Und da ist es das erste Konzert im Jahr des Herrn 2013! Lang haben wir uns gefreut, kurz haben wir geprobt.
Alles fing damit an, dass unsere Bookingagentur uns einen Brief geschickt hat in dem stand, dass wir nach Lafnitz in Österreich fahren sollen und weil Agenturen, wie wir alle wissen, ja immer recht haben, sind wir ohne weitere Fragen zu stellen einfach losgefahren. Wie immer in zwei Fahrzeugen: Ein Fahrzeug vollgestopft mit Material ohne das es unmöglich wäre ein qualitativ hochwertiges Konzert zu spielen und das andere Fahrzeug vollgestopft mit Menschen ohne die selbiges zwar durchaus möglich, aber wahrscheinlich nicht so unterhaltsam wäre.

Ich muss den Konzertbericht an dieser Stelle kurz unterbrechen…was geht hier eigentlich ab?!: Während ich hier grade in meinem karierten Schlafanzug in meiner Küche sitze und den Bericht tippe, stehen vor meinem Küchenfenster (2. Stock) vier Baustellengerüstbauer und schauen mir immer wieder wurstbrotkauend beim vor-dem-Laptop-sitzen zu, was mich dezent nervös und verunsichert werden lässt. Außerdem sagt der eine seit einer halben Stunde alle 20 Sekunden den Satz „uiuiuiuiui, aufpasse! Aufpasse!“ und ein zweiter singt grade mit hart italienischem Akzent „The time of my life“ aus Dirty Dancing, während der dritte selbiges mit „Halt mal dein Maul jetzt du Fotzenficker“ kommentiert.
Baustellen-Business is like Show-business. Ich frag mal ob sie nen Kaffee wollen…
So zurück zum Konzertbericht. (Wollten keinen Kaffee. Passt ja auch nicht zum Wurstbrot). Kurz vor der österreichischen Grenze werden wir von einem auffällig sauberen BMW überholt, was uns komisch vorkommt, weil wir sonst eigentlich immer die schnellsten sind. Nach kurzer Verwunderung darüber, warum die beiden männlichen Insassen im grünen Partnerlook unterwegs sind und der eine mit einer „Bitte folgen“-Kelle winkt, fahren wir dann halt doch mal rechts ran um zu fragen was mit ihnen los ist.
Die Tatsache, dass unser Fahrer Max sein Handy am Ohr hatte während wir von den Wachtmeistern überholt wurden, eins unserer Frontlicher kaputt ist und Max zusätzlich, aufgrund einer langwierigen Feierei am Vorabend, aussieht als hätten wir ihm grade frisch die Nadel aus dem Unterarm gezogen, vereinfacht die Situation nur geringfügig. Nach dem Einsammeln sämtlicher Papiere wird Max zu einem persönlichen Gespräch nach draußen eingeladen. Nach einem 6minütigen Monolog des Polizisten mit der unansehnlichen Wollmütze, der unseren Trommler fies in die Ecke drängt, versucht Max mit einem verbalen Frontalangriff das Blatt zu wenden und wie Phoenix aus der Asche Herr der Situation zu werden. In der Praxis sieht das dann so aus, dass Max den Monolog beendet und mit folgendem Satz versucht zu punkten: „also, ich muss jetzt mal unterbrechen. Da das ganze ja eh auf einen Drogentest rausläuft: können wir das bitte gleich machen wir sind nämlich spät dran. Außerdem – das sag ich gleich – hab ich gestern kaum geschlafen und echt zuviel getrunken. Deshalb die glasigen Augen“. Zwei Minuten später sitzen wir alle zusammen wieder glücklich im Auto und dürfen ohne Probleme weiterfahren. Kurz vor der Abfahrt hat Max ihnen sogar fast noch ne CD von uns verkauft…

Nach einer achtstündigen Fahrt durch die Österreichischen Bergautobahnen (für die man übrigens erst eine Vignette kaufen und dann nochmal vier mal (!) Autobahnmaut bezahlen muss) kommen wir endlich an. Lafnitz Rock City!! Der Ort ist etwas kleiner als das 300 Einwohner-Dorf in dem ich als Kind aufgewachsen bin und vor dem Gemeindehaus, in dem das Konzert heute stattfindet haben sich bereits jetzt einige 14-jährige Powerjungs über die Schuhe gebrochen, während ihnen ihre einfühlsamen Freundinnen ausdauernd die Emohaare nach hinten halten.
(Da der italienische Baugerüstaufbauer vor meinem Fenster mittlerweile dazu übergegangen ist „Umbrella“ von Rihanna zu singen, muss ich meinen Dienst als Berichteschreiber an dieser Stelle leider quittieren und gebe an Sibbi ab, der den Rest des Reviews fertigschreiben darf..)
Servus Sibbi hier, da es irgendwann ja auch langweilig wird, sich als singender italienischer Gerüstbauer verkleidet vor Panzers Fenster aufzuhalten, übernehme ich mal den Konzertbericht.

Gleich nach Ankunft werden wir in die kleine Kneipe gegenüber gebracht, wo es für die Fleischesser leckeres Schnitzel gibt und für die Vegetarier ein halbes Kilo Salat belegt mit 3 überdimensional großen Käsescheiben.
Zurück in der Gemeindehalle von Lafnitz wo das Konzert heute steigen soll, ergibt sich das eher übliche Bild von Indoor-Festivals auf dem österreichischen Land. 500 besoffene Jugendliche, von denen 470 an der Bar oder im Discozelt vor der Halle stehen und 30 vor der Bühne einer Band zusehen. Wir warten also Backstage und freuen uns, dass wir im Vereinsheim des Lafnitzer Blasmusikvereins e.V. untergebracht sind. Wir müssen uns echt sehr beherrschen die wunderschönen Wimpel und Wandbilder nicht mit nach Hause zu nehmen. Im Abstand von 40 Minuten kommt übrigens auch immer wieder ein Helfer des Festivals herein, ohne zu Klopfen, stellt sich mitten in den Raum und schaut sich seelenruhig um. Nach 2 Minuten sagt er dann z.B. „Hmm… und ihr seid also zu dritt?“ … Wir schauen uns an und sagen „Ja, wir sind zu dritt“. Darauf sagt er leicht nickend „Mmhhh…“, wartet dann noch 2 Minuten und geht wieder. Im Lauf des Abends fallen so dann Sätze wie „Hmm… wart ihr lange unterwegs, hmm?“ und später noch „Aus Deutschland kommts ihr, hmm?“. Manchmal gähnt er noch bevor er das Zimmer verlässt.

Irgendwann bevor die echt sehr gute AC/DC Coverband „Hot Risi Bisi“ (!) auf die Bühne geht, dürfen wir dann unser Musikprogramm verrichten. Wie erwartet steht immer noch die Hälfte der Menschen im Clubzelt oder an der Bar, aber wenigstens Menschenmassen im dreitstelligen Bereich haben sich nun vor der Bühne versammelt. Wir spielen zum ersten mal neue Songs, was teilweise super gut klappt, teilweise nicht so super gut. Der Alkoholpegel der meisten Zuschauer sorgt aber dennoch für heitere Gesichter allerorts. Bis auf den einen Typen im Bullet For My Valentine Shirt, der beim letzten Song von uns mitten Saal im Stehen einschläft. Den Leuten die extra wegen uns zum Festival gekommen sind aber auf jeden Fall ein großes Dankeschön. Es ist schön, wenn 800km von zuhause entfernt an der ungarischen Grenze Songs von uns mitgesungen werden!!
Nach der Show beobachten wir das Partytreiben der Festival-Besucher und dekorieren einen ausgewählten jungen Mann auf ganz besonders schöne und aufwendige Weise. Danke fürs Stillhalten.

Ebenso ein Dankeschön geht noch raus an die sehr netten Veranstalter!
Ein lustiger & denkwürdiger Auftakt auf die Live-Saison 2013.
Ports & Chords Tour 2013! Die Busse sind beladen, die Socken abgezählt und nen Verbandskasten haben wir sicherheitshalber auch mal mitgenommen: Es kann also endlich losgehen!
Nach monatelanger höchstakribischer Vorbereitung in einem abgelegen sixtinischen Proberaum, der uns von äußeren Einflüssen abschotten sollte, konnten wir uns nach vier schwierigen Wahlgängen auf eine finale erste Setlist einigen, ließen darauf umgehend weissen Rauch aus einem der umliegenden Schornsteine aufsteigen und sind am Ende mit einem lauten „Habemus Liederliste“ Richtung Berlin losgefahren. Möge die Macht mit uns sein.

An Bord unseres Tourtrosses sind diesmal neben den ständigen Unruheherden Max, Sibbi und mir folgende nennenswerte Crewmitglieder: Tourmanager und Lichtmann Chrissy, dessen Hauptaufgabe darin besteht bizarre Zettel aufzuhängen auf denen steht was wir wann, seiner Meinung nach, jeden Tag machen sollen. Dazu Tonmischer Thimo, der neben einem hervorragenden Sound auch einen außerordentlich gut ausgebildeten Brustmuskel vorzuweisen hat, der schon so einige Frauen in die Selbstzweifel gestürzt hat. Dazu kommen noch Backliner und Publikumsliebling Pommes, der auf dieser Tour sogar musikalisch mit ins Bandeigene Musikgefüge eingreifen wird und zu guter Letzt Qualitäts-Merchandisedame Nova, von der noch immer keiner weiß, wie sie es aushält als einzige Frau seit so vielen Jahren mit dieser Truppe voller schlechterzogener, männlicher Querolanten unterwegs zu sein. Die Frau ist einfach härter als Granit.

Eine handelsübliche Reise von unserer schwäbischen Heimat ins große Berlin dauert normalerweise sechs bis maximal sieben Stunden. Itchy Poopzkid wäre ja aber nicht Itchy Poopzkid, wenn wir es nicht schaffen würden, auch in diesen Tourauftakt wieder ein bißchen zusätzliche Brisanz und Würze reinzubringen:
Da bereits mitte März ist, hatten wir natürlich nur Bermudashirts und Badehosen eingepackt und nicht damit gerechnet, dass Gevatter Wintereinbruch uns nochmal von hinten in die Parade grätschen sollte: Vereiste Fahrbahnen, Schneechaos, eingefrorene Spritzeinlage und diverse Autobahnvollsperrungen haben dazu geführt, dass aus geplanten sechs Stunden Fahrt ganze 15 (!!!) wurden. Das Highlight war als wir an einer Raststättenparkplatz eingesperrt waren, weil sich vor uns drei LKWs beim ausrangieren ineinander verkeilt hatten und ein etwas sympathisch-rundlicher polnischer LKW-Fahrer ständig in Hausschuhen (!) an uns vorbei durch den Schnee rannte, während er immerzu „Katastrophe! Katastrophe!“ rief. Die Reise geht auf jeden Fall in die Geschichte ein…

Geschlafen haben wir also nur drei Stunden, aber irgendwo hab ich mal gelesen, dass echte RocknRoll-ands auf Tour eh nie länger schlafen, also sollte das wahrscheinlich schon in Ordnung sein. Als Supportband haben wir für den ersten Teil der Tour unsere Jugendhelden von MXPX aus USA (Amerika) dabei und das sind durch die Bank nette Kerle, die den zahlreich erschienenen Berlinern dann gleich mal gut eingeheizt haben! Super Band und die Leute haben sich schonmal ordentlich eingetanzt, soweit wir das beobachten konnten.

Kurz vor unserem Auftritt haben wir noch per Internet-Livestream verfolgt wie der neue Papst seine ersten, schätzungsweise weissen Worte an seiner Jünger richtete. Verstanden haben wir nix, weil der italienisch geredet hat, aber einmal muss er nen Witz gemacht haben, weil da alle gelacht haben. Außerdem haben wir gelesen, dass er Argentinier ist, gerne mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt und „auf Prunk verzichtet“. Irgendwann ist uns endlich wieder eingefallen, dass wir uns für das Christentum eigentlich überhauptnicht übermäßig interessieren, haben den Fernseher ausgemacht und sind umgehend auf die Bühne gerannt…

Vor uns standen hunderte hochmotivierte Berliner, hinter uns lag eine monatelange akribische Vorbereitung und neben uns in der Gaderobe chillten noch einige Teile unseres Kleinhirns, was dazu führte, dass wir im Großen und Ganzen zwar wiederum einige Textpassagen und Akkordreihenfolgend vergessen haben, aber zum anderen auch einen ungeheuer wuchtigen und euphorischen Tourauftakt mit einem riesigen Publikum feierten! Es gibt einfach nichts besseres als wieder auf Tour zu sein und wir bedanken uns mächtig bei Berlin für einen Hammerabend und dafür dass ihr uns die eine oder andere Glücks-Gänsehaut über den Rücken gejagt habt! Das war großartig!

Nach der Show gabs noch einen kleinen Umtrunk mit alten Freunden und neuen Bekannten und dann wurde doch mal versucht, mehr als drei Stunden zu schlafen…
Danke Berlin, das war ne Harke! SAUstarker Auftakt! Wir sehn uns in Bremen!

Ich wache auf in Berlin und merke, dass ich trotz 6 Stunden Schlaf immer noch noch ca. 50 Stunden Schlaf zu wenig habe. Alles durch den vorgestrigen Trip nach Berlin. Aber wir wollen uns ja mal nicht beschweren, denn wir sind endlich auf Tour und gestern war super! Gut, Panzer ist morgens relativ stinkig, weil wir gestern nicht gerade unsere beste spielerische Leistung vom Stapel gelassen haben, aber nach einem kurzen Faustkampf ist alles bereinigt und wir einigen uns, dass wir heute Bremen abbrennen werden und fahren los.

Vor allem für Tierfreunde ist es heute eine wunderschöne Autofahrt. Vorbei an Dammwild, Rehen, Füchsen, Falken, Kühen, Pferden und einem enormen Storch. Herrlich.
Allesamt übrigens versammelt in einer einzigen Packung Tiefkühl-Lasagne.
Satt und vollgefressen kommen wir dann also in Bremen an und könnens gar nicht fassen wie dieser Club aussieht. Vor der ultrabreiten Bühne vielleicht 5 Meter Platz, dahinter sofort überall und ringsrum Tribünen. Wie beim Fussball. Apropos Fussball… 10 Sekunden vor unserem Intro erfährt Panzer vom 1. Gegentor gegen seinen geliebten Fussballverein. Dass noch 2 weitere kommen weiß er zu diesem Zeitpunkt zum Glück noch nicht, weshalb wir ein reibungsloses Konzert spielen können.


Nachmittags hängen wir ab, wie man das auf Tour so macht, Panzer regt sich auf, dass durch diese fiese W-Lan in allen Clubs die Kommunkation innerhalb Bands stetig abnimmt. Er schreibt uns diese Kritik übrigens per eMail…

Aber er hat schon recht. Am Anfang der Karriere haben wir uns noch verprügelt um die Zeit totzuschlagen. Heutzutage nur noch selten. Dafür steht heute ein Bügelbrett im Backstageraum.
Soundcheck läuft super. Irgendwie sind die Soundchecks immer super. Das liegt leider daran, dass bei uns die ganzen technischen Sachen immer erst pünktlich zur Show kaputt gehen. Aber wie gesagt, wir wollen uns nicht beklagen, weil wir sind auf Tour.

MXPX sind auch aller sehr nett. Kennen wir ja zum Teil schon sehr lange und es ist immer wieder ne Freude. Die eröffnen den Abend dann auch mal wieder sehr souverän und die ersten Leuten tanzen zu Songs, zu denen wir schon vor 12 Jahren getanzt haben.
Bobbes schafft es dann zum ersten mal auf dieser Tour, das richtige Intro einzulegen und wir fangen an. Bremen geht gleich total ab und ein paar der Leute in den ersten Reihen singen so energisch mit, dass ich Angst habe, dass ihre Halsadern komplett wegplatzen. Während I Believe, ein sehr ruhiger Song, sitzt 3 m Luftlinie von mir entfernt ein Mädel auf den Schultern ihres Vordermanns und zeigt uns unentwegt ihre großgeformenten Brüste. Ich muss mich aufgrund der Ernsthaftigkeit des Songs dann leider zusammenreissen und verzichte auf jegliche verbale Reaktion.

Bremen ist wie gesagt der Wahnsinn. Wir spielen auch ne echt gute Show wie ich finde und alle scheinen happy zu sein. Happy bin ich auch danach, weil ich meine Cuba-Libre Mischung sehr sehr gut hinbekomme. Ist gar nicht so einfach. Zu viel Cola, zu süß. Zu viel Rum, zu voll. Zu viel Limette, zu sauer. Zu wenig Eis, zu warm. Zu viel Eis, kein Platz für Rum. Und so weiter, ihr kennt das ja.
Übrigens schenken die Mädels und Jungs von Sea Shepherd uns an diesem Abend einen Poopzkid/Sea Shepherd Banner, den wir ab jetzt immer aufhängen werden. Marco und Team: Wir sagen 1000 x Dankeschön! Die Leute sind so der Hammer!

Nachts im Hotel kommt es dann noch kurz zu einem kleinen Handgemenge, bei welchem Panzer von Bobbes, Max und Thimo in seinem eigenen Bett mit einer Holzstange verprügelt wird. Und er beschwert sich, dass zu wenig kommuniziert wird. Pff…

Darauf ein dreifaches: Zickezacke Zickezack Hoi Hoi Hoi
Hamburg, alte Punkermutter!
Dritter Tourtag, Sonnenschein, nur eine Stunde Fahrt und heute Abend eine komplett ausverkaufte Show in der Hansestadt vor uns. Tage an denen man meckern kann sehen definitiv anders aus!

Aufgewacht sind wir in Bremen in einem wunderschön eingerichteten Ferienhaus direkt an der Weser und wenn nicht immer diese ewigen Konzerte wären, wären wir einfach noch 1-2 Monate dageblieben um Urlaub zu machen. 8er-Rudern auf der Weser wäre zum Beispiel eine gute Freizeitbeschäftigung gewesen. Leider besteht der Tourtross aber nur aus sieben Leuten, weshalb die Urlaubspläne wieder verworfen worden. Tonmeister Thimo entwickelte sich an diesem Morgen überraschenderweise zum Master of Spiegelei und kochte für die gesamte Mannschaft. Bis auf das halbe Kilogramm Teflonpfannenbeschichtung, das noch an den Eiern dran hing hat es echt total gut geschmeckt.



Angekommen in St. Pauli werden wir informiert, dass genau 899 Tickets im Vorverkauf verkauft wurden. 900 dürfen rein. Die Schlange an der Abendkasse dürfte heute also eher kurz werden. Einziger Wehrmutstropfen des Tages ist, dass im gesamten Club Temperaturen um den Gefrierpunkt herrschen. Sogar seinen Atem konnte man sehen und wenn ich mich nicht getäuscht habe hatte es auch Raureif an den Wänden. Letzteres war gelogen, aber ich wollte irgendwie nochmal die Dramatik der Lage verdeutlichen.
Die größte Frechheit war, dass sie uns auch noch einen Elektrokamin in den Backstageraum gestellt haben, der zwar warm aussah, sich aber arschkalt anfühlte! Nachdem ich eine Stunde lang in Embryonalstellung vor der Heizung lag, war zumindest mein linker Fuß leicht aufgetaut und ich konnte einbeinig zum Soundcheck humpeln.


Soundchecks laufen seit geraumer Zeit eigentlich so ab, dass wir eine halbe Stunde unsere Crew für ihre Unfähigkeit beschimpfen, während selbige uns ständig als unmusikalische Mülleimer betiteln und am Ende gehen dann alle wieder völlig frustriert getrennt voneinander von der Bühne und versuchen in Schokolade oder Alkohol ihr Glück wieder zu finden. Um doch wieder etwas mehr Geborgenheit und Mannschaftsgeist aufzubauen rasiert Sibbi gegen Spätnachmittag Max die Brusthaare.

Als am Abend einer der Veranstalter die Türklinke des Haupteingangs nach unten drückt, strömen ordentlich viele gutfrisierte Menschen in den Laden und versorgen sich mit ansässigen Biergläsern. Wir schauen von oben zu und sind ehrlich gesagt schon ein bißchen stolz. Das ist schon echt was besonderes so nen Laden so weit von zuhause voll zu machen. Vor ein paar Jahren haben wir ein paar Häuser weiter im „Studio One“ vor 29 zahlenden Gästen gespielt und auch wenn das echt ein starkes Konzert war damals, ist es doch schöner wenn die Butze voll ist.

MXPX spielen sich wie jeden Abend in die Herzen des Pöbels und werden wiederrum zurecht abgefeiert! Danach sind wir dann an der Reihe und zum ersten mal starten wir völlig ohne peinliche technische Vollpannen in den ersten Song, was ja schonmal ein bemerkenswerter Fortschritt für unsere Kappel ist. Vor uns stehen also knapp tausend wahnsinnige Hamburger, die sich sowas von auf die Mütze kloppen, dass es uns die Freudentränen in die Augen treibt. Einzelne ungetragene Büstenhalter und dutzende getragene Socken fliegen auf die Bühne, der Schweiss tropft von der Decke und wir singen so gut wir es halt können. Der Wille zählt.


Hamburg ist und bleibt eben Deutschlands Punkrockhauptstadt und nach 1,5 Stunden kehren wir völlig runtergesifft in unseren Backstageraum zurück und ich lege mich wieder in Embryonalstellung vor die Heizung um mich nach der Konzertsauna wieder runterzukühlen.
Eine viertel Stunde später leere ich aus Versehen noch einen halben Liter Büffelgrasvodka in die Lüftungsanlage des Kühlschranks und bin doch sehr überrascht, dass selbiger nicht sofort anfängt zu brennen.


Glücklicherweise finden einige halbe Liter Büffelgrasvodka aucvh noch den Weg in unsere Leber und wir bedanken uns bei ganz Hamburg für einen Mörderabend! Auch der ganzen Crew vom Gruenspan sei Dank gesagt! Wir haben uns sehr wohl gefühlt. Piss bald ihr Landratten!
Heute steht also Erfurt auf dem Info-Zettel, den unser Tourmanager Chrissy überall aufhängt. Von dieser Tatsache erfurt ich aber erst ganz kurz vor der Fahrt. Ich hab ihm auch gesagt er müsse gar nicht die komplette Strecke selbst fahren… aber erfurt trotzdem. Im Club angekommen sieht Chrissy dann, dass ausversehen noch der Info-Zettel von der Band vom Vortag hängt, doch den warf erfurt. Danach waren dann Missverständnisse aus dem Weg geräumt und der Tag verlief unspektakulär . Jedoch nur so lange bis ich mich im Club umsah und auf der Bühne tatsächlich Mick Jagger stand. Ich erstarrte sofort in Erfurt.


Unser Personen-Van wird heute morgen übrigens gleich nachdem wir aus Hamburg draussen sind von einem schicken farbigen Fahrzeug überholt, welches dann ein LED-Schild hochfährt, auf welches die Insassen die Worte „Polizei, bitte folgen“ projezieren. Wir tun dies und fahren dann ewig auf der Autobahn hinter denen her, dann noch ne Weile auf ner Landstraße bis sie uns dann anhalten und uns auffordern ihnen nochmals zu folgen. Dieses mal auf eine Bus-Waage. Dass ihnen beim Aufmachen unseres Busses die Hart-Alkoholflaschen der letzten Tage vor die Füße fallen scheint sie jedoch nicht zu interessieren. Die Waage sagt dann 3840kg. Das ist leider kein so gutes Ergebnis wenn man bedenkt, dass das zulässige Gesamtgewicht nur 3500kg betragen darf.

Die Rechtssprechung hat aber netterweise eine 10% Toleranz eingerechnet, was bedeutet, dass wir genau 10kg davon entfernt sind unser Auto für immer abzustellen. Gott sei Dank haben wir gestern Abend in Hamburg die 11 Liter Schnapps noch ausgetrunken. Soll noch jemand sagen, Alkohol wäre keine Lösung.
Die restliche Fahrt ist dann aber auch nicht viel besser, weil der Routenplaner sagt, dass es sinnvoll wäre von den 4 Stunden über 2 Stunden durch bergige Serpentinen mit 40km/h im Harz zu fahren, anstatt auf einer geraden Autobahn mit 120km/h nicht nicht im Harz.

Ankommen tun wir trotzdem und der Laden ist echt groß. Das Essensbuffet auch. Knaller ist heute ein “Döner Kebap Brotaufstrich”. Da fragt man sich, wieso sollte jemand kalten streichfähigen Döner auf ein Brot streichen, wenn er doch auch einfach um die Ecke in den nächsten Dönerladen gehen kann?!
Auf Soundcheck hat heute überhaupt niemand Bock und dennoch endet er damit, dass Sibbi am Banjo durchdreht, während Bobbes am Schlagzeug versucht einen halbwegs erkennbaren Takt anzugeben. Backstage läuft währenddessen Fussball und die Bayern Fans freuen sich, dass sie jetzt mittlerweile fast so viele Punkte Vorsprung auf den zweitplatzierten haben, wie der VfB Punkte insgesamt. Life is good.

Apropos Life is good: Itchy Poopzkid live in Erfurt is ebenfalls richtig good. Die Erfurterianer drehen ordentlich durch und können alles außer auf Pfeiffen. Selten sowas schlechtes erlebt. Aber das wird durch den Rest der körperlichen Ertüchtigungen wieder ausgeglichen und wir haben mal wieder echt nen super Abend in dieser Stadt. Wir kommen wieder ihr Guten!!
Schlafense gut, bis bald!

Und weiter fährt das Apokalypsekommando….nächster Halt Erlangen-City! Erlangen liegt übrigens in Franken und wenn man auf Wikipedia nach Infos über die Stadt sucht, erfährt man in der Rubrik „Berühmte Persönlichkeiten“, dass dort Lothar Matthäus und die Bandmitglieder von J.B.O geboren sind. Na also….

Beim vorletzten Mal als wir hier waren, haben wir beinahe eine Schlägerei mit den damals unglaublich assigen Securities angefangen und beim letzten Mal hat eine junge Frau während des Konzertes volle Kanne in den Bühnengraben gekotzt. Beste Voraussetzungen also um wieder einen Spitzenabend hier zu haben. In Franken ist es sowieso eigentlich immer schön und das meinen wir ganz im Ernst.

Auf der Fahrt wird zum ersten Mal auf dieser Tour die Playstation im Bus angeworfen und Max und ich fechten einige hart umkämpfte Fifa2013-Duelle aus. Nach zwei Spielen wird uns klar, dass wir in Punkto Aufbauspiel, Raumverschiebung, Abseitsfalle, Flanken, Passspiel, Pressing, Tacklings, Steilpässe, Flügelspiel, Kopfball, Einwurf, und Abschluss noch starke Probleme haben. Immerhin klappt das mit dem Foulen schon ganz gut. Das erste Bier ist auch schon offen. Ist ja aber auch schon 12.20Uhr…

Angekommen in Erlangen machen wir einen höchstprofessionellen Soundcheck, bauen Lichter auf und hängen Laken an die Bühnenrückwand. Alles was man halt so macht vor einem Konzert. Die Jungs von MXPX sind auch wieder an Bord! Die haben die kurze Tourpause genutzt, um noch ein Konzert in Istanbul (!) und eine Show in Athen (!!) zu spielen. Höllenhunde sind das!

Zu Essen gibt es heute eine bärenstarke Spinatlasagne mit herausragender Käsekruste.
Abends stapeln sich hunderte von gutaussehenden Jungs und Mädels vor der Bühne und MXPX punkrocken sich in der fränkischen Herzen, bevor wir im Anschluss das Bühnenbrett erklimmen und so laut so singen wie wir nur können. Sibbi verletzt sich bereits beim dritten Song dramatisch am rechten Zeigefinger und ist Stolz wie Bolle über jeden einzelnen Bluttropfen, der aus seiner eigentlich relativ heil aussehenden Hand tropft. Scheinbar fühlt er sich wie Iggy Pop zu seinen besten Zeiten. Nur dass der halt bei seinen Konzerten immer echte, selbstzugefügte Verletzungen vorzuweisen hatte und Gefahr lief während seinen Shows zu verbluten, während Sibbis „Wunde“ mit einem handelsüblichen Mickey Maus-Kinderpflaster zu bändigen ist..

Hart im Nehmen wie er halt eben nun mal ist, spielt Sibbi aber trotzdem weiter. Alles fürs Publikum, alles für die Show. Ein Profi.
Die Franken vor der Bühne geben Gas als würden sie morgen nicht wieder früh aufstehen müssen und wir segeln nach 1,5 Stunden Bühnenkeilerei extrem glücklich zurück in den Backstageraum. Sogar unser Pfeif-Contest hat heute ganz hervorragend funktioniert. Wahnsinnsabend.


Nach der Show gibt es noch einen Umtrunk in kleinem Kreise mit Hintergrundbeschallung des neuen The Bronx-Albums und wir sind glück auf Tour sein zu dürfen. Die neue Bronx-Platte könnt ihr euch übrigens alle mal zulegen. Ein Knaller ist die!
Danke Erlangen. Wir sind in Liebe mit Dir gefallen.

Erwachen in Erlangen. Aufgrund von einer Messe war in der Stadt leider nur noch ein einziges Hotel frei, in welchem wir schonmal waren. Damals schworen wir uns danach nie wieder dort abzusteigen. Genau deshalb haben wir auf das Frühstück dann auch gleich mal komplett verzichtet weil es das letzte sowas von übel war, dass wir uns das dieses mal nicht mehr antun wollen. Es gab ein Brötchen damals, und im Regal stand ein Nutella Glas mit nem Messer drin. Das wars basically auch schon. Also heute lecker Frühstück an ner Tankstelle. Schon schlimm, wenn man sich mal echt richtig freut, wenn man in so einen maschinengefertigten Flammkuchen beisst.

Wie auch immer, die viel blödere Sache ist bei mir, dass sich mein alljährlicher Heuschnupfen heute mit einem gut platzierten Tritt in meinen Kopf lächelnd zurückmeldet und ich meinen Tag damit verbringe Zeugs aus den Augen zu reiben, 5 (!) komplette Tempotaschentücher mit gelbem Schleim vollzurotzen und generell auszusehen wie nach ner Schlägerei. Alle Jahre wieder. Auf Tour aber eher schlecht.
Wir kommen dann irgendwann mal in München an, im Backstage. Toller Laden, vielleicht sogar der Laden in Deutschland in dem wir am öftesten gespielt haben. Immer wieder klasse. Im Laufe der Jahre haben wir hier mit vielen unserer Helden gespielt, auf der Aftershow Party gebreakdanced, Paris Hilton getroffen und generell ne Mörder Zeit gehabt.

Da unsere allerliebste Merchverkäuferin Nova heute Geburtstag hat, werfen wir sie kurzerhand temporär von der Tour und schicken sie in einen Massage Salon, damit sie auch mal was andere zu sehen bekommt als 6 verstunkene Männer, har har har!! Danach ist sie aber so dermaßen entspannt, dass sie am Merchstand fast einschläft.
Wir bauen Backstage im Backstage eine mobile Tischtennisplatte auf und meine 4-jährige Vereinserfahrung im Kindesalter zahlt sich aus, denn ich hau die andern so dermaßen weg, ihr macht euch gar kein Bild. 11:9 und 11:8. HA!

Die MXPX Jungs sind zur Hälfte krank und zur anderen Hälfte total auf Feiern aus, das kann ein lustiger Abend werden. Überhaupt kommen heute so viele Freunde und Bekannte, dass es eine wahre Freude ist. Nova bekommt von allen Kuchen. Wir nicht. MXPX spielen dann ihre Show und das ausverkaufte Backstage geht schon ganz schön heftig ab. Ich spiel auch nen Song mit und wenn mir das vor 13 Jahren einer gesagt hätte, hätte ich denjenigen wahrscheinlich ausgelacht. Jetzt steh ich also auf der Bühne und denk mir “C, A-Moll, D, G”
Danach dann wir und was soll man sagen, München dreht komplett durch. Selten so eine energische Meute erlebt. Es dauert auch nur ca. 2 Minuten bis der Schweiss von der Decke tropft, was ja immer ein sehr gutes Zeichen ist. Wir haben ne wahnsinnig gute Zeit und beim Tischtennisturnier auf der Bühne werden die Spieler frenetisch abgefeiert. So muss ein Abend sein. Danke München, das war echt groß.



Teile von uns fahren dann so gegen 2 Uhr ins Hotel… andere, nicht namentlich erwähnte Personen, drehen im Club auf der Aftershow-Party noch völlig durch und am nächsten Morgen am Frühstückstisch fallen so Worte wie “im Klo eingesperrt”, “Body-Checks”, “Wrestlingmatch gegen eine Frau” usw…

München, das wird wiederholt. Danke.
Der Tag beginnt damit, dass unsere Crew einen kommenden Streik ihrerseits ankündigt. Unter anderem geht es um kürzere Arbeitszeiten, höhere Löhne, Wochenend- & Nachtzuschlag, mehr Mitspracherecht im Allgemeinen, bessere Verpflegung, mehr Urlaub, bezahlte Überstunden, schönere Arbeitsausrüstung- und Klamotten, Weihnachtsgeld, Osterfreizeit, Abschaffung der 24h-Videoüberwachung und generell um mehr Respekt und Wertschätzung seitens der Arbeitgeber, die in dem Fall wir sind.
Die Band zieht sich daraufhin zu einer umfassenden Einschätzung der Lage und einem Krisengespräch zurück und beschließt zweieinhalb Minuten später den Aufstand mit einem Machtwort des bandeigenen Panzers niederzuschlagen.

Die Stimmung vor der Abfahrt nach Salzburg in unserem Münchner Hotel ist demnach ziemlich gereizt. Vor allem die von Crewseite angedrohte Kooperation mit Verdi und der IG Metal liegt uns noch schwer im Magen und die ständigen, laut vorgetragenen „Jetzt wird’s teuer – Mehrwertsteuer!“- Parolen tun ihr Übriges. Als dann Max noch aus Versehen Novas Geburtstagskuchen auf den Busboden wirft ist die Stimmung auf dem endgültigen Tiefpunkt. Eigentlich wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, um die Tour abzubrechen.
Trotz aller Umstände und Unstimmigkeiten reißen wir uns nochmal zusammen und versuchen im Kollektiv die kommenden Shows in Österreich positiv anzugehen.


Auf der Fahrt werfen Max und ich mich erneut hinter die Playstation, um uns in Fifa2013 zu batteln! Max gewinnt nach einem dramatischen Spiel mit 2:3 und ich hätte echt Chancen gehabt zu gewinnen, wenn ich ab der 60. Spielminute den Fokus nicht darauf gelegt hätte in erster Linie Arijen Robben von hinten beide Beine brechen zu wollen. Schade drum, aber manchmal muss man einfach Prioritäten setzen.
Salzburg ist immer eine Reise wert. Wie schön die Stadt ist! Und wie wir immer vergessen sie uns anzuschauen! Immerhin macht Sibbi dieses Mal einen längeren Spaziergang. Herzlichen Glückwunsch. Ich hingegen unterhalte mich etwas mit MXPX-Merchmann Felix, belege mir später eine würzige Laugenstange und schaue danach rum, was das Internet so schreibt: Wie jeden Tag Mord und Totschlag und Artikel darüber, dass die Amerikaner Jürgen Klinsmann nicht mehr leiden können, weil er mit der dortigen Fusballnationalmannschaft nur noch Yoga-Übungen macht, anstatt sie Ballspielen zu lassen. Max hingegen verbringt den ganzen Tag bäuchlings, schlafend auf dem Sofa. Jeder macht halt das was er am besten kann.



Das Essen ist später übrigens so gut, dass ich fast weinen muss! All hail the Apfelstrudel!
Als erste Band spielen heute First Class Ticket und die geben gleich mal ordentlich Gas, während wir uns Backstage Kasachstan gegen Deutschland ansehen. MXPX spielen im Anschluss –wie jeden Abend- ein super Konzert und wenige Dehnübungen später rennen wir auch schon auf die gut verschraubten Bühnenbretter…
Wir freuen uns heimlich einen Ast darüber, dass so viele Leute gekommen sind! Voller Laden und wir ziehen die Saiten als hätten wir unser Lebtag nichts anderes gelernt. Die Salzburger gehen wie jedes Mal total steil und das macht echt immer einen großen Spaß hier. Vereinzelze musikalische Vollkatastrophen versucht Sibbi mit Argumenten wie „lasst euch davon nicht irritieren…wir sind Profis!“ wettzumachen. Funktioniert problemlos.


Nach der Show wringen wir unsere Tshirts aus und freuen uns im Kollektiv darüber, dass es jeden Tag so super läuft und wir einen riesen Spaß haben jeden Abend! Später stehe ich noch kurz am Merchstand, als ein Punker mit Iro und Nietenlederjacke auf mich zukommt und um ein Autogramm bittet. Da er keinen Zettel zum draufkritzeln finden kann, lässt er mich auf der Hülle seiner Kreditkarte (!) unterschreiben. Wahnsinn. Als ich noch jung war, wussten Punks nichtmal was eine Kreditkarte überhaupt ist…
Danke Salzburg. Du bist und bleibst eine Pracht! Bis zum nächsten Mal!
Aufwachen in Salzburg. Zum Frühstück werden wir von der Hotelleitung in ein Hinterzimmer gesetzt (vermutlich wieder um die anderen Gäste nicht zu verunsichern…), in welches man vom Buffet aus gesehen nur gelangen kann, indem man durch die Küche geht. Aus irgendeinem Grund fühlen wir uns aber unwohl dabei. Wie wenn man etwas verbotenes macht, obwohl man das gar nicht will. Zumindest können wir uns so aber das perfekte Spiegelei während dem Entstehungsprozess selbst aussuchen.
Das schöne Wetter von gestern ist auch wieder Geschichte und wir ziehen unsere Rollkoffer durch Straßenmatsch zurück zum Bus. Der sieht innen auch schon wieder so unglaublich versifft aus…obwohl wir uns in letzter Zeit immer vornehmen den Bus sauber zu halten. Aber das nehmen wir uns ja im Proberaum auch schon seit Jahren vor und erst letztes Jahr gabs eine Verwarnung von der Versicherung, weil alleine unser Abfall dort Großbrand-Potenzial hat. Deshalb würden wir im Tourbus auch nur ungerne sesshaft werden. Also metaphorisch gesprochen schon, aber realistisch eher nicht. Wenn man von aussen die Türe aufreisst fallen einem auch sofort volle und leere Flaschen, alte Sandwiches, Klamotten, Tüten, Abfall jeglicher Art und teilweise auch Crewmitglieder entgegen. Aber man gewöhnt sich an alles und der Spruch “Fällt nix raus ist man nicht auf Tour” kommt ja auch nicht von ungefähr.

Die Fahrt ist mit 3 Stunden zwar kein Wimpernschlag, aber immer noch 12 Stunden kürzer als die Fahrt nach Berlin letzte Woche, daher wollen wir mal nicht klagen. Im Radio kommen die ganze Zeit Songs die die ganze Zeit im Radio kommen. Immer die gleichen. Ich schalte um und höre einen Mix aus Reiseberichten, Gottesdiensten, Kirchengeleut, Hörspiele und Auslandsreportagen über Osterbräuche in Ungarn. Dort werden die Frauen in den Dörfern von Männern aus den Dörfern mit Wasser übergossen. Bevor ein Mann aber damit anfängt muss er ein Gedicht aufsagen, welches mit den Worten endet “Darf ich giessen?”.
Also zum Beispiel:
“Bei diesen Brüsten würde ich einen Wet T-Shirt Contest sehr geniessen…
darf ich giessen?”
Und zack, nass die Frau.
Manche Bräuche sollte man auch in Eislingen an der Fils einführen. Die Christen spinnen einfach.
Auf der Fahrt steigern sich Chrissy und ich komplett in den Genuss von Käsekrainern hinein, so dass wir nach der Ankunft sofort losrennen und einen Würstel-Stand aufsuchen. Bobbes kommt mit und wir finden einen, in welchem lustige Leute ein und ausgehen. Irgendwann kommt aus dem Radio Hubert von Goisern mit “Heast es net”, ein wahnsinns Lied übrigens, was uns in fast kindliche Freude stürzt, worauf wir lauthals den Jodelpart mitsingen. Der ältere angetrunkene Mann neben und findet das nicht gut und findet “wer nicht singen kann, sollte es einfach lassen oder zumindest irgendwo anders üben.”
Irgendwie hat er recht.

Die Wurst schmeckt jedenfalls unfassbar gut und wir gehen komplett glücklich wieder zurück zum Club, in dem die fleißigen Vegetarier der Band und Crew seit Stunden schufften. Im PPC, so heißt er, sind wir heute schon zum 4. mal und beim letzten mal hat der Absynth so dermaßen lecker geschmeckt, dass ich der Schwerkraft den Mittelfinger zeigen konnte und fortan nur noch geflogen bin. Ein Teufelszeug, aber ein gutes.
Aufgrund von Abnutzungserscheinungen unserer Körper, Gliedmaßen und Stimmbänder wird der Soundcheck mit den Worten “wird schon passen” erheblich abgekürzt und wir widmen uns wieder den wichtigeren Sachen wie Schlafen oder Tee kochen.

Abends gehts dann los mit J.o.e.l, einer lokalen Supportband, die schonmal gut losgelegt haben. MXPX sind heute leider zum letzten mal dabei, was die ein oder andere Träne zum Vorschein bringt.
Eine halbe Stunde vor unserer Show verstopft es das Pissoir im klitzekleinen Backstageraum hinter der Bühne. Da wir aber einen unbändigen Harndrang vorweisen ist das schlecht und so kommt es das 5 Minuten vor der Show ein Hausmeister mit einem Pümpel in unserer Pisse rumplantsch und damit den kompletten Raum unter Urin setzt. Hätten wir das gewusst, hätten wir auch gleich selbst neben das Becken pissen können. Man lernt nie aus.

Unsere Show beginnt eigentlich ganz normal, aber wie üblich in Österreich ist ganz normal eher von kurzer Dauer. Relativ bald merken wir dass die Security Beamten eher vom Typ “unfähiges Arschloch” sind. Crowdsurfer fallen mit dem Kopf vorraus in den Bühnengraben usw. Als ein Fan auf die Bühne kommt, der Security Typ im eine reinhaut, Panzer dazwischen geht und auch fast eine bekommt setzt Max schon zum beherzten Todessprung übers Schlagzeug an. Wir brechen den Song ab und klären die Sache. Beim nächsten Song muss ich aber schon wieder abbrechen. Dieses mal aber aus einem schöneren Grund. Ich spiel grade den Refrain als ohne Vorwarnung ein Rosenverkäufer mit erhobenem Rosenstraus in den Saal kommt und mitten durch die Meute und den Moshpit läuft um Rosen zu verkaufen. Sowas gibts auch nur hier. Wir bekommen ein paar Rosen und verlieben uns natürlich sofort in die Fans, die diese übergeben. Selten so eine romantische Stimmung beim Konzert gehabt.
Auch sonst ist die Stimmung super und die Grazianerinnen und Grazianer geben alles. Danke dafür.
Nach der Show will ich Mike, dem amerikanischen Sänger von MXPX erklären, was für eine Art Wurst ich heute Mittag gegessen hab und was für eine Art Wurst ich auch gleich nochmal nachts essen will, als er mir akzentfrei sagt “Oh, you mean a Käsekrainer?! Let’s get the fuck outta here and get one. With SÄMPF”
Gesagt getan. Überhaupt isses heute nacht eine sehr entspannte und feuchtfröhliche Abschiedsparty für die MXPX Jungs. Danke also an MXPX für die bisherige Tour und danke an Euch da draussen. Für die bisherige Tour! Ihr macht uns echt sehr glücklich!!
Die Osterpause ist vorbei, Jesus hat sich erfolgreich wieder vom Kreuz abgeseilt, Nordkorea droht mit Atombomben, Bayern gewinnt 2:0 gegen Juventus Turin, John Bon Jovi hat Streit mit seinem Gitarristen und wir sitzen endlich wieder im Bus und sind froh nicht mehr fernsehen zu müssen.
Im Tourkalender steht heute Köln und die Fahrt verläuft äußerst unspektakulär, was daran liegen könnte, dass ich komplett durchgeschlafen habe. Vielleicht gabs ja auch eine von uns verursachte Massenkarambolage, sieben Falschfahrer und wilde Autobahnverfolgungsjagden mit der Cobra 11-Polizei und ich habs bloß nicht mitbekommen weil ich gepennt hab. Muss die anderen mal fragen.

Unser Backliner Pommes war beim Friseur und hat jetzt einen flotten Jugendlichenschnitt. Wenigstens einer der hier trendy aussieht. Alle anderen sind stilmäßig ja irgendwo in den späten 94ern hängen geblieben. Wir sind der Hoffnung, dass Pommes durch seine neugewonnene Winschnittigkeit jetzt NOCH schneller arbeiten wird. Mal abwarten. Max´ Haarlänge hingegeben hat mittlerweile Ausmaße erreicht, die (wenn er das Haar nach hinten legt) dezent an Gehirntalent Tim Wiese von der TSG Hoffenheim erinnert. Max hat allerdings eben erwähnt, dass er mir die Zähne umbiegt, wenn ich den Vergleich in den Konzertbericht tippe. Das ist es mir wert.

Ab heute begleiten uns übrigens die Jungs von Marathonmann auf der Tour! Die kommen aus München und machen Krachmusik mit deutschen Texten. Nette Kerle jedenfalls und wir freuen uns sie dabei zu haben!
Als ich Max nachmittags nach seinem Motto für den heutigen Tag frage, antwortete er mit. „Alkohol, Fussball…und dann wieder Alkohol“. Dass wir heute auch noch ein Konzert spielen sollten scheint er irgendwie vergessen zu haben. Eigentlich trinken wir aber garnicht so viel wie alle immer sagen. Gestern in den Nachrichten hab ich gelesen, dass jeder Deutsche Im Durchschnitt pro Jahr eine komplette Badewanne Alkohol trinkt. Wir bevorzugen trotzdem weiterhin Flaschen.

In den Nachrichten stand auch, dass außer uns auch Justin Bieber grade in Köln ist und dass vor seinem Hotel grade mehr Mädchen im Regen stehen, als bei uns Abends im trockenen vor der Bühne. Überschrift des Artikels war übrigens „Kreischalarm vor dem Bieber-Bau“. Seit ich das gelesen habe, will ich auch für den Kölner Express schreiben…
Das Essen kocht heute eine kleiner sympathischer Asiate mit extrem großen Hut. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass der uns jedesmal bekocht wenn wir in Köln sind. Guter Mann. Tofuballen in Kokossoße mit Gemüse gabs.
Abends strömen dann tatsächlich über 600 gut motivierte Kölner und 8 Düsseldorfer in den Club. So viele Leute kamen noch nie zu einem Konzert in Köln und wir verklopfen uns gegenseitig die Schultern.

Marathonmann knallen irgendwann los und ernten weitläufigen Applaus für Musik und Gesang. Gute Band! Wir freuen uns derweil, dass so viele Freunde und bekannte Gesichter da sind heute und vergessen dabei fast, dass wir ja auch noch singen müssen heute.
Irgendwann gibt Tourmanager Chrissy das „jetzt los – looooos!!“-Zeichen und wir schlagen daraufhin mit Fäusten auf unsere Instrumente ein. Die daraus resultierenden Töne und Rhythmen animieren das Publikum sich wild durch die Gegend zu werfen, sich diverse blaue Flecken einzuhandeln und sich die Stimmbänder kaputtzugrölen. Es läuft also alles nach Plan.
Ganz im Ernst. Köln war immer unglaublich gut zu uns bisher und heute wars einfach nochmal eine Schippe drauf! DANKE DANKE DANKE für eine wunderschöne Keilerei. Respekt gebührt auch den 8 Düsseldorfern, die ohne Angst davor vom Rest des Publikums zusammengefaltet zu werden, das ganze (!) Konzert über „DÜSSELDORF! DÜSSELDORF“ skandierten. Sehr mutig.


Nach der Show gibt es noch einige Kölsch und einige Mexikaner und ich werde nach einer 0:10 Niederlage im Tischkicker gezwungen unterm Tisch durchzukriechen. Solche Arschlöcher.
Bis ganz bald ihr Menschen vom Rhein!
Ich wache auf in Köln und geh erstmal frühstücken im noblen Hotel. In guten Hotels steht dann immer ein Koch vor einer Herdplatte und bereitet verschiedenste Eierspeisen an. Find ich total klasse, stell ich mich immer an und freu mich wie ein Depp. Bobbes und Thimo begrüßen mich mit Worten ala „Du siehst aus ein Mülleimer“.
Überhaupt muss ich mir mittlerweile JEDEN TAG anhören, wie fertig ich aussehe und meine Augenringe, blaaa blaaa blaaa. Als ob niemandem mal was anderes einfallen könnte. Ich hoffe echt, dass ich bald graue Haare bekomme oder Segelohren, damit es nicht NOCH langweiliger wird jeden Tag.
Nach dem leckeren Frühstück komme ich wieder ins Zimmer wo sich Panzer grade aus dem Bett schält und sich mit den Worten „Also nüchtern bin ich irgendwie noch nicht“ ins Bad verabschiedet wo er erstmal 15 Minuten lange in voller Lautstärke Lieder von Gianna Nanini singt.
…
Die Fahrt verläuft ohne große Vorkommnisse und ist mit einer Stunde auch relativ kurz für so eine Tour. Zumindest 14 Stunden kürzer als die Berlinfahrt vor 3 Wochen. In Dortmund angekommen benutze ich wie meistens erstmal die Toilette der Vorband, weil die ja immer erst viel später kommen und dann muss unsere Reisegruppe weniger leiden. Irgendwie klar, dass Marathonmann heute genau 3 Minuten nach uns antanzen und ich mich heimlich wieder zurückschleichen muss und so tun muss, als würde es überall so stinken. Marathonmann sind übrigens sehr nette Jungs, weshalb ich auch gleich mal in die Stadt mit denen gehe.


Irgendwann nachmittags wird’s uns dann auch zum ersten mal am heutigen Tag so richtig langweilig und da man sich auf Tour eh aufführt wie ein kleines Kind sind wir auch genau so nervig unterwegs wie kleine Kinder wenn ihnen langweilig ist. Heute ist Thimo’s Koffer der leidtragende. Oder eben Thimo ansich. Aber er ist auch selbst schuld, weil er so einen übelst schicken Business-Allrad-Roll-Koffer mit auf Tour dabei hat. Sowas macht man einfach nicht. Und so kommt es dann eben, dass Thimo seinen Koffer an Stellen wiederfindet, wo er ihn nicht erwartet Toilette, Catering, Bühne, Tribüne, Mischpult oder einfach wie von Geisterhand durch den riesigen Club fahrend. Thimo wird dann auch immer gleich so herrlich aggressiv und muss dann unbedingt Gewalt ausüben um seinen Respektsbereich wieder klar und deutlich abzugrenzen. Wunderbar ist das.

Abendbrot ist wieder sehr lecker und wir sind generell froh im FZW zu sein. Einfach ein super Club, der genau so ist wie ein Club eben sein sollte. Was heute aber zum einen total seltsam, zum anderen total geil ist, ist die Tatsache, dass wir als Hauptband schon um 20:30 Uhr auf die Bühne müssen. Aber bei dem Grund machen wir das gerne: 80er Jahre Disco im Anschluss. Besser geht’s wohl kaum.
Marathonmann machen wieder den Anfang heute und schreien die Leute an. Können sie echt sehr gut muss man sagen. Danach dann unser Intro und nachdem wir Thimos Koffer in irgendeinen Gang gestellt haben laufen wir auf die Bühne und begrüßen die geilen Dortmunder ein weiteres mal. Immer ein Fest in dieser Stadt. Aufgrund der Tatsache, dass der Club ca. 60m breit ist, dauert es 2 Songs bis sich alle sortiert haben, aber dann kennt der Schweiss kein halten mehr und Dortmund geht ab wie Sau. Wir haben auch echt mal wieder den größten Spass überhaupt. Wir sind so glücklich auf Tour zu sein, das kann man einfach nicht in Worte fassen.



Nach der Show dann wie versprochen die 80er Disse und es macht so Spass sich durch 50-60jährige aufgetakelte Frauen mit Lederhaut zu tanzen. Herrlich. Kann man nur empfehlen.
Dortmund, bis zum nächsten Mal!!
Frankfurt, alte Apfelweinkutsche!
Noch drei Konzerte zu gehen – wie der Amerikaner sagen würde – und unsere auf den Rücken geschnallten Motivationstanks sind zu bersten gefüllt! Was für eine extrem gute Tour bisher. Bisher war wirklich jedes einzelne Konzert ein Erlebnis und manchmal ist es kaum zu glauben, dass wir drei Honks das zusammen auf die Beine gestellt haben. Wir können zwar nichts so richtig, aber das was wir so halb können, das können wir total gut!

Auf der Fahrt nach Hessen versuche ich mehrmals tiefgründige Gespräche innerhalb der Reisegruppe anzuzetteln, woraufhin mir ebenfalls mehrmals tiefgründige Prügel angedroht werden. Ich entschließe mich daraufhin also zu lesen, kann mich aber nicht zwischen meinem Buch und dem „11-Freunde“-Magazin entscheiden, schlafe deshalb frustriert ein und träume von Wasserflugzeugen auf denen 40m hohe Baugerüste gebaut sind. Ein Alligator war auch noch dabei und Überlebende gabs leider keine.

Als wir in Frankfurt ankommen fühlt sich mein Kopf an, als hätte er grade eine Fahrradhelm-Test-Melone abbekommen und ich trinke erstmal einen Zitrone/Ingwer-Tee. Kurz darauf sagt mir ein Blick auf die Uhr, dass es ja schon 12.45Uhr ist, woraufhin ich umgehend Tee gegen Bier tausche.
Die Batschkapp ist mit einer der besten Clubs in ganz Deutschland und als wir mitbekommen, dass es heute – aufgrund eines anstehenden Umzugs – wohl unsere letzte Show hier sein wird, müssen wir die Tränen mit vereinten Kräften zurückhalten. Dafür nehmen wir uns aber vor heute Abend nochmal vieles richtig zu machen und die Batschkapp würdig zu verabschieden!

Irgendwann nachmittags wird mir irgendwann so langweilig, dass ich beschließe willkürlich unsere Crew zu beschimpfen und ihnen dabei etwas beim Arbeiten im Weg rum zu stehen. Leider sind die mittlerweile alle so professionell, dass sie sich nichtmal ordentlich provozieren lassen. Einzig kurze Beschimpfungen wie „verpiss dich jetzt, Pumuckl“ lassen sie sich entlocken.
Fünf Minuten später sitze wieder ich Backstage und schaue mir auf Youtube eine Folge „Meister Eder und sein Pumuckl“ an. Es ist die Folge, in der Pumuckl versucht Schnee in die Schreinerei zu packen, weil es ihm draußen zu kalt ist zum spielen. Wahnsinnig gut. Wenn ich irgendwann mal ein Kind habe, darf es die erste 17 Jahre seines Lebens außer „Meister Eder und sein Pumuckl“ nichts im Fernsehen anschauen. Und Fussball vielleicht. Aber keine Bayernspiele.


Am Abend spielen Marathonmann eine sehr gute Show und im Anschluss wälzen wir unsere alten Körper auf die durchgesifften Bühnenbretter! Wir jagen also dubiose Akkordfolgen durch den Raum und das Publikum legt bemerkenswerte Bewegungen aufs Parkett! Kurz: Alles läuft wie geplant. Es ist kaum zu glauben was für einen Spaß das heute macht…. – Gäste haben wir auch auf der Bühne und es ist ein wahres Fest. Schöner und würdiger hätten wir die Batschkapp nicht verabschieden können. Frankfurt ist und bleibt eine Festung!!
Danke liebe Hessen. Ihr und wir das ist irgendwie richtig!
Backliner Bobbes und Mischer Thimo, die sich auf Tour wie ein altes Ehepaar verhalten, erzählen mir am Frühstückstisch, dass gestern wieder diverse Sachen in ihrem Hotelzimmer zu Bruch gegangen sind. Es schockt mich allerdings schon gar nicht mehr. Um es kurz vorweg zu nehmen, heute Nacht, nach der Konstanz Show wird Thimo beim Versuch vom Schrank auf Bobbes’ Bett zu springen mit dem Fuss an der Herdplatte hängen bleiben, dabei umbemerkt die Herdplatte anmachen und das ganze nach geglücktem Hechtsprung erst bemerken, als die in Frischhaltefolie gewickelten und auf der Herdplatte abgestellten Käsebrote anfangen zu qualmen. Soviel zum Touralltag.



Chrissy sitzt neben mir im Auto nach Konstanz und wir freuen uns wie die kleinen Kinder als irgendwann zum einen die Berge und dann der Bodensee zu sehen sind. Mit zunehmendem Alter findet man die Natur echt immer geiler. Ich weiß noch, wie ich mich als Kind immer angekotzt habe, wenn meine Eltern wandern gehen wollten, ich aber lieber in einen Action-Adventure Park wollte. Heute fahr ich mit meiner Blues-Rock Band an den Bodensee und freue mich, wenn ich Wasser sehe. Times change…

Um dem allgemeinen Trend entgegenzuwirken als Bandmitglied ca. 12 Stunden täglich damit zu verbringen in dunklen Backstageräumen sinnlos im Internet zu surfen, und ich ja wie nun bekannt ist der totale Natur- und Wanderfreund bin, entschließe ich mich vom Club aus erstmal zum Rhein und dann am Fluss entlang an den Bodensee und in die Konstanzersche Altstadt zu latschen. Dass heute, Mitte April, das erste mal in diesem Jahr die Sonne scheint kommt erfreulicherweise noch dazu. Ich hab also 2 Stunden Zeit und merke, nachdem ich 1,5 Stunden in ein und die selbe Richtung gelaufen bin, dass ich wenn ich sofort umdrehe ca. 1 Stunde zu spät zum Soundcheck kommen werde. Also rede ich mir ein, dass ich meinem Körper noch mehr Gutes tue, wenn ich jetzt wieder zurück zum Club renne. In Jeans, mit Kapuzenpulli und Hut.
Zurück im Club dann wie jeden Tag Tourmanager Chrissys´ extrem verwirrender, noch viel unnötigerer, aber dafür auch total Sympathischer Schilderwald:

Ich komme noch rechtzeitig zurück, bin allerdings komplett nassgeschwitzt und meine Allergietablette, die ich leider NICHT eingenommen habe, verhindert deshalb auch nicht, dass ich die nächste Stunde über kaum noch Luft bekomme. Es leben die Pollen.
Der Tag ansonsten verläuft ruhig, wir essen zu Abend ein Thai Curry, welches exakt so schmeckt, als würde man eine Raffaelo-Kugel in die Mikrowelle schieben, freuen uns, dass der Club seit Wochen ausverkauft ist und Marathonmann heute so richtig richtig gut abgefeiert werden. Überhaupt sind auch diese Jungs so entspannt und nett, dass man sehr sehr gerne mit ihnen auf Tour ist!


Um halb 10 stolpern wir dann mal auf die Bühne und wie auch auf den anderen Shows der Tour geht von Beginn an die Post ab. Allerdings: so heiss wie heute war es auf dieser Tour noch nie. Leck mich am Arsch. Dass die Leute hier dennoch 90 min durchdrehen liegt sicherlich an der Seeluft. Oder an der Allergietablette. Konstanz ist auf jeden Fall ein großes Highlight und wir haben mords den Spass. Dankesehr!!!

Panzer hat heute Zahnschmerzen und frisst mehr Ibuprofen als Käsebrot, was selten vorkommt. Gute Besserung lieber Bass. Die Aftershow-Party fällt deshalb etwas kürzer aus, dennoch ist dieser Freitag ein sehr guter Freitag. Und ich war joggen.
Letzter Tag der “Ports & Chords” Tour in der württembergischen Landeshauptstadt. Alle können noch stehen, keiner ging unterwegs verloren und schnupfen hat auch keiner bekommen. Es verlief also alles nach Plan.
Die beste, schönste und erfolgreichste Tour unserer 12-jährigen Bandgeschichte neigt sich dem Ende zu und wir fahren mit eingemeiseltem Grinsen im Gesicht Richtung Stuttgart.
Zum Frühstück esse ich zwei Tabletten Ibuprofen mit Milch, weil einer meiner Weisheitszähne seit gestern versucht sich nach vorne zu drücken und dadurch immense Schmerzen im gesamten Kopfbereich verursacht.
Weisheitszähne sind eh völlig für den Arsch. Wieso bekommt man die überhaupt, wenn sie eh bei jedem zweiten gezogen werden? Und warum haben Männer Brustwarzen? Wieso sind unsere Daumen so kurz? Weshalb sehen Knie so komisch aus? Fragen über Fragen…




Letzterer ist jetzt übrigens Mitglied einer mafiösen Gesellschaft und fürchtet jetzt darum seinen Intergrations-Bambi wieder abgeben zu müssen. Hab ich jedenfalls auf einer angesehenen Internetplattform gelesen. Außerdem stand drin, dass sich Fussballtrainer Jürgen Klopp einer Eigenhaar-Transplantation unterworfen hat und viele andere Dinge die keinen auch nur irgendwie interessieren könnten. Immerhin muss der Klopp jetzt seine Volldeppen -“Pöhler”-Mütze nicht mehr tragen. Es hat also doch immer alles auch eine gute Seite.
Das Essen im Club heute ist mit Worten nicht zu beschreiben. Es gab wirklich jeden Abend super Essen auf dieser Tour, aber was uns heute hier
aufgetischt wird ist an Koch-Hingabe und Liebe zum Detail kaum zu übertreffen! Es gibt sogar Salatgabeln in Gitarrenform. Hier ein paar Beweisbilder:



Der Soundcheck verläuft bärenstark, was nicht zuletzt an unserer Professionalität liegt.
Pünktlich zum Einlass treffen unzählige Eltern, Verwandte und Freunde ein. Daheim ist halt daheim und ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass wir heute nicht noch ein bißchen mehr aufgeregt wären als sonst.
An dieser Stelle lass ich mal Sibbi weiterschreiben. Der kann ruhig auch mal was arbeiten.



So, ich übernehm dann mal.
Und ja, was soll man sagen, es ist einfach das beste Gefühl überhaupt wenn man während dem Intro die lange Treppe, man könnte fast schon Show-Treppe sagen, im LKA herunterläuft und auf die Bühne kommt während 1500 Leute davor stehen die sich genau so sehr freuen wie wir. Was die 90 Minuten danach passiert kann eigentlich echt nicht in Worte fassen. Ich kann nur sagen, dass ich noch nie auf irgendeinem Konzert von irgendjemandem so eine abgefahren geile Stimmung erlebt habe. Alle Leute gehen von Anfang bis Schluss so dermaßen ab, der Club ist rappelvoll, wir freuen uns, dass wir das später auch sein werden, alle singen, unsere Crew ist die geilste, unsere Familien sind da, ach… einfach zu schön um wahr zu sein.


Nach der Show sind zwar die glücklichsten Menschen auf der Welt aber auch die traurigsten, weil die Tour leider vorbei ist und wir wissen, dass wir morgen nicht um 13 Uhr im nächsten Club sein müssen, sondern zuhause auf dem Sofa ausnüchtern werden.
Nachdem wir mit allen Bekannten und allen Unbekannten Leuten gequatscht, unsere Crew reich beschenkt, den Alkoholvorrat relativ schnell verringert und die restlichen belegten Brote gegessen haben machen wir uns auf in die Stadt wo wir uns ins Oblomow begeben, eine Bar von der Panzer behauptet hat, dass dort heute als einziges gute Musik laufen würde… Wahrscheinlich wäre im allerletzten Hip Hop Schuppen bessere Musik gekommen, aber hey… das ist uns in unserem Zustand eh egal. Wir feiern gebührend, ich schlichte einen Streit bei welchem vom Streiter vorgeworfen wird, dass ihn Bobbes die ganze Zeit so dumm ankucken würde. Ich schaue zu Bobbes und erkenne, dass er mit dem Alkoholpegel einfach rein technisch gar nicht anders schauen kann, erkläre das dem Streithahn und widme mich wieder meinem Getränk.


Was für ein herrlicher Abend, was für eine tolle Tour, was für ein Glück, das wir doch haben! Danke an alle!
Danke für die schönen s/w-Bilder an Daniel Schmid: www.daniel-schmid-fotografie.de/
