feet Smaller angerufen, der uns am Telefon vor allen Leuten versprach in den nächsten Minuten nackt über die Bühne zu rasen. Zu allem Überfluss hat er das dann auch noch wirklich gemacht….- Immerhin hat er dem Publikum noch Bier mitgebracht!

Dortmund: Danke für das zahlreiche erscheinen, die unglaublich gute Stimmung, die Sprechchöre und für die ein oder andere Gänsehaut! Es war großartig mit Euch!
Weiter geht’s nach Flensburg! Ans Meer, man!
Oh Gott, mein Gehirn ist im Tourmodus, sprich: es kann sich noch weniger merken als sonst. Ich versuch mich grade an gestern zu erinnern und ich brauche eine Minute um nur auf den Stadtnamen zu kommen. Aber jetzt hab ich’s: es ist Flensburg. Schon ne unglaubliche Geschichte mit Flensburg und uns. Vor genau 9 Jahren waren wir zum ersten und letzten mal hier. Als Vorgruppe von den Donots. Damals sind wir zu viert in einem PKW (!!) mit allen Instrumenten + Schlagzeug (!!!!!!!!) über nacht von Eislingen nach Flensburg gefahren, haben ne super Show gespielt, haben 30 unserer absolut miesen allerersten Demos verkauft und sind dann über Nacht wieder nach Hause gefahren weil wir dort am nächsten Tag nen Gig hatten. Schon krass… Und was hat sich verändert seit 2002?! Eigentlich nicht viel, uns gibts noch, die Donots gibts noch, Flensburg gibts noch, wir fahren immer noch über Nacht, nur dass wir jetzt ein größeres Fortbewegungsmittel haben. Schon geil irgendwie.

Nachdem ich bin 13 Uhr geschlafen hab, mache ich mich auf um Flensburg zu erkunden und merke, dass Flensburg echt ne wahnsinnig schöne Stadt ist. Aber wenn man die Augen auf macht und direkt aufs Wasser schaut, dann freuts den Eislinger eben. Ich laufe über den Weihnachtsmarkt, esse Bratwurst und komme dennoch immer noch nicht so wirklich in Weihnachtsstimmung, was mich als totalen Weihnachtsfan echt fertig macht. Ich sehe mich also gezwungen zu härteren Mitteln zu greifen. Nach unserem Soundcheck setze ich mich in ein ruhiges Zimmer, mache das Licht aus, hau mir die Weihnachts-CD von Ray Charles auf die Kopfhörer und packe ein loderndes Kaminfeuer auf den Bildschirm. Alle anderen halten mich für verrückt, aber hey, was muss das muss!

Es gibt ein weiteres mal auf dieser Tour ein leckeres Abendmahl und dann spielen die Österreicher im ausverkauften Club ne schöne und schwitzige Show. Sehr klein das Volxbad und sehr stickig. Aber dennoch oder grade deswegen ein echt geiler Rockladen.

Ja, und dann, dann kommen wieder die drei Typen aus Eislingen, die wie jeden Abend alles kaputt machen. Dieses mal auch schon während dem ersten Song. Max Snaredrum gibt den Geist auf. Also packen wir die Weihnachtskaraoke notgedrungen wieder aus und singen mit den Flensen was das Zeug hält. Im weiteren Verlauf der Show gehen noch irgendwelche Kabel an den Arsch, was leider darin resultiert, dass auf unseren InEar-Kopfhören die Apokalypse in Form von unfassbar lautem Lärm ausbricht. All das ist aber nicht wirklich so tragisch, da sich die Flensburger und Flensburgerianerinnen vor der Bühne stapeln, auf selbige fallen und eine Party steigen lassen, dass es echt eine Freude ist.

Nach der Show mische ich mir einige Cocktails, welche zwar gut schmecken, aber leider nicht gewüschte Wirkung erzielen, denn nach einer harten Niederlage zusammen mit Panzer gegen Bobbes und Max im Fifa2012 kann ich während der 10-stündigen Fahrt nach Erfurt genau 1,5 Stunden schlafen.
Dennoch wird Flensburg in sehr guter Erinnerung bleiben und wir versprechen nicht wieder 9 Jahre zu warten bis zum nächsten Besuch!
Die Sonnenstrahlen des letzten Tourtages fallen in einen völlig vermüllten Bus. Ich stehe auf, ziehe mich an, schenke dem Tag ein erstes Lächeln, öffne freudig die Seitentür und stehe Sekunden später mit beiden Beinen in einer verfickten, sieben Zentimeter tiefen Pfütze.
Unser Busfahrer Micha ist ja echt ein Spitzentyp, aber warum hat er jetzt den Bus genau so hingestellt, dass man erstmal einen See überqueren muss bevor man aus dem Bus aufs Festland gelangt?! Egal – mit immer noch sehr guter Laune ziehe ich mein Gepäck ins Erfurter „Centrum“, packe flauschige, frische Wäsche aus meiner Tasche, schnappe mir ein nach Bergluft duftendes Handtuch und stehe wiederum Sekunden später unter einer verficktnochmal, arschkalten Dusche.

Kurze Zeit wundere ich mich, dass das Wasser im Fallbereich von Duschkopf bis zum Körper nicht gefriert und als Hagelkorn auf mich einschlägt. Der Morgen ist also schon mal total gelaufen, allerdings macht mit unser Mischer heute als Trost ein Sandwich mit Butter, Käse, Tomaten und verschiedenen Aufstrichen. Dazu reicht er ein Glas Orangensaft.

Vor einigen Jahren waren wir auch im Nightliner unterwegs und in irgendeinem Club gab es keine Dusche, weshalb wir nachts an einem Rasthof duschen sollten. Da musste man dann nen Euro reinwerfen und dann ging die Dusche an. Warmes Wasser, alles sauber – wundervoll! Als ich mich dann grade komplett eingeseift hatte ging das Wasser plötzlich aus und war auch nicht wieder an zu kriegen. Nach einer erfolglosen Suche nach weiteren Münzen oder nach irgendwelchen Freunden, die mir helfen könnten, musste ich dann feststellen, dass ich grade nachts um 3 Uhr, irgendwo in der Nähe von Castrop-Rauxel unter einer wasserlosen Dusche stehe, aussehe wie ein Schneemanndepp und mich damit abfinden muss, meinen Körper jetzt an einem Waschbecken zu waschen, bei dem der Wasserhahn nur fünf Zentimeter über dem Becken installiert ist und ausschließlich eiskaltes Wasser ausschenkt. Und jetzt wasch dir da mal den Rücken!


Das Leben auf Tour ist eben halt nicht immer einfach aber man muss sagen, dass wir heute ansonsten wieder 1a versorgt wurden heute. Tolle Leute hier im „Centrum“ und das Essen war ebenfalls mit Liebe gekocht! Wahnsinn!
Kurz vor der Show werden von vielen Tourmitgliedern noch einige mit Pathos geschwängerte Reden gehalten, die Jungs von 3 Feet Smaller schenken uns Lebkuchenherzen und wenn ich mich nicht täusche hatte der ein oder andere auch ein paar Sentimentalitätstränen im Auge und das völlig zu Recht. Wir kennen die Jungs aus Wien jetzt seit Ewigkeiten, waren 2004 zum ersten mal mit ihnen auf Tour, sind mittlerweile echt dicke Freund geworden und die Tatsache, dass die Tour heute so schön und erfolgreich zu Ende geht, hatte schon etwas sehr herzergreifendes!

Das alles hat uns aber natürlich nicht davon abgehalten, den Jungs (wie bei der letzten Tourshow eben üblich) komplett das Konzert zu versauen. Mikroständer wurden noch vor ihrem Auftritt auf Kniehöhe geschraubt, die Mikros durch Bananen ersetzt, säckeweise Pfeffer auf dem Drumset deponiert, ständig störende Musik über die Anlage gespielt und so weiter und so weiter….

Konnte von uns ja keiner ahnen, dass die sich später tatsächlich rächen werden; Nach einem super Konzert gingen die Jungs von der Bühne, während Marcus dem Publikum noch zuflüstert, dass sie wenn wir auf die Büne kommen ganz still dastehen sollen und keinen Mucks von sich geben sollen.

War für uns Unwissende dann doch ziemlich irritierend als dann wirklich alle stumm und mit verschränkten Armen dastanden, als wir enthusiastisch auf die Bühne rannten. Man kommt sich sogar sehr behämmert vor, wenn man ein lautes „GUTEN ABEND ERFURT!“In den Saal schreit und als Feedback nur stumme, glotzende Augen bekommt.
Dem Himmel sei Dank, dass die Ruhe nur einige Sekunden anhielt und als wir anfingen zu spielen die Bombe platzte! Unglaublich wie das heute abging und wie geil die Stimmung war! Über 500 Leute gaben wirklich Vollgas, sangen unglaublich laut und warfen sich durch den Pit, dass es eine Freude war zu zuschauen! Danke Erfurt für den gewaltigen Abend und für einen echt perfekten Tourabschluss!

Zum Schluss blibt uns nur Danke zu sagen an unsere Crew, 3 Feet Smaller, Micha unseren Busfahrer, allen Clubleuten, Präsentatoren und natürlich Euch für die unglaublich vielen schönen Momente und die massigen Gänsehäute! Ihr seid die Allerbesten, kein Scheiss!
CHEERS!!!!
Jetzt ist tatsächlich schon der 23. Dezember. Das ganze Jahr lang hat dieses Datum die verschiedensten Emotionen in uns geweckt, von „Gott, wird das geil“, über „Schade, die letzte Show des Jahres“ bis hin zu „Über 2 Stunden lang?!?!? Spinnst Du?!?!“
Ja und nun fahren wir vormittags in Richtung Roxy. Noch vor ein paar Minuten haben wir alle trockenen und nassen Sachen aus unserem Proberaum in den Transporter geladen. Leider ist im Nebenraum unseres Proberaums so ziemlich alles an Dach- und Regenrinnen-Material kaputtgegangen was nur kaputt gehen kann, weshalb ein drittel unseres Proberaums jetzt auch unter Wasser steht. Die Hausverwaltung ließ nur ein müdes und resegnierendes „Also saniert wird hier nichts mehr“ raus. Schade eigentlich. Denn so trocken war es echt schön die letzten Jahre…

Naja, in Ulm begrüßen wir erstmal alle ausm Roxy und aus unserer Crew, weil beide Parteien kennen wir mittlerweile echt lange. Unsere Crew teilweise bis zu 8 Jahre und das Roxy 6 oder 7. Genau so oft waren wir übrigens auch schon da. Leider gibt’s heute keine Flädlessuppe zur Begrüßung. Dafür gibt’s Brot und Brot ist ja quasi das neue Schwarz. Unser Soundcheck ist heute übrigens für 3 Stunden angesetzt. Das ist auch nicht mehr das was es früher mal war… Damals haben wir komplett auf den Soundcheck verzichtet, weil wir eh kaum eigenes Equipment hatten und alles von den andern Bands zusammengeschnorrt haben. Becken brachten wir in Plastiktüten mit und unseren Bass (geklaut aus unserer Schule) transportierten wir in einer 40 Jahre alten Gitarrentasche, was zur Folge hatte, dass der Kopf des Basses oben immer noch ca. 20 cm herausschaute.


Die Emil Bulls und Blind Freddy kommen auch nachmittags schon und wir freuen uns echt, dass die Bulls, mit denen wir die allererste richtig lange Tour gespielt haben 2005, heute zugesagt haben und vor uns spielen werden. Ist nicht selbstverständlich, daher umso höher anzurechnen. Wir revanchieren uns vielleicht nächstes Jahr… aber psst.
Wir proben dann die ganzen Specials und auf der Setlist sind so viele Linien und Kommentare und Notizen, dass uns jetzt schon ganz schlecht wird, weil wir eh wieder dreimal die Hälfte vergessen werden. Nach dem ewig langen Soundcheck proben wir auch kurz die Luftschlangen und schießen sie durch den leeren Club. Kurze Freude, langes Aufräumen. Auch den von den Roxy Leuten selbstgebastelten Vorhang-Fall-Mechanismus für den Konzertbeginn probieren wir aus. Klappt wunderbar. Wir wissen aber schon in diesem Moment, dass das nachher sicherlich nicht der Fall sein wird. Wir schwören hier und jetzt, dass wir die Band auflösen, wenn bei diesem Konzert alles glatt geht.


Dann gibt’s Abendessen und unsere Familien rollen so langsam ein. Also nicht weil sie so dick sind oder so. Sie rollen einfach ein. Im Sinne von „kommen herbei“. Ach lasst mich doch in Ruhe. Meine Großeltern, beide 81 Jahre alt und seit 60 Jahren verheiratet, sind natürlich auch wieder am Start. Unglaublich. Während sich viele unserer Elternteile bei den Emil Bulls („Wieso schreien die denn so viel?“) in den Backstagebereich verkriechen bleiben meine Großeltern konsequent von der ersten Band bis zu unserem Finale in der Halle und Klatschen und wippen. Rockenroll eben.


Blind Freddy spielen ein schönes und tanzendes Set, während wir Backstage Interview Fragen beantworten. Ich gebe ein Telefon-Interview für Delta Radio und wünsche mir „meinen persönlichen Lieblingshit 2011“, nämlich „Heute schütte ich mich zu“ von Karl Dall. Zu meiner Verwunderung haben die das sogar bei sich im System und spielen es. Riesig. Ich krieg jetzt noch Fanpost.
Die Bulls walzen dann den Laden platt und die Leute stapeln sich jetzt schon vor der Bühne. Wir würden uns ein Loch in Panzers Chucks freuen, wären da nicht schon 4 Löcher vorhanden. Also machen wir lustige Warm-Up Übungen und spielen ne Runde Eltern-den-Backstage-Bereich-zeigen-welchen-man-sich-als-Außenstehender-echt-spannender-vorstellt.


Irgendwann machen wir uns schick und gehen an die Bühnenseite. Dann denken wir uns, ach, mit Anzügen und Zylindern spielen ist bestimmt gar nicht so geil, und ziehen uns um. Unser neues Intro ertönt, wir stürmen auf die Bühne, stellen uns hinter den Vorhang, erster Ton, der Vorhang fällt… nicht! Bzw. leider nicht ganz. In der Mitte bleibt er noch ein paar Sekunden hängen. Aber Gott sei Dank, denn nun müssen wir uns doch nicht auflösen. Und das schon nach 2 Takten Konzert. Ging schneller als erwartet. Mein Vater sagt mir am nächsten Abend beim Weihnachts-Essen „Und auch echt schön, wie der Vorhang erst aussen fiel, um dann in der Mitte diese Pyramide zu bilden bevor er vollends in sich zusammenfiel“. Ich nur so „Jepp, danke, genau so wars geplant“
Jetzt zur Show.. und was sollen wir dazu noch sagen?! Wir sind von Anfang bis zum Schluss geplättet und haben oftmals Gänsehaut und Wasser in den Augen. Also keine Gänsehaut IN den Augen. Aber Wasser schon. Ulm übertrifft sich jedenfalls selbst und die Show ist sowas von Emotional und besonders, dass jegliche Worte dafür nur untertrieben wären. Es ist auch nicht in Worte zu fassen, dass viele Leute teilweise 2 Tage an Weihnachten unterwegs sind mit Hin- und Rückreise um mit uns das 10 Jährige zu feiern, dass manche teilweise schon fast 100 Shows von uns gesehen haben, dass jedes Wort von jedem Lied so lautstark mitgesungen wird, dass der Club schon seit vielen Wochen ausverkauft ist und und und. Das ist alles einfach nur grandios und wir sind überglücklich, dass wir das mit Euch erleben dürfen. Klingt platt und geschleimt, ist aber nunmal genau so. D.A.N.K.E!



Danach lassen wir den ganzen Druck der letzten Wochen und Monate in den Backstage-See aus kaltem Schweiss fallen und genießen mit den Leuten bei netter Musik aus den Plattentellern den restlichen Abend. Ich hab glaub noch nie so viele Leute umarmt! Und bis auf zwei rochen sogar alle gut! Das hat Respekt verdient liebes Ulm!
Wir sagen nochmal danke für die 10 schönsten Jahre die man sich als Band so vorstellen kann und wünschen nen guten Start ins neue Jahr, in welchem wir uns sicher wieder das ein oder andere mal sehen!
Chapeau!
(Danke für die tollen Bilder an Michelle Russo!)
